In Niedersachsen gibt es einen neuen Lichtblick im Kampf gegen häusliche Gewalt. Am 15. Januar 2026 wurde die landesweite Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“ ins Leben gerufen. Diese Initiative, die vom VdW Niedersachsen Bremen in Zusammenarbeit mit dem Landespräventionsrat Niedersachsen sowie der Polizei und Beratungsstellen ins Leben gerufen wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Wohnungsunternehmen aktiv in die Bekämpfung häuslicher Gewalt einzubeziehen. Die Kampagne begann als Pilotprojekt mit 13 Wohnungsunternehmen an 12 Standorten und erfreut sich bereits großer Resonanz.

Das Problem häuslicher Gewalt ist alarmierend. Statistiken zeigen, dass die Zahl der polizeilich registrierten Fälle in Niedersachsen im Jahr 2024 auf 32.545 gestiegen ist – ein Anstieg um rund 9 % im Vergleich zum Vorjahr. Und das Dunkelfeld ist noch größer, denn viele Fälle bleiben unentdeckt. Dr. Susanne Schmitt von vdw betont die Verantwortung der Wohnungswirtschaft, die Sicherheit ihrer Mieter zu gewährleisten. „Häusliche Gewalt passiert in vermeintlich sicheren Räumen, Wegschauen ist keine Option“, erklärt sie eindringlich.

Die Rolle der Wohnungsunternehmen

Die Wohnungsgenossenschaften, die im vdw Niedersachsen Bremen organisiert sind, haben den direkten Zugang zu ihren Mietern und können so gezielt Hilfe anbieten. In Niedersachsen sind etwa 30.000 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Wohnungsunternehmen auf dieses Problem reagieren. Julia Langkopf weist darauf hin, dass viele Verdachtsfälle bereits erkannt und durch Netzwerke unterstützt wurden. Die Kampagne fördert auch Schulungen für Mitarbeitende, die über häusliche Gewalt aufklären und sensibilisieren sollen. Kathrin Tietz vom Wunstorfer Bauverein verwendet Bauzaunbanner und Plakate zur Sensibilisierung – auch wenn die Reaktionen darauf gemischt waren und einige Plakate entfernt wurden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Kampagne ist die Vernetzung mit Polizei und Beratungsstellen. Dr. Schmitt hebt hervor, dass diese Zusammenarbeit für eine umfassende Unterstützung der Betroffenen unerlässlich ist. Staatssekretär Dr. Thomas Smollich hat zudem betont, dass die Kampagne die Prävention und Unterstützung weiter ausbauen soll. Die Maßnahmen reichen von mehrsprachigen Websites mit Hilfetelefonnummern bis hin zur Verteilung von Kampagnenmaterialien wie Plakaten und Postkarten.

Die gesellschaftliche Verantwortung

Häusliche Gewalt betrifft Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status – ein Umstand, der oft übersehen wird. Bundesweit ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt. Besonders alarmierend ist, dass Mädchen und Frauen mit Behinderungen zwei bis dreimal häufiger Gewalt erleben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das zeigt, dass wir als Gesellschaft dringend handeln müssen, um Betroffenen zu helfen.

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Die Kampagne „Kein Raum für häusliche Gewalt“ ist nicht nur eine wichtige Initiative für die Wohnungswirtschaft, sondern auch ein Signal an die Gesellschaft. Es geht darum, das Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen und die Strukturen zur Prävention und Hilfe weiter auszubauen. Die Pilotphase endet im Spätsommer, und das Interesse weiterer Unternehmen an einer Teilnahme ist hoch. Das Ziel ist es, innerhalb eines Jahres 40 bis 50 Unternehmen in die Kampagne einzubeziehen. Je mehr Menschen sich engagieren, desto mehr können wir erreichen.

Der Kampf gegen häusliche Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Dunkelziffer ist hoch, und viele Straftaten werden nicht angezeigt. Jeder Einzelne ist gefordert, hinzuschauen und aktiv zu werden. Dabei ist es wichtig, dass wir alle wissen, dass Hilfe verfügbar ist und dass niemand allein ist. Die Kampagne ist erst der Anfang – es bleibt noch viel zu tun, um echte Veränderung zu bewirken.