Ölkrise und Marktchaos: Wie der Iran-Konflikt die Weltwirtschaft erschüttert
Der britische Leitindex FTSE 100 hat sich in den letzten Tagen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ein Rückgang um etwa 0,9 Prozent auf rund 10.413 Punkte ist die Folge eines heftigen Schlagabtausches zwischen US-Streitkräften und dem Iran, der die Märkte in Aufruhr versetzt hat. Militärschläge, genauer gesagt, ein US-Angriff auf eine Bodenstation nahe Bandar Abbas, die Drohnen gegen den Schiffsverkehr steuerte, haben die Rallye abrupt beendet. Die iranischen Revolutionsgarden haben daraufhin mit einem Angriff auf eine US-Luftwaffenbasis reagiert – und so ist das Chaos perfekt. Kuwait hat inzwischen eigene Abwehrmaßnahmen gegen Raketen und Drohnen eingeleitet, was die gesamte Situation in der Region weiter verkompliziert.
Die Unsicherheit hat auch die Ölpreise in die Höhe getrieben. Brent-Rohöl stieg zeitweise auf knapp 96 Dollar je Barrel – ja, und das ist ein Anstieg von fast 2 Prozent. Da kann man sich vorstellen, was das für die Inflationserwartungen bedeutet! EZB-Chefvolkswirt Philip Lane warnt schon vor anhaltenden Zweitrundeneffekten, während die Märkte zwei Zinserhöhungen der EZB bereits eingepreist haben, mit einer durchaus realistischen Chance auf eine dritte. Es ist ein bisschen wie ein Spiel mit dem Feuer, nicht wahr?
Steigende Ölpreise und ihre Folgen
Die Lage spitzt sich weiter zu, vor allem durch den Iran-Krieg und die Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormuz. Sie transportiert etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels. Schiffe haben großen Respekt – oder besser gesagt, Angst – und passieren die Meerenge kaum noch. Die Ölpreise sind mittlerweile auf ein neues Rekordniveau geklettert: Brent-Rohöl kostet zeitweise 111 US-Dollar pro Barrel, WTI über 100 US-Dollar. Ein Anstieg von rund 50 Prozent seit Ende Februar! Die asiatischen Börsen haben entsprechend reagiert – der Nikkei-Index fiel um etwa 7 Prozent und der KOSPI um rund 8 Prozent.
Die Unsicherheit an den Märkten ist spürbar, auch die US-Börsen zeigen schwächere Futures auf den großen Indizes S&P 500, Nasdaq und Dow Jones. Steigende Energiekosten könnten die Inflation anheizen und das Wachstum bremsen. Raffinerien suchen bereits nach Ersatz für Rohölsorten aus dem Nahen Osten und die hohen Frachtraten machen die Situation nicht einfacher. Goldman Sachs warnt, dass die Inflation um bis zu 0,7 Prozentpunkte steigen könnte. Das ist schon ganz schön heftig!
Politische Dimensionen
Inmitten all dieser Turbulenzen bleibt die Politik nicht untätig. US-Präsident Donald Trump betrachtet den Preisschock als „sehr geringen Preis“ für Frieden – eine Aussage, die in den Ohren vieler Wähler sicher nicht gut ankommt. Viele sind unzufrieden, da sie das Gefühl haben, Trump kümmere sich nicht ausreichend um nationale Belange, während die Spritpreise an den US-Tankstellen steigen. Der Durchschnittspreis für Benzin liegt mittlerweile bei 3,45 US-Dollar pro Gallone.
Ein Szenario, das sich abzeichnet, ist die Möglichkeit einer „schnellen Deeskalation“. Trump könnte bald seinen Sieg verkünden, einen Waffenstillstand vereinbaren und sich aus dem Krieg zurückziehen. Das würde nicht nur die Öl- und Gaspreise auf Vorkriegsniveau senken, sondern auch die deutsche Konjunktur stabil halten. Gewinne an den Aktienmärkten würden steigen und der Leitzins der EZB könnte bis 2027 unverändert bleiben, während die Fed in den USA plant, den Leitzins im Frühsommer zu senken. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation entwickeln wird und welche Auswirkungen das auf die globalen Märkte haben könnte.
