Heute ist der 30.05.2026, und während sich die Welt um uns herum weiterdreht, steht Russland vor einem gewaltigen wirtschaftlichen Dilemma. Der ehemalige Kremlberater Wladislaw Inosemzew, der mittlerweile in Washington lebt, hat kürzlich in einem Interview die wirtschaftlichen Probleme des Landes als selbstverschuldet bezeichnet. „Putin schießt sich ökonomisch selbst ins Bein“, so seine Worte. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs, da war die russische Regierung noch geschickt darin, Unternehmen zu unterstützen. Doch mittlerweile sieht Inosemzew die Zeichen deutlich: Die Privatwirtschaft wird mit „kontraproduktiven Steuern und Regularien“ belastet. Ein Beispiel? Die Ausweitung der Mehrwertsteuerpflicht auf Selbstständige und Kleinstunternehmen hat zur Geschäftsaufgabe vieler Firmen geführt und die Steuereinnahmen sind gesunken. Was für ein Schlamassel!

Das Bild wird noch düsterer, wenn man sich die aktuellen Zustimmungswerte von Wladimir Putin anschaut. Laut der FOM-Umfrage sind diese auf 73 Prozent gefallen – ein Tiefpunkt seit Beginn der Ukraine-Vollinvasion. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung ist in den sozialen Netzwerken deutlich spürbar. Videos zeigen mürrische Gesichter und klagende Stimmen über hohe Preise und schlechte Infrastruktur. Die Mehrwertsteuer wurde von 20 auf 22 Prozent angehoben. Da fragt man sich, wie lange die Leute das noch mitmachen wollen.

Putins Wendung zur Kontrolle

Inosemzew kritisiert auch Putins aktuelle Wirtschaftspolitik, die sich immer mehr von der früheren Offenheit entfernt. Anscheinend gibt es jetzt eine Vorliebe für Hardliner und Geheimdienste anstelle der Wirtschaftsexperten, die Putin früher noch freie Hand ließ. Man könnte fast sagen, Putin wandelt zurück zu einem alten sowjetischen Weltbild, das auf Kontrolle abzielt. Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, hat ebenfalls Bedenken geäußert. Er warnt vor weiteren Drohnen-Vorfällen in Europa und fordert eine Klärung, wem die in Rumänien abgestürzte Drohne gehört. Medwedew gibt den europäischen Politkern einen kleinen Seitenhieb: Sie sollten sich nicht empören, schließlich sind sie ja am Krieg gegen Russland beteiligt.

Die wirtschaftliche Lage ist weiterhin angespannt. Putins eigene Worte belegen, dass das Bruttoinlandsprodukt im Januar und Februar 2026 um 1,8 Prozent geschrumpft ist. Die Zentralbankchefin Elwira Nabiullina hält zwar an einer Wachstumsprognose von 0,5 bis 1,5 Prozent für das laufende Jahr fest, beschreibt die Entwicklung jedoch als „verhalten“. Über 80 Prozent der befragten Unternehmen haben Investitionen eingefroren. Das ist nicht gerade ein Lichtblick für die Wirtschaft.

Die Drohungen von oben

Die Situation wird durch die zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Exportinfrastruktur noch verschärft. Diese Angriffe erstrecken sich mittlerweile bis nach Westsibirien und den Ural. In einer Woche wurden über 1.900 Drohnen über russischem Gebiet abgeschossen. Die Angriffe zielen auf wichtige Einrichtungen, wie die Raffinerie KINEF bei Sankt Petersburg. Kremlsprecher Dmitri Peskow hat der Ukraine bereits vorgeworfen, die weltweiten Energiemärkte zu destabilisieren. Die Spannungen sind also nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich greifbar.

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In Russland selbst wird die Staatskasse immer leerer. Experten warnen, dass die liquiden Mittel des Staatsfonds unter 3 Prozent des BIP fallen könnten. Das könnte zu Steuererhöhungen und Zinssenkungen führen, was die wirtschaftliche Unsicherheit weiter verstärkt. Unterdessen gibt es Berichte über Putins Bitte um Spenden von Superreichen für den Krieg, die jedoch vom Kreml dementiert wurden. Es bleibt abzuwarten, wie sich all dies auf die ohnehin angespannte Situation auswirken wird.

Folgen für Europa und die Ukraine

<pDie wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs sind nicht nur auf Russland beschränkt. Auch die Ukraine hat mit enormen Herausforderungen zu kämpfen. Ihr BIP fiel 2022 um rund 30 Prozent, und die Prognosen für 2025 zeigen ein schwaches Wirtschaftswachstum von etwa 3,4 Prozent. Die Inflation sinkt zwar, bleibt aber mit 7 Prozent hoch. Zudem wird die Staatsverschuldung voraussichtlich auf fast 95 Prozent des BIP steigen. Ein Risiko, das viele Unternehmer und Investoren im Land beunruhigt.

Doch auch Europa leidet unter den Folgen des Konflikts. Hohe Energiepreise und eine strategische Neuausrichtung aufgrund der Abhängigkeit von russischer Energie belasten die Industrie und treiben die Inflation weiter an. Eine Studie schätzt, dass der Konflikt das EU-BIP bis 2023 um 2,3 Prozent reduziert hat – das ist kein Pappenstiel. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie die Metallverarbeitung, Chemie und Logistik. Die Prognosen für Deutschland sind ebenfalls besorgniserregend: Ein Wertschöpfungsverlust von über 260 Milliarden Euro bis 2030 wird erwartet.

Die strukturellen Herausforderungen, die sowohl Russland als auch die Ukraine und Europa betreffen, sind enorm. Während in Russland die Kriegswirtschaft immer mehr an Gewicht zunimmt, kämpft die Ukraine mit Deindustrialisierung und hoher Verschuldung. In Europa bleibt die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und die Diversifizierung der Energieversorgung entscheidend, um nicht unterzugehen.