ASML im Aufwind: Rekordzahlen und geopolitische Hürden im Chipmarkt
Heute ist der 16.07.2026 und es gibt Neuigkeiten aus der Welt von ASML, dem unangefochtenen König im Bereich der Chipproduktion. Im zweiten Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind mehr als nur beeindruckend – sie sind ein klares Zeichen für die hohe Nachfrage nach Lithografietechnik, die im Zuge des globalen KI-Booms förmlich explodiert. Der Aktienkurs stieg nach der Veröffentlichung der Ergebnisse zunächst, doch wie das manchmal so ist, gab er im Laufe des Handels alle Gewinne wieder ab. Ein echter Stimmungskiller!
ASMLs CFO Roger Dassen hat allerdings positive Nachrichten parat. Die Kapazität für fortschrittliche EUV-Anlagen ist bis Ende 2027 nahezu vollständig ausgebucht. Das verschafft ASML eine Preismacht, die sich sehen lassen kann. Ein „ziemlich starker Spielraum“ für zukünftige Preiserhöhungen, wie Dassen es formuliert hat. Interessanterweise gibt es bei den Preisverhandlungen zwischen den Kunden Unterschiede: Während die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) Widerstand leistet, haben chinesische Abnehmer einer 10-prozentigen Preiserhöhung bei DUV-Anlagen bereits zugestimmt. Das zeigt, wie unterschiedlich die Marktbedingungen sind.
Aktuelle Quartalszahlen und Marktentwicklungen
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass ASML ein wichtiger Player auf dem Markt für Chipproduktionsgeräte ist. Der Quartalsumsatz lag bei 8,77 Milliarden Euro – ein ordentlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr mit 7,74 Milliarden Euro und sogar über den Analystenerwartungen von 8,69 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Entwicklung fiel der Aktienkurs um 3,6 % auf Tradegate. Ein merkwürdiges Phänomen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Jahresumsatzprognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben wurde – zuvor waren es nur 34 bis 39 Milliarden Euro. Das zeigt, dass die Anleger offenbar weiterhin skeptisch sind.
Die Nachfrage nach Chipfertigungsmaschinen ist durch massive Investitionen in künstliche Intelligenz in die Höhe geschossen. Kunden wie TSMC und Samsung investieren kräftig, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. TSMC plant sogar, in diesem Jahr bis zu 56 Milliarden US-Dollar auszugeben! SK Hynix folgt mit etwa 8 Milliarden US-Dollar in ASML-Anlagen bis 2027. Das alles klingt nach einem goldenen Zeitalter für ASML, zumindest auf den ersten Blick.
Geopolitische Herausforderungen und Marktrisiken
Doch nicht alles läuft glatt. Geopolitische Herausforderungen, insbesondere in China – dem größten Markt von ASML im Vorjahr – werfen einen Schatten auf die Zukunft. Der US-Gesetzgeber hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der den Verkauf von ASML-Werkzeugen nach China einschränkt. Das könnte bedeuten, dass ASMLs Umsatzanteil aus China auf etwa 20 % sinken wird, nachdem im vierten Quartal 2022 noch 36 % des Nettoumsatzes darauf entfielen. Ein gravierender Rückgang, der nicht zu unterschätzen ist.
Zudem hat ASML im ersten Quartal einen Nettoumsatz erzielt, der genau den Analystenschätzungen entsprach, doch die Unsicherheit bleibt. CEO Christophe Fouquet äußert sich optimistisch über die Wachstumsaussichten und die anhaltende Nachfrage nach Chips. Dennoch plant ASML, die Kennzahl der Auftragseingänge zu streichen, da diese als volatil angesehen wird. Das klingt nach einer strategischen Neuausrichtung, die die Unsicherheiten im Markt besser reflektieren könnte.
Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist der Stellenabbau von etwa 1.700 Arbeitsplätzen, hauptsächlich in Technologie und IT, den ASML im Januar 2023 angekündigt hatte. Solche Maßnahmen lassen aufhorchen und zeigen, dass selbst ein Unternehmen mit so starken Zahlen und Perspektiven wie ASML nicht vor Herausforderungen gefeit ist.
