In einem besorgniserregenden Trend gibt Russland seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs Millionen für Drohnen in Bildungseinrichtungen aus. Laut Nowaja Gaseta Europa haben russische Bildungseinrichtungen seit 2022 fast 16 Milliarden Rubel (ca. 181 Millionen Euro) für Drohnen ausgegeben, die angeblich für Bildungszwecke genutzt werden. Diese Ausgaben haben sich im Vergleich zu den jährlichen Ausgaben von rund 350 Millionen Rubel (ca. 3,9 Millionen Euro) vor dem Krieg dramatisch erhöht. Betroffen sind nicht nur Universitäten und Berufskollegs, sondern auch Kindergärten in Städten wie Sawodoukowsk, Perm und Juschno-Sachalinsk, wo bereits Drohnenwettbewerbe für die Kleinsten stattfinden.

Der Krieg in der Ukraine, der seit Februar 2022 tobt, gilt als der erste Konflikt, in dem Drohnen in solch einem Umfang eingesetzt werden. Diese unbemannten Fluggeräte kommen sowohl zur Aufklärung als auch für gezielte Angriffe auf Infanterie und gepanzerte Fahrzeuge zum Einsatz. Präsident Wladimir Putin berichtete, dass 2023 rund 140.000 Drohnen an die russische Armee geliefert wurden, mit einer noch beeindruckenderen Zahl von 1,4 Millionen für 2024. Allerdings erzielt weniger als die Hälfte der Drohnenflüge einen erfolgreichen Treffer, was die Effektivität dieser Einsätze in Frage stellt.

Früh übt sich: Drohnenfliegen ab dem Kindergarten

Die Entwicklung einer drohnenaffinen Jugend ist Teil eines umfassenden Programms, das darauf abzielt, eine zukünftige Generation auf den Krieg vorzubereiten. So fordert Putin, dass Kinder ab 7 Jahren bis 2026 an Drohnenrennen teilnehmen können, was die frühere Altersgrenze von 10 Jahren herabsetzt. Bildungseinrichtungen haben die Ausgaben für Drohnentechnologie weiter erhöht: von 350 Millionen Rubel jährlich vor 2022 auf 600 Millionen Rubel in 2022 und prognostizierten 9,7 Milliarden Rubel bis 2024. Der größte Lieferant von Drohnen für diese Einrichtungen ist Geoscan, ein Unternehmen, an dem Katerina Tichonowa, Putins Tochter, einen 10-prozentigen Anteil hält.

In Perm haben bereits sechs Kindergärten Drohnenkurse eingeführt und den ersten Drohnenwettbewerb für Kinder im Vorschulalter veranstaltet. Zudem plant Russland für 2026 die erste Drohnenflugmeisterschaft „Piloten der Zukunft“ für Kinder ab sieben Jahren. Solche Initiativen sind nicht nur auf die Ausbildung von Drohnenpiloten beschränkt, sondern auch Teil einer breiteren militärisch-patriotischen Erziehung, die bereits in den Schulen Einzug hält.

Drohnenausbildung in Schulen und Hochschulen

Ab September 2023 sollen Schulen und Hochschulen in Russland mit der Ausbildung von Drohnenpiloten beginnen, wie Bildungsminister Sergej Krawzow ankündigte. Dies geschieht auf Wunsch von Präsident Putin, der entsprechende Kurse gefordert hat. Der stellvertretende Handelsminister Wassili Osmakow erklärte, Russland benötige bis 2030 rund eine Million Drohnenpiloten aufgrund der „neuen geopolitischen Situation“. Der Unterricht wird Themen wie die „Aufklärung von Gebieten“ und die „Bekämpfung des Feindes“ mit Drohnen umfassen.

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Die militärische Bedeutung von Drohnen hat seit dem Ukraine-Krieg erheblich zugenommen. Russland plant sogar, eigene „Kamikaze“-Drohnen zu produzieren, die derzeit aus dem Iran bezogen werden. Diese Entwicklungen könnten als Reaktion auf den technologischen Vorsprung der Ukraine interpretiert werden, die ebenfalls eine ernstzunehmende Drohnenindustrie entwickelt hat und als wichtiges Drohnen-Herstellerland aus dem Konflikt hervorgehen könnte. In Belarus wurden bereits Wahlkurse zur „Grundlagen der Drohnensteuerung“ für Kinder im Alter von 13 bis 15 Jahren eingeführt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bemühungen Russlands, Kinder und Jugendliche auf militärische Einsätze vorzubereiten, nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch in von Russland besetzten Gebieten der Ukraine stattfinden. Während die Ukraine sich seit Februar 2022 gegen den Angriffskrieg wehrt, sind die russischen Initiativen zur Rekrutierung und Ausbildung junger Menschen ein besorgniserregendes Zeichen für die Militarisierung der Bildung.