Barrierefreiheit im ÖPNV: Ein Weg voller Hürden für Millionen Menschen
Heute ist der 21.07.2026 und das Thema Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) bleibt ein heißes Eisen. Jürgen Dusel, der Behindertenbeauftragte des Bundes, hat es wieder einmal auf den Punkt gebracht: Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sind die Hürden beim Reisen oft einfach zu hoch. Aufzüge, die wochenlang nicht funktionieren – insbesondere in ländlichen Gebieten – sind da nur die Spitze des Eisbergs. Stufen an vielen Bushaltestellen und enge Flächen machen das Ganze nicht einfacher. Das Personenbeförderungsgesetz, das bis 2022 die vollständige Umsetzung der Barrierefreiheit forderte, wurde nicht einmal ansatzweise eingehalten. Ein echtes Armutszeugnis!
Eine Untersuchung des ADAC hat gezeigt, dass von etwa 150 Haltestellen die meisten für Menschen mit Behinderung, Rollatoren oder auch Kinderwagen oft unzugänglich sind. Nur 20 Prozent der Straßenbahnhaltestellen erfüllen die empfohlenen Abstände zwischen Bordsteinkante und Fahrzeug, während bei Bussen gerade einmal 3 Prozent passgenau halten. Das lässt einen schon nachdenklich werden, vor allem wenn man bedenkt, dass in Deutschland 13 Millionen Menschen mit Behinderung leben. Und das ist nicht nur ein Problem an Bahnhöfen und Haltestellen, sondern auch die Wege dorthin sind häufig nicht barrierefrei.
Ein Blick auf die Realität
Die Deutsche Bahn hat laut Dusel ein massives Qualitätsproblem in der Barrierefreiheit. Menschen im Rollstuhl, die ihre Fahrten mindestens einen Tag im Voraus anmelden müssen, sind oft auf den Mobilitätsservice angewiesen, der nur bis 22 Uhr verfügbar ist. Das ist nicht nur frustrierend, es schränkt die Freiheit und Flexibilität der Betroffenen enorm ein. Und die Informationen über defekte Aufzüge? Oft schlichtweg unzureichend.
Der ADAC fordert einen schnelleren Ausbau barrierefreier Haltestellen. Das Bewusstsein für Barrierefreiheit hat zum Glück zugenommen, insbesondere in größeren Städten sind Fortschritte erkennbar. Rund 90 Prozent der 5.400 Bahnhöfe der Deutschen Bahn sind stufenfrei erreichbar, aber etwa 3.500 Bahnhöfe warten immer noch auf eine vollständige Umgestaltung. Das ist ein bisschen so, als würde man ein Haus bauen und die Treppen einfach weglassen.
Städte im Test
Das Thema hat auch andere Städte beschäftigt. Der ADAC hat zehn deutsche Städte wie Augsburg, Bielefeld und Chemnitz auf ihre Barrierefreiheit getestet. Knapp 150 Haltepunkte wurden untersucht – der Zugang vom Gehsteig über die Haltestelle bis hin zum Einstieg in Bus und Bahn stand dabei im Fokus. Die Firma PB Consult GmbH aus Nürnberg führte die Tests durch. Die Ergebnisse sind gemischt: 93 Prozent der Haltestellen hatten zwar Leitstreifen für blinde Fahrgäste, aber nur 20 Prozent der Straßenbahnen und gerade einmal 3 Prozent der Busse erfüllten die Vorgaben für stufenlose Zugänge. Das ist schon ein bisschen ernüchternd, oder?
Chemnitz sticht als Vorbild hervor, mit akustischen Fahrgastinformationen und Schulungen für das Fahrpersonal. Das sollten sich andere Städte vielleicht mal zum Vorbild nehmen! Die Menschen, die auf barrierefreien Zugang angewiesen sind, wünschen sich vor allem eines: eine stärkere Einbindung in die Planung neuer Haltestellen und mehr Rücksichtnahme im Alltag. Es ist kaum zu fassen, dass 40 Prozent der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mindestens einmal pro Woche Bus und Bahn nutzen, aber 29 Prozent würden den ÖPNV häufiger nutzen, wenn Haltestellen stufenlos erreichbar wären.
Das Thema Barrierefreiheit im ÖPNV ist also nicht nur ein technisches Problem, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Hier ist noch viel Luft nach oben, und die Zeit drängt. Ein schnellerer Ausbau der Barrierefreiheit und regelmäßige Schulungen des Fahrpersonals sind längst überfällig. Die Stimmen der Betroffenen müssen gehört werden – denn es geht um mehr als nur um Zahlen und Statistiken. Es geht um Menschen.
