Die chinesische Autoindustrie hat in den letzten Jahren erheblich an Dynamik gewonnen, und ein besonderer Akteur in diesem Spiel ist Great Wall Motor (GWM). Nach der Präsentation seiner Elektroauto-Modelle auf der IAA 2021 in München plant GWM, in den kommenden zwei Jahren mindestens zehn neue Modelle auf den europäischen Markt zu bringen. In den nächsten zwölf Monaten soll der Verkauf in 13 europäischen Märkten beginnen, wobei Deutschland, Großbritannien, Irland und Schweden bereits bedient werden. Parker Shi, Präsident von GWM International, hat den ehrgeizigen Plan bekräftigt, auf keinem Markt als Verlierer dazustehen.

Doch die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Während GWM seine Antriebspalette diversifizieren möchte, indem es neben Elektroautos auch Hybrid- und Verbrennerfahrzeuge anbietet, ist der Absatz in Europa bisher ernüchternd. Im Jahr 2022 verzeichnete GWM nur etwa 3.000 Verkäufe in Europa, und die Gesamtzahl im Jahr 2023 lag bei lediglich 6.300 Fahrzeugen. Analysten warnen vor den intensiven Wettbewerbbedingungen, die durch die hohe Anzahl chinesischer Konkurrenten geprägt sind.

Der Weg zur europäischen Offensive

Ende 2023 wurde GWM zur Hauptmarke in Europa, während die Modelle Ora und Wey als Untermarken fungieren. Die ursprünglichen Verkaufsziele wurden jedoch auf 2030 verschoben, was die Dringlichkeit eines strategischen Wandels unterstreicht. GWM plant eine zweite Expansions-Offensive, die sich auf große Volumen-Segmente konzentriert. Die Submarke Haval, bekannt für ihre SUVs, wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Mit einem umfangreichen Angebot an Antriebssträngen und attraktiven Preisen soll die Haval-Range insbesondere jüngere Käufer ansprechen.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem Ora 5, einem kleinen Stadtauto, das in der ersten Jahreshälfte 2026 eingeführt werden soll. Zudem kommen noch in diesem Jahr das SUV Jolion Max und der Geländewagen H7 auf den Markt. Diese Modelle sollen helfen, die Marktanteile in Europa zu erhöhen und die einstigen Verkaufsziele zu erreichen.

Ein Blick auf den Wettbewerb und die Marktbedingungen

Die Marktbedingungen für GWM in Europa sind jedoch herausfordernd. Branchenexperten verweisen auf die hohen Verkaufszahlen von neueren chinesischen Herstellern wie BYD und Chery, während GWM 2024 einen Rückgang des Absatzes um 25,4 % und 2025 um weitere 30 % prognostiziert. Diese negativen Trends spiegeln sich auch in den Gesamtzahlen wider: Chinesische Hersteller verkauften 2025 über 7 Millionen BEV und fast 5 Millionen PHEV, während GWM in Europa weiterhin um Marktanteile kämpft.

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Die europäische EV-Landschaft zeigt sich im Vergleich zu China äußerst dynamisch. Die Zulassungen für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEV) in Europa stiegen 2025 um rund 28 % im Vergleich zum Vorjahr, was die Attraktivität des Marktes unterstreicht. Norwegen, Dänemark und die Niederlande zeigen eine besonders hohe EV-Durchdringung, während osteuropäische Länder ebenfalls stark anziehen.

Für GWM ist Europa ein entscheidender Markt, um bis 2030 eine Million Fahrzeuge im Ausland zu verkaufen. Der geplante Bau eines europäischen Werks mit einer jährlichen Produktionskapazität von 300.000 Fahrzeugen bis 2029 könnte eine Schlüsselrolle in dieser Strategie spielen, auch wenn der Standort bislang noch nicht festgelegt ist. Die Prüfung von Optionen in Mittel- und Südeuropa zeigt, dass GWM bereit ist, in die Zukunft zu investieren, um sich den Herausforderungen des Marktes zu stellen.