Eigenheim ohne Eigenkapital: Verlockung oder finanzielle Falle?
Es gibt wohl kaum etwas Aufregenderes, als den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Doch während die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden steigt, geben Banken und Finanzdienstleister Gas und locken potenzielle Hauskäufer über Social Media mit verlockenden Angeboten zur Vollfinanzierung. Die Idee: einfach alles – den gesamten Kaufpreis samt Nebenkosten – über einen Kredit finanzieren, ohne auch nur einen Cent Eigenkapital einzubringen. Klingt verlockend, oder? Doch Vorsicht! Die Verbraucherzentrale Hamburg schlägt Alarm und warnt vor den Risiken dieser aggressiven Marketingstrategien.
Besonders Sandra Klug von der Verbraucherzentrale hebt hervor, wie wichtig Eigenkapital für eine solide Finanzierung ist. Eine Eigenkapitalquote von 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises wird empfohlen, um sich vor den finanziellen Fallstricken zu schützen. Denn fehlendes Eigenkapital kann zu Kettenreaktionen führen, die nicht nur die Kreditwürdigkeit gefährden, sondern auch im schlimmsten Fall zur Überschuldung führen können. Die Banken verlangen zudem höhere Zinssätze für Kredite, bei denen mehr als 60 Prozent des Beleihungswerts finanziert werden. Das bedeutet, dass Käufer mit höheren Kreditbeträgen auch mit höheren monatlichen Ausgaben rechnen müssen, was die finanzielle Flexibilität einschränkt.
Die Schattenseiten der Vollfinanzierung
Käufer, die sich auf die Vollfinanzierung stützen, laufen Gefahr, in eine finanzielle Falle zu tappen. Sie könnten Schwierigkeiten haben, Rücklagen zu bilden, und in Notlagen gezwungen sein, die Immobilie zu verkaufen. Klug warnt eindringlich vor vermeintlichen Erfolgsgeschichten und betont, dass Eigenkapital, solider Bonität, realistische Zinsbindungen und Rücklagen unerlässlich sind. Und das ist noch nicht alles: Bei einer 100-%-Finanzierung ist der Zinsaufschlag nicht zu unterschätzen. Ein Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro und einem Sollzins von 4,5 Prozent ohne Eigenkapital zahlen Käufer rund 2.167 Euro monatlich – im Vergleich zu nur 1.467 Euro bei 20 Prozent Eigenkapital. Das macht einen Unterschied von fast 25.000 Euro an Zinsen über zehn Jahre!
Zusätzlich sind die Anforderungen für eine Vollfinanzierung nicht ohne. Banken setzen eine ausgezeichnete Bonität (mindestens einen SCHUFA-Score von 95) voraus, ein sicheres, hohes Einkommen und idealerweise auch Bürgen wie Eltern oder Partner. Wer denkt, dass er mit einer Vollfinanzierung auf der Überholspur ist, könnte schnell feststellen, dass er keinen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben hat. Bei einem Wertverlust der Immobilie oder einem plötzlichen Einkommensverlust kann das schnell zur Überschuldung führen.
Alternative Finanzierungsmöglichkeiten
Es gibt jedoch Alternativen zur Vollfinanzierung, die nicht nur sicherer, sondern auch finanziell sinnvoller sein können. Wer schnell Eigenkapital aufbauen kann, kann bereits mit 10 bis 15 Prozent Eigenkapital den Zinssatz um 0,3 bis 0,6 Prozent senken. Das klingt vielleicht nach einem kleinen Unterschied, kann aber auf lange Sicht Tausende Euro sparen. Auch staatlich geförderte Programme, wie Bausparverträge oder KfW-Förderungen für Erstkäufer, können eine echte Option sein. Und nicht zu vergessen: Die eigenen Rücklagen, die für unerwartete Reparaturen oder Einkommensverluste wichtig sind.
Die Verbraucherzentralen raten zudem davon ab, Kombinationen mit Lebensversicherungen oder Bausparverträgen in Betracht zu ziehen. Die langfristige finanzielle Gesundheit sollte immer im Vordergrund stehen. Schließlich gibt es nichts Schöneres, als in einem Eigenheim zu leben, ohne ständig an der finanziellen Belastung zu knabbern. Ein hoher Eigenkapitaleinsatz kann nicht nur die Zinsen senken, sondern auch die Entschuldungsdauer verkürzen. Wer clever plant und sich nicht von verlockenden Angeboten blenden lässt, hat die besten Chancen auf ein sorgenfreies Wohnen.
