Gesundheit als Schlüssel zur Stabilität: Investieren für die Zukunft
Gesundheit – ein Wort, das in den letzten Jahren mehr Gewicht bekam denn je, vor allem während der COVID-19-Pandemie. Vor fünf Jahren wurde klar, dass Gesundheit nicht nur ein persönliches, sondern auch ein fundamentales Politikfeld ist. Sie beeinflusst nicht nur die wirtschaftliche Stabilität, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und letztlich die nationale Sicherheit. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem bewusst, wie sehr die aktuelle Situation von Unsicherheiten geprägt ist. Ein Rückgang der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) um 23% bis 2025 – das ist besorgniserregend und der stärkste Rückgang seit Beginn der OECD-Erhebungen. Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit für Gesundheit wird möglicherweise um bis zu ein Drittel sinken, was alarmierend ist, denn dies könnte die Gesundheitssysteme vieler Länder gefährden und wichtige Programme gefährden.
Man könnte fast meinen, dass Gesundheit oft als ein Kostenfaktor betrachtet wird. Dabei ist es eine der rentabelsten öffentlichen Investitionen! Die WHO schätzt, dass jeder investierte US-Dollar in Gesundheit einen gesellschaftlichen Nutzen von mindestens 35 US-Dollar generiert. Es ist also offensichtlich: Gesundheit ist entscheidend für die Bewältigung von Krisen, wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität. Unsere Gesundheitssysteme stehen nicht nur vor Herausforderungen durch Krisen wie COVID-19, sondern auch durch den Klimawandel, antimikrobielle Resistenzen und bewaffnete Konflikte.
Die Herausforderungen der Resilienz
In Deutschland hat die Coronapandemie bereits als Belastungsprobe für unser Gesundheitswesen gedient. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Sorgen über mögliche schlimmere Szenarien nur verstärkt. Die Bundesärztekammer (BÄK) hat sich intensiv mit der Resilienz unseres Gesundheitssystems beschäftigt. Die Experten sind sich einig: Kurzfristig kann das System große Belastungen bewältigen. Aber was ist mit längeren Konfliktsituationen? Da sieht es schon anders aus. Im Falle eines militärischen Konflikts in Europa könnte Deutschland eine zentrale Rolle als Versorgungsdrehkreuz spielen, aber die Kapazitäten sind begrenzt. Schätzungen zufolge müssten im Bündnisfall täglich rund 1.000 Patienten versorgt werden, was die Kapazitäten der Bundeswehrkrankenhäuser übersteigt.
BÄK-Präsident Klaus Reinhardt macht sich Sorgen über unzureichende Vorbereitungen und den Personalmangel im Gesundheitswesen. Umso wichtiger ist eine bessere Koordination zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung, wie Kerstin von der Decken, die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, betont. Und was tut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach? Er plant ein Gesetz zur besseren Vorbereitung des Gesundheitssystems auf Katastrophen – aber wo bleibt der Entwurf?
Globale Herausforderungen und Long COVID
Das Thema Gesundheit hat viele Schnittstellen, und die Herausforderungen sind oft miteinander verknüpft. Nach SARS-CoV-2-Infektionen können auch bei milden Verläufen gesundheitliche Langzeitfolgen auftreten, die unter dem Begriff Long COVID zusammengefasst werden. Die Symptome sind vielfältig, von starker Erschöpfung über Konzentrationsprobleme bis hin zu psychischen Beschwerden. Deutschland hat sich international engagiert, um Long COVID besser zu verstehen. Beim G7-Treffen der Gesundheitsminister in Japan wurde eine Forschungsinitiative ins Leben gerufen, und auch im Rahmen der G20 gab es Diskussionen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Long COVID.
Mit rund 2 Millionen Euro plant die Europäische Kommission im EU4Health-Arbeitsprogramm 2024, weitere Projekte zur Erforschung von Long COVID zu unterstützen. Das BMG fördert ein europäisches Expertennetzwerk, in dem sich Fachleute über Forschung und Versorgung austauschen. Es ist ein Lichtblick inmitten der Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind.
Der World Health Summit 2026
Und während wir über die Zukunft nachdenken, steht der World Health Summit 2026 vor der Tür. Vom 11. bis 13. Oktober in Berlin und online wird er zentrale Fragen wie internationale Zusammenarbeit, Pandemievorsorge und gerechtere Gesundheitssysteme auf die Agenda setzen. Die Bedeutung der verantwortungsvollen Nutzung von KI und die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels können dabei nicht ignoriert werden. Gesundheitsprogramme werden verkleinert oder eingestellt, und Präventionsmaßnahmen werden verschoben. Das ist ein Teufelskreis, den wir durchbrechen müssen. Resilienz in Gesundheitssystemen bedeutet, Krisen standzuhalten und sich anzupassen – dafür brauchen wir qualifizierte Fachkräfte, belastbare Lieferketten und vor allem Vertrauen.
Die Herausforderungen sind groß, aber sie sind nicht unüberwindbar. Es ist an der Zeit, dass wir die Gesundheit nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Investition in eine bessere Zukunft betrachten. Denn letztlich ist Gesundheit der Schlüssel zu unserer Stabilität und unserem Wohlstand – national und international.
