Toilettenpausen unter Kontrolle: Aufregung am Flughafen Düsseldorf
Am Flughafen Düsseldorf sorgt eine neue Regelung für Aufregung, die sowohl für die Sicherheitskräfte als auch für die Gewerkschaft Verdi ein rotes Tuch ist. Seit dem 8. Juni müssen die Sicherheitskräfte ihre Toilettenpausen nun offiziell bei der Bundespolizei anmelden. Eine Maßnahme, die nicht nur als übertrieben empfunden wird, sondern auch scharfe Kritik nach sich zieht. Verdi wirft der Bundespolizei und dem Security-Arbeitgeber DSW vor, die Arbeitsbelastung bei der Fluggastkontrolle über das vertretbare Maß hinaus zu erhöhen. Die Beschäftigten sind gezwungen, beim Verlassen ihrer Kontrollposition die Aufsicht zu informieren und sich zurückzumelden. Das Ziel? Eine permanente Überwachung der Kontrollspuren, damit diese nicht gleichzeitig stillstehen. Ein ambitioniertes Vorhaben, das in den Augen der Gewerkschaft vielmehr ein Personalproblem offenbart als ein Fehlverhalten der Beschäftigten.
Die Personalstärke an den Kontrollstellen wurde zudem von zwölf auf maximal zehn Beschäftigte reduziert, während die Zahl der Fluggäste konstant bleibt. Das bedeutet Arbeitsverdichtung pur. Bei hohen Temperaturen, die in den Sommermonaten häufig über 26°C steigen, steigt auch der Durst der Mitarbeiter – was die Toilettengänge zwangsläufig häufiger macht. Und hier wird’s dann richtig unangenehm: An den Terminals gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Personaltoiletten, was zusätzliche Wege und Wartezeiten verursacht. Verdi weist darauf hin, dass diese neue Regelung nicht nur die Arbeitsbedingungen verschlechtert, sondern auch auf Mängel in den Abläufen der Luftsicherheitskontrollen hinweist, die bereits in einem EU-Audit festgestellt wurden.
Feuerwache und Arbeitsschutz
Während die Sicherheitskräfte mit neuen Regelungen kämpfen, hat der Flughafen Düsseldorf auch in eine neue Hauptfeuerwache investiert, die über 65 Millionen Euro gekostet hat und eine Fläche von rund 14.000 Quadratmetern einnimmt. Die Absicht war, rund 200 Einsatzkräften moderne Arbeitsbedingungen zu bieten. Doch Berichte über Temperaturen über 26°C in den Ruheräumen zeigen, dass die Nachtruhe der Feuerwehrleute beeinträchtigt wird. Ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, mit denen Beschäftigte am Flughafen konfrontiert sind. Der Arbeitsschutz ist hier ein großes Thema, denn Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, Schutzvorkehrungen gemäß ArbSchG und ArbStättV zu treffen. Es ist nicht nur eine Frage des Wohlbefindens, sondern auch eine rechtliche Verpflichtung.
Besonders belastend wird es für die vorfeldseitigen Bodenverkehrsdienstleistenden, die spezielle Dienst- und Arbeitsschutzkleidung benötigen. Diese Reinigungskosten sind vom Arbeitgeber zu tragen, was in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht immer reibungslos funktioniert. So gibt es bei der Aviation Handling Services GmbH (AHS) Zahlungsprobleme, und viele Mitarbeiter warten auf ausstehende Löhne. Lohnerhöhungen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst (TVöD) am Flughafen treten ab dem 1. Mai in Kraft, doch die Unsicherheit bleibt. Zudem wird eine Prozessoptimierung umgesetzt, die voraussichtlich über 100 Arbeitsplätze betreffen wird.
Personalmangel und Überlastung
Der Personalmangel ist nicht nur ein Problem der Sicherheitskräfte. Auch in anderen Bereichen, wie beim Rollstuhlservice, sieht es düster aus. Von 96 Rollstuhlbetreuern haben 71 Überlastungsanzeigen eingereicht. Das spricht Bände. Der Betriebsrat und die Arbeitsschutzbehörde sind bereits eingeschaltet. Die Gesundheit der Arbeiter*innen ist gefährdet, und trotz wiederholter Hinweise auf Überlastung bleibt die Personalstärke knapp bemessen. Klüh Security, der Dienstleister für den Flughafen, hat zwar Sofortmaßnahmen angekündigt, doch viele halten diese für unzureichend. Verdi fordert mehr Personal und ein Ende des Kostendrucks, der die Qualität der Arbeit gefährdet.
Die Verantwortlichen stehen vor der Herausforderung, die Balance zwischen Kosteneffizienz und Mitarbeiterwohl zu finden. Vor allem der Flughafenbetreiber verlangt 100% Qualität, während gleichzeitig der Druck, Kosten zu sparen, hoch bleibt. Ein Dilemma, das die Mitarbeiter am Ende des Tages ausbaden müssen.
