Rheinmetall am Abgrund: Fregattenprogramm F 126 und der drohende Kursrutsch
Die Aktien von Rheinmetall stehen vor einem ernsten Dilemma. In einem dramatischen Abwärtstrend steuern sie auf den größten Kursrutsch seit fast 30 Jahren zu. Der Grund dafür? Das Bundesverteidigungsministerium hat das Fregattenprogramm F 126 wegen massiver Verzögerungen und steigender Kosten gestoppt. Wer hätte gedacht, dass wir einmal über ein Projekt sprechen, dessen Kosten von ursprünglich 10 Milliarden Euro auf über 18 Milliarden Euro explodieren könnten? Die Aktien fielen um mehr als 18 Prozent, und JP Morgan bezeichnete die Situation als „schweren Rückschlag“ für den Rüstungsriesen.
Für Rheinmetall könnte das ernsthafte Konsequenzen haben. Ohne einen Ersatzauftrag von der deutschen Regierung droht das Unternehmen, seine Ziele für das Geschäftsjahr 2026 nicht zu erreichen. Die Probleme im Fregattenprogramm F 126 sind nicht neu; es war bereits seit längerem von Schwierigkeiten geplagt. Finanzanalysten stellen sich die Frage, ob Rheinmetall mit seinen Auftragsbüchern überfordert ist. Schließlich hat das Unternehmen erst im März die Lürssen-Marinesparte übernommen und hat sich nun auch als Schiffsbauer positioniert. Auf der Pariser Waffenmesse Eurosatory präsentierte Rheinmetall sogar ein 8,50 Meter langes Drohnenboot seiner neuen Marinetochter. Ein mutiger Schritt, der jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme wie ein Sprung ins kalte Wasser erscheint.
Die Zukunft des Fregattenprogramms
Die Rheinmetall-Division Naval Systems, vormals als Naval Vessels Lürssen bekannt, wird nun als Generalunternehmer für die Fregatten der Klasse 126 fungieren. Dies könnte eine Chance sein, die Bauzeit der Schiffe zu verkürzen und die Abnahmeprozesse zu optimieren. Das Verteidigungsministerium verfolgt parallel den Bau neuer Fregatten, während Rheinmetall die Optionen zur beschleunigten Abnahme von Waffen- und Einsatzsystemen prüft. Das klingt nach einem Plan, der in der Theorie gut aussieht – aber die Praxis ist oft komplizierter. Verzögerungen aufgrund von Software-Problemen bei der Übertragung von Konstruktionsplänen haben die Situation nicht gerade verbessert.
Die Konstruktionsdaten von DAMEN wurden erfolgreich in das System von Rheinmetall übertragen, und das Ziel ist es, Anfang 2028 ein vorausgerüstetes Typschiff nach Hamburg zu überführen. Wenn alles nach Plan läuft – und das ist in der Rüstungsindustrie oft eine große Unbekannte – könnte der Zulauf des ersten Schiffes im Jahr 2031 realistisch sein. Rheinmetall erwartet in wenigen Wochen als Generalunternehmer in den F126-Vertrag einzutreten; die Bewertungsphase durch das BAAINBw endet Ende April. Gleichzeitig haben TKMS und das BAAINBw einen Vorvertrag für MEKO A-200 DEU-Fregatten unterzeichnet, um die Ablieferung des ersten Schiffes bis Ende 2029 zu ermöglichen. Und, Überraschung – es sollen weitere Mittel in Höhe von 240 Millionen Euro bereitgestellt werden. Ein Schritt in die richtige Richtung?
Doch trotz dieser Entwicklung bleibt die Unsicherheit. Bastian Ernst von der CDU/CSU fordert eine schnelle Zulassung der Schiffe durch das BAAINBw, während der Druck auf Rheinmetall steigt. Der Aktienkurs ist seit dem Herbst, als ein Anteilsschein noch rund 2000 Euro wert war, stetig gesunken. Das war 20 Mal so viel wie vor Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2020. Die Frage bleibt: Kann Rheinmetall sich in diesem Sturm behaupten? Oder wird das Unternehmen in den Wogen der Probleme untergehen? Die kommenden Monate werden entscheidend sein.
