Rheinmetall im Strudel: Zwischen Rüstungsboom und Börsenfrust
Die Rheinmetall AG steht aktuell unter Druck, und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Die Rüstungsbranche hat ein Stück weit das Vertrauen der Anleger verloren, und das hat sich auch auf den Aktienkurs ausgewirkt. Für Rheinmetall heißt das: Der Kurs liegt derzeit bei 1.199,60 Euro, und seit Jahresbeginn ging es steil bergab. Morgan Stanley hat die Branche insgesamt negativ bewertet, was für zusätzlichen Unmut sorgt. Interessanterweise gibt es jedoch keine operativen Schwächen oder düsteren Geschäftsaussichten, die dem Unternehmen nachgesagt werden könnten.
Dennoch bleibt die Börse skeptisch. Trotz einer positiven Geschäftsperspektive und einem Rekordauftragsbestand sieht es so aus, als würde die Neubewertung vieler Rüstungswerte den Aktienkurs belasten. Analysten hingegen wittern das Potenzial und setzen die durchschnittlichen Kursziele bei annähernd 1.900 Euro – was einem Anstieg von über 50 % entsprechen würde. Ein Lichtblick für das Unternehmen ist die geplante Bewerbung um das Bundeswehrprojekt SPOC, das satellitengestützte Fähigkeiten umfasst. Zudem arbeitet Rheinmetall an der Entwicklung neuer Schwerlastdrohnen in Zusammenarbeit mit Industriepartnern, die in Nordrhein-Westfalen produziert werden sollen.
Rüstungsboom und seine Auswirkungen
Die Rüstungsindustrie in Deutschland erlebt derzeit einen Boom. Am 18. März 2025 genehmigte der Bundestag mit einer Zweidrittel-Mehrheit eine massive Schuldenaufnahme von insgesamt 500 Milliarden Euro – 400 Milliarden für die Infrastruktur und 100 Milliarden für Klimaschutzmaßnahmen. Und was die Landesverteidigung angeht, gibt es praktisch kein Limit mehr. SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius fordert eine „kriegstüchtige“ Bundeswehr, und Bundeskanzler Friedrich Merz hat ambitionierte Pläne, die deutsche Armee zur stärksten konventionellen Streitkraft in Europa zu machen. In diesem Kontext profitiert die Rüstungsindustrie enorm, und die Aktie von Rheinmetall hat sich von 59 Euro im Jahr 2020 auf beeindruckende 1.700 bis 1.800 Euro im Juni 2025 entwickelt.
UBS hat sogar ein Kursziel von 2.200 Euro für Rheinmetall prognostiziert. Das klingt fast wie ein gigantisches Konjunkturprogramm, auch wenn Ökonomen warnen, dass die wirtschaftlichen Impulse durch erhöhte Militärausgaben eher moderat ausfallen könnten. Eine Studie zeigt, dass jeder Euro für Militärausgaben maximal 50 Cent zusätzliche wirtschaftliche Aktivität generiert. Im Vergleich dazu bringen Investitionen in Infrastruktur und Bildung eine deutlich höhere Rendite. Auch die zivile Industrie, wie etwa die Deutz AG, erweitert ihre Rüstungsproduktion – ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.
Der Blick in die Zukunft
Der Krieg in der Ukraine und die außenpolitischen Entwicklungen in den USA haben die Rüstungsdynamik in Europa neu entfacht. Die Bundesregierung plant, die Verteidigungsausgaben bis 2029 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen und zusätzlich 1,5 Prozent für militärisch notwendige Infrastrukturprojekte bereitzustellen. Dabei wird ein Großteil der Finanzierung über neue Schulden erfolgen. Dieser Kurs erinnert an den Militär-Keynesianismus der 1980er Jahre, als Ronald Reagan ähnliche Strategien verfolgte. Befürworter argumentieren, dass die steigenden Militärausgaben der deutschen Wirtschaft einen Wachstumsimpuls geben könnten – was sich allerdings als Illusion herausstellen könnte.
Die Diskussion über den Sinn und Unsinn dieser Ausgaben wird in den kommenden Jahren sicher nicht verstummen. Während einige glauben, dass militärische Forschung langfristig auch zivile Anwendungen finden könnte, zeigen andere Studien, dass der kurzfristige Fiskalmultiplikator bei bestenfalls 0,5 liegt. Ein Euro mehr für militärische Ausgaben könnte bestenfalls 50 Cent zusätzliche Wirtschaftsleistung erzeugen. Die Rüstungsindustrie könnte sich also in einem Spannungsfeld zwischen kurzzeitigen Gewinnen und langfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen bewegen.
