Die alte Dorfkneipe, ein Ort voller Erinnerungen und Geschichten, schließt ihre Türen. In vielen Gemeinden ist das kein Einzelfall mehr. Betriebe kämpfen, um Nachfolger zu finden, während junge Kreative auf einem gesättigten Markt um Aufmerksamkeit ringen. Doch es gibt Hoffnung: Genossenschaften, oft als Relikte vergangener Zeiten betrachtet, zeigen, dass gemeinsames Besitzen und Entscheiden tatsächlich Lösungen für Probleme bieten kann, die weder Markt noch Staat bewältigen können. Es ist, als ob die Gemeinschaft wieder die Zügel in die Hand nimmt und die Verantwortung für sich selbst übernimmt.

Ein Beispiel dafür ist das Spiele-Studio „Sleepdrift“, das von Nadja Schuller und ihren Kollegen gegründet wurde. Organisiert als Genossenschaft, setzt es auf faire Arbeitsbedingungen und gleichberechtigte Mitbestimmung. In Deutschland sind mittlerweile etwa 25% der Bevölkerung Mitglied in einer Genossenschaft. Rund 3,9 Millionen Menschen sind in Wohnungsgenossenschaften aktiv – das zeigt, wie stark dieses Modell verankert ist. Seit der Jahrtausendwende ist ein Comeback der Genossenschaften zu beobachten, getragen von einer jungen, digitalen Bewegung. Die Grundwerte wie Selbsthilfe und Selbstverantwortung, die schon im 19. Jahrhundert ihre Wurzeln hatten, sind heute aktueller denn je.

Stabile Wirtschaftsmodelle für die Zukunft

Genossenschaften gelten nicht umsonst als stabile Wirtschaftsmodelle. Mit einer Insolvenzquote von weniger als 0,1% sind sie verlässliche Partner, die nicht nur wirtschaftliche Stabilität bieten, sondern auch soziale Treffpunkte schaffen. In Magdeburg nutzt beispielsweise das Unternehmen Bridgefield das Genossenschaftsmodell, um die Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen und das Unternehmen langfristig zu sichern. In Oberellen wird gerade eine Genossenschaft gegründet, um die Schlossklause als Begegnungsort für die Gemeinde wiederzubeleben. Solche Initiativen fördern nicht nur den lokalen Zusammenhalt, sondern stärken auch die Demokratie und Verantwortungsübernahme in der Gemeinschaft.

Ein besonders spannendes Beispiel ist die IT-Dienstleistungsfirma Iteratec, die 1996 gegründet wurde. Die Inhaber schlossen einen Verkauf an Dritte aus, um die Unternehmenskultur und die Perspektiven ihrer Mitarbeitenden zu bewahren. Stattdessen gründeten die Mitarbeitenden die Genossenschaft nurdemteam eG, um das Unternehmen selbst weiterzuführen. Diese Genossenschaft übernimmt schrittweise die Anteile an der iteratec GmbH. Der erste Schritt wurde 2019 mit dem Kauf von 49% der Anteile gemacht, und bis 2027 soll die Genossenschaft die restlichen 51% übernehmen. Das ist schon ziemlich genial – hier wird nicht nur ein Unternehmen gesichert, sondern auch die Stimmen der Mitarbeitenden gehört!

Die Herausforderung der Unternehmensnachfolge

Unternehmensnachfolge ist ein spannendes, aber auch schwieriges Thema. Trotz zeitlichem Vorlauf stehen viele Geschäftsführer vor Herausforderungen, die oft durch den demografischen Wandel und den wirtschaftlichen Druck auf kleine und mittelständische Unternehmen bedingt sind. Vor der Pandemie zogen 45% der Unternehmensleitungen eine familieninterne Nachfolge in Betracht. Dieser Wert stieg 2020 auf 61% und liegt aktuell bei 57%. Ein Grund, warum viele Unternehmen schließen, ist das Erreichen des Rentenalters der Inhaber oder das fehlende Interesse von Familienangehörigen, den Betrieb fortzuführen. Externe Nachfolgen bringen ihre eigenen Herausforderungen mit sich – Informationsasymmetrien und bürokratischer Aufwand sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt.

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Doch die genossenschaftliche Nachfolge könnte eine echte Lösung sein. Hier übernehmen mindestens drei Personen das Unternehmen, was nicht nur die Finanzierung erleichtert, sondern auch die Arbeitsplätze sichert und mehr Flexibilität bei der Liquidität bietet. Es ist eine Chance für einen schrittweisen Rückzug des bisherigen Eigentümers – und das alles ohne Nachschusspflicht. Genossenschaften schaffen ein modernes Unternehmensverständnis und ermöglichen eine demokratische Mitwirkung. Positive Erfahrungen in Handwerk, IT und Architektur zeigen, dass genossenschaftliche Übergaben erfolgreich sind und oft auch politisch unterstützt werden.

So sieht es aus: Die Welt der Genossenschaften ist nicht nur eine nostalgische Rückbesinnung, sondern ein zukunftsweisendes Modell, das helfen kann, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Es ist eine Art von Wirtschaft, die auf Gemeinschaft, Verantwortung und Resilienz setzt – ein Konzept, das sich anfühlt wie ein frischer Wind in den alten Mauern der Wirtschaft.