Sivers Semiconductors am Scheideweg: Hauptversammlung könnte Schicksalsstunde für Aktionäre werden
Die Aktionäre von Sivers Semiconductors stehen am 15. Juni vor einer wichtigen Entscheidung. In der anstehenden Hauptversammlung geht es nicht nur um die Zukunft des Unternehmens, sondern auch um eine ganze Reihe von Punkten, die für die Investoren von Bedeutung sind. Ein heiß diskutiertes Thema ist das Nasdaq-Doppellisting, das eine Neudarstellung der letzten zwei Jahresabschlüsse nach US-amerikanischen Rechnungslegungsstandards erfordert. Zudem plant Sivers eine Kapitalerhöhung um bis zu 53,8 Millionen neue Aktien, was bestehende Aktionäre um rund 15 Prozent verwässern könnte. Auch ein Aktienoptionsplan für bis zu 7 Millionen Anteilsscheine steht auf der Agenda, ebenso wie die Genehmigung eines bereits abgeschlossenen Wandeldarlehens über 12 Millionen Dollar.
Die Situation wird noch komplizierter durch die strafrechtliche Untersuchung, die wegen möglicher illegaler Insiderinformationen im Zusammenhang mit dem geplanten US-Börsengang läuft. Anonyme Social-Media-Werbung für die Aktie, die 48 Stunden vor der offiziellen Pressemitteilung auftauchte, wirft Fragen auf. Zudem hat Ningi Research, ein Short-Seller, die Bilanzierung von Sivers kritisiert – insbesondere die 31 Prozent der Umsätze für 2025, die seiner Meinung nach nicht haltbar sind. JPMorgan Chase hat unterdessen eine Beteiligung von 5,25 Prozent an Sivers Semiconductors aufgebaut, während Insider in den letzten drei Monaten keine Aktien gekauft, sondern lediglich verkauft haben. Merkwürdige Zeiten für das Unternehmen, nicht wahr?
Aufträge und Umsatzentwicklung
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch positive Nachrichten. Sivers hat einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen Dollar vom Rüstungsunternehmen ALL.SPACE erhalten. Und auch die Opportunity-Pipeline des Unternehmens, die sich auf mögliche Aufträge bezieht, ist erfreulich gewachsen – um satte 77 Prozent auf nun 799 Millionen Dollar. Das klingt vielversprechend, aber die Nettoerlöse im ersten Quartal sind um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen gefallen, was die Frage aufwirft, wie nachhaltig das Wachstum tatsächlich ist.
Die Aktie von Sivers wurde erst am 1. Juni in den OMX Stockholm Benchmark Index aufgenommen. Das könnte dazu führen, dass Indexfonds vermehrt Käufe tätigen. Ein weiterer Prüfstein steht am 6. August an – der Halbjahresbericht. Man darf gespannt sein, welche Informationen dieser bereithält und welche Reaktionen der Markt darauf zeigt.
Vorbereitung auf die Nasdaq
Im Rahmen der Nasdaq-Vorbereitung hat Sivers zudem 125 Millionen Kronen aufgebracht. Das zeigt, dass das Unternehmen bereit ist, sich den Herausforderungen zu stellen und die notwendigen Schritte für den Börsengang in den USA zu unternehmen. Doch wird das ausreichen, um das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen? Die kommenden Wochen werden entscheidend sein – nicht nur für die Hauptversammlung, sondern auch für die gesamte Strategie von Sivers Semiconductors.
