Heute ist der 23.04.2026 und die Wirtschaftspolitik der Schweiz steht vor einem entscheidenden Moment. Bei der Generalversammlung der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK) in Kreuzlingen wurden die Herausforderungen der Schweiz in Übergangsphasen thematisiert. IHK-Präsidentin Kristiane Vietze beschrieb die aktuelle Lage als Liminalität – ein Zustand zwischen Altem und Neuem. In dieser Übergangsphase müssen sich Unternehmen und Politik neuen Rahmenbedingungen anpassen, um die Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf Migration und den Arbeitsmarkt, zu bewältigen.

Die Relevanz von Migration für die Altersvorsorge und den Arbeitsmarkt wurde eindrücklich von der stellvertretenden IHK-Direktorin Pascale Ineichen angesprochen. Sie wies darauf hin, dass die Schweiz jeden zweiten Franken im Ausland verdient und dass die demografische Entwicklung dazu führen könnte, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 500.000 Arbeitskräfte fehlen werden. Um diesen Engpass zu schließen, sind Investitionen in Digitalisierung, eine Reduktion von Teilzeitarbeit und ein höheres Rentenalter vonnöten. Die Ablehnung einer starren Bevölkerungsgrenze von 10 Millionen ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, da die Kündigung der Personenfreizügigkeit bilaterale Abkommen und die Forschungszusammenarbeit gefährden könnte.

Die politische Polarisierung und ihre Auswirkungen

Die politische Polarisierung erschwert die Konsensfindung und führt zu einem Reformstau, wie Vietze betonte. Unternehmer stehen vor der Frage: Investieren oder abwarten? Diese Unsicherheiten belasten die wirtschaftliche Lage und erfordern ein aktives Handeln, um Szenarien zu entwickeln, politisches Engagement zu fördern und starke Netzwerke aufzubauen. In diesem Kontext zeigt sich, dass die Zuwanderung von Fachkräften eine Schlüsselrolle spielt, insbesondere angesichts der Fachkräfteengpässe, die Deutschland und die Schweiz gleichermaßen betreffen.

In Deutschland hat sich der Fachkräftemangel in verschiedenen Berufen und Regionen verstärkt. Demografische Entwicklungen und ein zu geringes Angebot an Fachkräften lassen die Erwerbsbevölkerung schrumpfen. Die Bundesregierung verfolgt eine Fachkräftestrategie, um inländische Fachkräfte zu stärken und die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte aus EU- und Drittstaaten zu fördern. Die Zuwanderung zur Erwerbstätigkeit ist seit 2005 für Fachkräfte aus EU-Staaten uneingeschränkt möglich, während das Fachkräfteeinwanderungsgesetz seit 2020 den Zugang für Drittstaatsangehörige erleichtert hat.

Der Ausblick auf den Arbeitsmarkt

Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind vielfältig. Besonders in Handwerks- und Bauberufen sowie im Gesundheitsbereich sind Engpässe zu verzeichnen. Prognosen deuten darauf hin, dass bis 2036 über 12,5 Millionen Erwerbspersonen in den Ruhestand gehen werden, was einen Rückgang von 30 Prozent in der erwerbsfähigen Bevölkerung zur Folge haben könnte. In Deutschland sind aktuell rund 570.000 Stellen unbesetzt, insbesondere in hochqualifizierten Berufen wie IT, Gesundheitswesen und Ingenieurwesen.

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Die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ist entscheidend, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Sprachkurse, berufliche Ausbildungsangebote und die Anerkennung von Qualifikationen sind notwendig, um die Hürden abzubauen, die Migranten häufig gegenüberstehen. Trotz der bestehenden Herausforderungen bleiben Migranten eine wertvolle Ressource, die wertvolles Fachwissen und frische Perspektiven in die Unternehmen bringen können. Strategische Anwerbung und umfassende Integrationsstrategien sind unerlässlich, um den deutschen Arbeitsmarkt attraktiv zu halten und den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken.

In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland wird deutlich, dass Migration als Lösung gegen den Fachkräftemangel angesehen wird. Die Notwendigkeit eines aktiven Handlungsrahmens, der sowohl die Bedürfnisse der Unternehmen als auch die der Migranten berücksichtigt, ist unerlässlich, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Für weiterführende Informationen zur aktuellen Lage in der Schweiz und den Herausforderungen im Bereich Migration und Fachkräftemangel besuchen Sie bitte die Kreuzlinger Nachrichten oder die Bundeszentrale für politische Bildung.