Wachstum oder Stagnation: Deutschlands wirtschaftliche Zwickmühle
Deutschland steckt in einer wirtschaftlichen Schwächephase, die viele von uns spüren. Die Sorgen um den eigenen Wohlstand sind fast greifbar. Man fragt sich, ob das ständige Streben nach Wachstum wirklich notwendig ist. Im ZEIT-Wirtschaftspodcast „Ist das eine Blase?“ hat der Ökonom Tom Krebs, Professor für Makroökonomik an der Universität Mannheim, eine klare Botschaft: Dauerhafte Stagnation ist gefährlich. Wachstum ist nicht nur ein wirtschaftlicher Begriff; es ist eng verknüpft mit der gesellschaftlichen Stabilität. Wenn die wirtschaftliche Unsicherheit wächst, dann wird das Vertrauen in Politik und Institutionen schnell erschüttert. Und das kann, wie wir wissen, zu politischen Krisen führen.
Eine interessante Perspektive bietet Uwe Jean Heuser im Podcast, der beleuchtet, wie Wirtschaftswachstum überhaupt gemessen wird. Denn was bedeutet es schon, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt, während die Gesellschaft weiterhin mit Unsicherheiten und stagnierenden Löhnen kämpft? Die Menschen streben nach einer besseren Zukunft, und da hilft es wenig, wenn die Debatten über den Sozialstaat oder Bürokratie in eine falsche Richtung gehen.
Die aktuelle BIP-Lage
Betrachten wir die harten Zahlen: Laut aktuellen Prognosen wird die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands von Q1 2024 bis Q3 2025 von Stagnation und leichten Rückgängen geprägt. Im dritten Quartal 2025 blieb das BIP unverändert bei 0,0% im Vergleich zum Vorquartal. Im Vorjahresvergleich gab es zwar einen leichten Anstieg von 0,3%, doch der Rückgang im zweiten Quartal 2025 um 0,2% zeigt, wo der Schuh drückt. Besonders betroffen sind das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe. Der Auftragseingang hat zwar im September 2025 um 1,1% zugelegt, doch die rückläufigen Aufträge im November 2024 und 2025 werfen einen Schatten auf diese Entwicklung.
Die Produktionsauslastung in vielen Branchen steht unter Druck – mit einer Ausnahme: dem Fahrzeugbau. Hier gibt es leichte Zuwächse. Der Außenhandel sieht ebenfalls nicht rosig aus: Im zweiten Quartal 2025 sanken die Exporte um 0,1%, während die Warenexporte um 0,6% fielen. Im Vergleich dazu stiegen die Dienstleistungsexporte um 1,4%, was ein kleiner Lichtblick in einem ansonsten trüben Bild ist. Doch die Importe stiegen im gleichen Zeitraum um 1,6%. Das BIP-Wachstum wird für 2025 auf gerade einmal 0,2% prognostiziert, was strukturell Stagnation bedeutet.
Politische Maßnahmen und deren Wirkung
Ein weiteres Problem ist die Investitionstätigkeit, die trotz niedriger Zinsen auf einem historisch niedrigen Niveau verharrt. Hohe Energiekosten und Infrastrukturprobleme setzen dem Standort Deutschland zu. Die Nachfrage wird durch stagnierende Löhne und Preissteigerungen gebremst. Politische Maßnahmen der Regierung scheinen nicht ausreichend zu sein, um die wirtschaftlichen Grundwidersprüche zu überwinden. Deutschland belegt 2025 im internationalen Vergleich den letzten Platz unter den führenden Industrienationen. Die OECD-Prognose zeigt uns, dass das BIP-Wachstum in Deutschland nur bei 0,4% liegen wird, während die Eurozone bei 1,3% und die USA bei 2,4% liegen.
Prognosen und ihre Relevanz
Die Einschätzung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung ist nicht nur für Unternehmen von Bedeutung, sondern auch für die Geldpolitik. Die Bundesbank erstellt regelmäßig Prognosen zu wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen. Dabei werden Verbraucherpreise, Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigung und öffentliche Finanzen analysiert. Diese Prognosen fließen in die geldpolitischen Entscheidungen ein und beeinflussen die Bewertungen des EZB-Rats zur wirtschaftlichen Entwicklung und den Risiken für die Preisstabilität. Die Ergebnisse dieser Projektionen werden im Juni und Dezember veröffentlicht und sollten jedem von uns zu denken geben.
