Regierungskunst oder Politisches Theater? Die Stimmungslage nach 16 Monaten Koalition in Österreich
Rund 16 Monate nach dem Start der Dreier-Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS gibt es jede Menge zu berichten. Die Regierungsarbeit scheint zwar im Gange zu sein – immerhin wurden seit der Angelobung vor 495 Tagen stolze 179 Gesetze verabschiedet – doch die Stimmung in der Bevölkerung könnte besser nicht sein. Eine Leserbefragung, an der etwa 37.000 Menschen teilnahmen, ergab einen Notendurchschnitt von 4,11 für die Bundesregierung. Das klingt eher nach einem Schulzeugnis, das man lieber in der Schublade verstecken möchte, als stolz zu zeigen. Vizekanzler Andreas Babler und Staatssekretär Sepp Schellhorn schneiden dabei besonders schlecht ab und würden das Klassenziel wohl verfehlen. Bundeskanzler Christian Stocker von der ÖVP belegt nur Rang 13 im unteren Mittelfeld. Das ist schon ein bisschen ernüchternd, oder?
Die Umfragen zeigen die ÖVP derzeit bei rund 20 Prozent, während die FPÖ mit etwa 37 Prozent die Nase vorne hat. Ein klarer Trend, der aufhorchen lässt. Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass interne Chat-Inhalte der GPA-Jugend, der Nachwuchsorganisation der Gewerkschaft der Privatangestellten, für Empörung sorgen. Da finden sich menschenverachtende Inhalte, die FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz geradezu dazu einladen, den Rücktritt von SPÖ-Chef Babler und GPA-Vorsitzender Barbara Teiber zu fordern. Das politische Klima wird rauer, die Auseinandersetzungen im Parlament häufen sich. Auf den ersten Blick könnte man meinen, das politische Theater hat ein neues Stück aufgeführt – und die FPÖ, mit Herbert Kickl an der Spitze, sorgt für die meisten Ordnungsrufe. Tatsächlich entfielen rund 83 Prozent der 48 erteilten Ordnungsrufe auf FPÖ-Abgeordnete. Kickl hat mehr Ordnungsrufe als eigene Anträge eingebracht. Lustig ist das nicht wirklich, eher traurig und bezeichnend für die aktuelle Stimmung.
Gesundheitspolitische Maßnahmen und Reformen
Doch die SPÖ gibt nicht auf. Gesundheitsministerin Schumann versucht, mit gesundheitspolitischen Maßnahmen punkten. Ihr Plan sieht eine Reform des Spitalswesens vor, in deren Rahmen kleine Krankenhäuser bis 2030 in Primärversorgungs- oder Facharztzentren umgewandelt werden sollen. Ziel ist es, die Primärversorgungseinrichtungen von derzeit 116 auf 300 zu steigern. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das zumindest auf dem Papier vielversprechend klingt. Zudem wird ein Pflegebonus von 2.200 Euro pro Jahr für Vollzeitkräfte gesetzlich abgesichert, und 100 Millionen Euro fließen in den Ausbau der mobilen Pflege. Das klingt nach einem Schritt in die richtige Richtung. Dennoch lehnt Schumann eine Anhebung des Pensionsalters und neue Ambulanzgebühren ab – ein kluger Schachzug, um nicht noch mehr Wähler zu verlieren.
Ein weiterer Aspekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Zustimmung zu den Beschlüssen: 72 Prozent fanden Zustimmung von Teilen der Opposition, während nur 28 Prozent allein mit der Regierungsmehrheit durchgesetzt wurden. SPÖ-Klubobmann Philip Kucher lobt zwar die Produktivität der Koalition, kritisiert jedoch den rauen Ton im Parlament. Irgendwie ist das alles ein bisschen paradox – viel erreicht, aber die Wähler sind trotzdem unzufrieden. Auf kommunaler Ebene zeigt die SPÖ in steirischen Orten wie Wildalpen eine starke Verwurzelung, die sich jedoch nicht auf Bundesebene in Stimmen ummünzen lässt. Ein echtes Dilemma, das viele Fragen aufwirft.
Umfragedaten und Projizierte Wahlergebnisse
Um das Ganze etwas einzuordnen, werfen wir einen Blick auf die Umfragedaten. Diese werden durch verschiedene Methoden ermittelt: von telefonischen Befragungen über Online-Panel bis hin zu face-to-face Interviews. Es wird deutlich, dass die Ergebnisse Projektionen sind, die darauf abzielen, das Ergebnis einer Bundestagswahl möglichst genau abzubilden. Die durchschnittliche Abweichung der Wahlumfragen der Institute liegt bei 1,34 Prozentpunkten. Ein nicht ganz unerheblicher Wert, der zeigt, dass es auch bei Umfragen nicht immer nur um die nackten Zahlen geht.
Ein Blick auf die mittlere Abweichung je Partei offenbart, dass die CDU/CSU einen leichten Zuwachs von 0,8 Prozent verzeichnen kann, während die AfD um 0,4 Prozentpunkte mehr Stimmen erhält als in den Umfragen. Komischerweise zeigt sich bei den Grünen und der Linken eine kleine Negativentwicklung. Die Schwankungen sind also durchaus spannend und können je nach Institut variieren. Das lässt Raum für Spekulationen und interessante Diskussionen.
Die Frage bleibt, wie sich die politische Landschaft in den nächsten Monaten entwickeln wird. Die Koalition hat einiges zu tun, um nicht nur Gesetze zu verabschieden, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Da hängt viel von der Wahrnehmung der Wähler ab – und die ist bekanntlich oft unberechenbar.
