Thyssenkrupp: Auf dem Weg zur Marine-Macht – Chancen und Herausforderungen im Blick
Thyssenkrupp steht im Fokus der Aufmerksamkeit, und das aus gutem Grund. Der Konzern hat sich in letzter Zeit mit mehreren milliardenschweren Aufträgen für die Marinebranche bemerkbar gemacht, die den Umbau des Unternehmens unterstützen könnten. Die Aktie notiert aktuell bei 10,85 Euro und hat sich im Vergleich zum Vormonat um beeindruckende 22 Prozent erhöht. Das lässt so manches Anlegerherz höher schlagen! Doch ganz ohne Herausforderungen kommt das Unternehmen nicht aus. Der Relative Strength Index (RSI) von 87,4 Punkten deutet darauf hin, dass die Aktie möglicherweise überkauft ist. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die wertvollste Tochtergesellschaft, Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), derzeit besonders gut läuft.
Die kanadische Regierung steht vor einer wichtigen Entscheidung: Zwischen Mai und Juni 2026 soll entschieden werden, ob zwölf neue U-Boote im Wert von bis zu 37 Milliarden Euro gebaut werden. TKMS hat sich mit der 212CD-Klasse beworben, die speziell für arktische Einsätze konzipiert ist. Der einzige Mitbewerber? Hanwha Ocean aus Südkorea. Neben diesem Projekt hat TKMS auch einen Auftrag für moderne Fregatten für die deutsche Marine in der Pipeline, der mit rund 26 Milliarden Euro veranschlagt ist. Hier ist TKMS der einzige Anbieter – eine echte Goldgrube.
Auftragsbestände und Herausforderungen
Die Auftragsbücher von TKMS sind prall gefüllt. Ein Rekord-Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro wurde gemeldet, und nach einem Folgeauftrag aus Norwegen könnte dieser sogar die 20-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Das ist doch ein Grund zum Feiern! Allerdings gibt es intern Widerstand gegen den Umbau des Konzerns unter CEO Miguel López. Insbesondere die geplante Verselbstständigung der Werkstoffhandelssparte, Materials Services, sorgt für Diskussionen.
Ein weiterer Punkt, der die Gemüter erhitzt, ist die Entscheidung der EU, die Stahlimportregeln zu verschärfen. Das bedeutet: Die zollfreien Importvolumina werden auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert, und der Schutzzoll wird auf 50 Prozent verdoppelt. Ein scharfes Schwert, das nicht nur Thyssenkrupp, sondern die gesamte Branche betrifft. Aber die Aktie hat die 200-Tage-Linie durchbrochen und liegt über dem gleitenden Durchschnitt. Unterstützung gibt es bei zehn Euro, Widerstand bei 11,50 Euro. Die Frage bleibt, wie lange der Aufwärtstrend anhält.
Wasserstoff und die Zukunft
Die Wasserstofftochter thyssenkrupp nucera kann ebenfalls von sich reden machen. Im zweiten Quartal wurde ein Auftragseingang von 316 Millionen Euro verzeichnet – eine Vervierfachung! Das kommt vor allem durch den Bau einer großen grünen Wasserstoffanlage in Spanien. Allerdings gibt es auch hier Licht und Schatten: Die Erlöse sind um 77 Prozent auf 50 Millionen Euro gefallen, und der operative Verlust ist von vier auf 65 Millionen Euro gestiegen. Der Konzern rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Auftragseingang zwischen 550 und 850 Millionen Euro und einem Umsatz zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Die Prognose für den EBIT liegt zwischen minus 80 und minus 30 Millionen Euro.
Angesichts dieser Entwicklungen plant Thyssenkrupp, TKMS selbstständig zu machen und an die Börse zu bringen. Der Aktienkurs hat sich innerhalb von sechs Monaten mehr als verdoppelt, und die vollen Auftragsbücher durch den globalen Rüstungsboom sorgen für Optimismus. Thyssenkrupp bleibt mit 51 Prozent der Anteile Mehrheitseigner von TKMS, die restlichen Anteile werden anteilsmäßig an die bestehenden Aktionäre abgegeben. Das Ziel? Eine strategisch geführte Holding mit eigenständigen Tochterunternehmen. Kritiker befürchten allerdings, dass dies die Zerschlagung des Traditionskonzerns bedeutet.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages wird voraussichtlich im Juni 2026 entscheiden. Die IG Metall fordert eine Staatsbeteiligung an TKMS, um wettbewerbsfähig zu bleiben – derzeit ist eine solche Beteiligung aber nicht vorgesehen. Ein Vorkaufsrecht für den Bund steht jedoch im Raum. Aktionärsvertreter zeigen sich optimistisch zur Abspaltung und 99,96 Prozent der Stimmen bei der Hauptversammlung waren dafür. Vielleicht wird der Börsengang im Oktober tatsächlich Realität. Die Zukunft von Thyssenkrupp bleibt spannend und voller Herausforderungen.
