In Vietnam brodelt es: Das Finanzministerium hat einen Vorschlag zur Anhebung der Umsatzgrenze für die Steuerbefreiung von 500 Millionen VND auf 1 Milliarde VND pro Jahr unterbreitet. Damit könnte sich die finanzielle Lage für viele kleine Unternehmer deutlich verbessern. Zu den Unterstützern dieser Erhöhung gehören auch der Überprüfungsausschuss der Nationalversammlung, der eine Mindeststeuergrenze von etwa 2 Milliarden VND empfiehlt, sowie der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen, der sogar eine Anhebung auf 3 Milliarden VND befürwortet. Kleinunternehmer wie Herr HTT, der in Hanoi ein Lebensmittelgeschäft betreibt, sind von dieser Debatte direkt betroffen. Mit einem täglichen Umsatz von 5-6 Millionen VND erreicht er jährlich gerade einmal 1,8 bis 1,9 Milliarden VND und hofft auf eine Steuerfreigrenze von 2 Milliarden VND.
Herr T. ist kein Einzelfall. Sein tatsächlicher Gewinn liegt nach Abzug der Kosten unter 10 %. Bei einem Umsatz von 2 Milliarden VND würde sein monatliches Einkommen bei etwa 166 Millionen VND liegen, was bei einer Gewinnmarge von 10 % einem Gewinn von rund 16,6 Millionen VND pro Monat entspricht. Im Gegensatz dazu würde ein Umsatz von 1 Milliarde VND bedeuten, dass er nur 8,3 Millionen VND monatlich verdient – ein Betrag, der unter der Steuerpflichtgrenze von 15,5 Millionen VND für Arbeitnehmer liegt.
Steuerfreigrenze und Unternehmensvielfalt
Nguyen Quang Huy, CEO der Fakultät für Finanzen und Bankwesen, äußert sich kritisch zu einer einheitlichen steuerfreien Umsatzschwelle. Er betont, dass diese nicht die Vielfalt der Geschäftstätigkeiten widerspiegle und schlägt vor, die Steuerfreigrenze auf 2 Milliarden VND pro Jahr anzuheben, um die kleinen Unternehmen zu unterstützen und Haushaltsausfälle zu begrenzen. Herr Nguyen Van Thuc, Vorsitzender der BCTC Tax Consulting Company, hält eine Anhebung auf 1 Milliarde VND für einen geeigneten Schritt. Er weist darauf hin, dass ein Familienunternehmen ein Einkommen von etwa 21,7 Millionen VND pro Monat benötigt, was einem Jahresumsatz von über 1,2 Milliarden VND entspricht.
Die Experten sind sich einig, dass die Steuerpolitik an die Besonderheiten der Branchen und die Transparenz der Unternehmen angepasst werden sollte. Langfristig könnte ein gestaffeltes Umsatzmodell anstelle einer starren Schwelle sinnvoll sein. Das Finanzministerium hat offiziell vorgeschlagen, die Steuerfreigrenze für Kleinstunternehmen auf 1 Milliarde VND pro Jahr anzuheben, was die Diskussion um die finanzielle Entlastung von Kleinunternehmern weiter anheizt.
Ein Blick in die Zukunft
Ab 2026 wird Vietnam sein Pauschalbesteuerungssystem vollständig abschaffen. Dies betrifft rund zwei Millionen private Unternehmen und Einzelunternehmer, die derzeit in diesem System registriert sind. Diese Maßnahme ist Teil der Resolution 68, die im Mai 2023 angekündigt wurde. Sie zielt darauf ab, die einheimischen Privatunternehmen bis 2035 zur „wichtigsten treibenden Kraft“ der Wirtschaft zu machen. Die Reform verspricht Deregulierung, erhöhten Schutz für lokale Unternehmen und besseren Zugang zu Kapital.
Die Steuerquote Vietnams lag 2023 bei 16,8 Prozent, was unter dem asiatisch-pazifischen Durchschnitt von 19,5 Prozent und dem OECD-Durchschnitt von 33 Prozent liegt. Im Jahr 2024 erzielte Vietnam mit 1,6 Billiarden VND (ca. 66,7 Milliarden US-Dollar) an Steuereinnahmen einen Rekord, hauptsächlich aus inländischen Quellen. Dennoch müssen die Unternehmen sich auf mögliche Steuererhöhungen einstellen, da ab Januar 2026 alle Unternehmen auf das Steuererklärungssystem umstellen müssen. Dies könnte zusätzliche Herausforderungen für die Kleinunternehmen mit sich bringen, die oft nicht über die notwendigen Ressourcen verfügen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen.
Die kommenden Monate werden für die Kleinunternehmer in Vietnam entscheidend sein. Während die Diskussionen über die Umsatzgrenzen und steuerlichen Erleichterungen weitergehen, bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Regelungen auf die Unternehmenslandschaft auswirken werden. Es liegt in der Verantwortung der Regierung, sicherzustellen, dass diese Reformen nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch tatsächlich den Unternehmen zugutekommen.