Am 24. April 2026 hat die vietnamesische Nationalversammlung einen bedeutenden Schritt in der Steuerpolitik unternommen. Mit über 93 % Ja-Stimmen wurde ein Gesetz zur Änderung der Steuergesetze verabschiedet, das sowohl die Einkommensteuer als auch die Mehrwertsteuer betrifft. Diese Änderungen, die am 1. Januar 2026 in Kraft treten, bieten der Regierung die Flexibilität, den Schwellenwert für die Einkommensteuer und Mehrwertsteuer für Privatpersonen und Kleinunternehmen anzupassen. Statt eines starren Schwellenwerts von 500 Millionen VND pro Jahr wird die Steuerfreigrenze auf 1 Milliarde VND angehoben, was vor allem Kleinstunternehmen anregen soll, sich in formelle Unternehmen umzuwandeln.
Die Erhöhung dieser Steuerfreigrenze könnte für den Staat erhebliche Einnahmeverluste mit sich bringen: Schätzungen zufolge könnten die Staatseinnahmen um etwa 7 Billionen VND zurückgehen, aufgeteilt in 4,85 Billionen VND von Kleinstunternehmen und 2,2 Billionen VND von Kleinbetrieben. Laut Finanzminister Ngo Van Tuan wird die Obergrenze für steuerfreie Einnahmen bei unter 3 Milliarden VND pro Jahr liegen. Unternehmen, die diesen Wert überschreiten, müssen einen Steuersatz von 15 bis 17 % zahlen.
Neue Perspektiven für Unternehmen
<pDiese Maßnahmen zielen darauf ab, die Wirtschaft zu beleben und die Steuerlast für die vielen Haushalte und Einzelunternehmen im Land zu verringern. In Vietnam gibt es etwa 2,56 Millionen Haushalte und Einzelunternehmen mit einem Einkommen von weniger als 1 Milliarde VND. Gleichzeitig wird erwartet, dass im Zeitraum von 2022 bis 2025 zwischen 3 und 4 Millionen Gewerbebetriebe entstehen, von denen über 2 Millionen regelmäßig Steuern zahlen. Für 2025 werden die Steuereinnahmen aus diesem Sektor auf 32,84 Billionen VND geschätzt, was einem Anstieg von 37,5 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Insgesamt gibt es in Vietnam rund 900.000 aktive Unternehmen, von denen fast 94 % als Klein- und Kleinstunternehmen gelten. Die neuen Regelungen könnten somit eine wichtige Rolle dabei spielen, die wirtschaftliche Teilhabe und die Umwandlung in formalere Unternehmensstrukturen zu fördern.
Steuersystem im internationalen Vergleich
Wie sich das vietnamesische Steuersystem im Vergleich zu den DACH-Ländern präsentiert, ist ebenfalls ein spannendes Thema. Vietnam erhebt keine Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer, was es für Auswanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz besonders attraktiv macht. Zudem sind die Lebenshaltungskosten in Vietnam vergleichsweise niedrig, was die effektive Steuerbelastung relativiert.
Der Körperschaftsteuersatz von 20 % ist für Unternehmer interessant, die vor Ort agieren möchten. Steuerpflichtige, die länger als 183 Tage im Land bleiben oder dort einen ständigen Wohnsitz haben, unterliegen der unbeschränkten Steuerpflicht auf ihr weltweites Einkommen. Für Nicht-Residenten hingegen gilt eine pauschale Besteuerung von 20 % auf vietnamesische Einkünfte.
Ein wichtiger Aspekt, der Auswanderer und Investoren anzieht, ist das Vorhandensein von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Abkommen bieten zusätzliche Sicherheit und Planungsspielraum für internationale Geschäfte und persönliche Finanzen. Wer in Vietnam eine steuerliche Ansiedlung plant, sollte sich jedoch im Vorfeld professionell beraten lassen, um die besten Optionen zu nutzen und mögliche Stolpersteine zu umgehen.
Insgesamt zeigt sich, dass Vietnam sich zu einem dynamischen Wirtschaftsstandort entwickelt, der nicht nur für einheimische Unternehmer, sondern auch für internationale Investoren und Auswanderer zunehmend interessant wird. Die jüngsten steuerlichen Anpassungen könnten einen weiteren Anreiz für Unternehmensgründungen und wirtschaftliche Aktivitäten im Land darstellen.
Für detailliertere Informationen zu den steuerlichen Gegebenheiten in Vietnam empfehlen wir einen Blick in die Quellen hier sowie hier.