Heute ist der 21.06.2026 und in der Wirtschaft sind die Wellen mal wieder hoch. Aktuell sorgt ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran für reichlich Unsicherheit im Nahen Osten. Die Lage ist volatil, und die Frage, ob die Blockade der Straße von Hormus bald beendet wird, steht im Raum. Diese Straße war, bevor die Konflikte eskalierten, einer der wichtigsten Handelswege für Rohöl und wickelte etwa ein Fünftel des globalen Handels ab. Der Druck auf die Ölpreise ist enorm, vor allem weil die Blockade dazu geführt hat, dass der Preis auf über 100 Dollar je Barrel gestiegen ist. Das hat seine Spuren hinterlassen. Die Inflationsraten schießen durch die Decke – im Euro-Raum liegen sie bei 3,2 Prozent und in den USA bei 4,2 Prozent.

Die Zentralbanken stehen nun vor einer kniffligen Entscheidung: Leitzinsen erhöhen oder nicht? Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits den Einlagensatz um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben und weitere Erhöhungen sind im Gespräch. Auch der Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, deutet an, dass Zinserhöhungen auf der Agenda stehen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Ölpreise trotz eines Rückgangs auf rund 80 Dollar je Barrel viele Unternehmen unter Druck setzen, könnte die Inflation weiter anziehen. Ökonom Prasanna Gai warnt vor den möglichen Folgen des „Hub-Schocks“ durch die Schließung der Straße von Hormus. Er macht darauf aufmerksam, dass diese Störungen nicht nur die Energieversorgung betreffen, sondern auch die globalen Lieferketten, Logistik und Schifffahrtsrouten erheblich beeinträchtigen.

Die Folgen für die Wirtschaft

Was bedeutet das für Unternehmen? Nun, das könnte dazu führen, dass trotz sinkender Ölpreise die Preise steigen. Das klingt paradox, aber es könnte tatsächlich eine Eigendynamik der Inflation in Gang setzen. Die Teuerungsrate in den USA und Europa liegt ja bereits über dem angestrebten Zielwert von zwei Prozent. Jörg Krämer von der Commerzbank beschreibt die Situation sogar als potenzielle Stagflation. Und Andy Haldane hat die Blockade mit dem „Lehman-Schock“ von 2008 verglichen – das lässt aufhorchen.

Die EZB hat in der Vergangenheit bei ähnlichen Situationen (man denke an 2008 oder 2011) oft falsche Entscheidungen getroffen, indem sie zu früh Zinserhöhungen vornahm. Das führte zu einem Vertrauensverlust in die Geldpolitik, und die Inflation von 2022, die bis zu 10 Prozent betrug, hat das nur verstärkt. Die aktuelle Lage erfordert also mehr als nur schnelles Handeln. Eine sorgfältige Überlegung zur Geldpolitik ist gefragt, um die schwache Wirtschaft nicht noch weiter zu belasten. Die Märkte sind nervös, und das ist auch verständlich. Störungen an zentralen Knotenpunkten haben oft stärkere Auswirkungen auf Märkte und Sektoren, als herkömmliche Modelle vorhersagen können.