Nokia im Aufwind: Zwischen KI-Revolution und Marktunsicherheiten
Die Nokia-Aktie hat in den letzten Wochen eine Achterbahnfahrt durchlebt, die selbst die erfahrensten Analysten überrascht haben dürfte. Nach einem Rückgang um 9,1 Prozent liegt der Kurs aktuell bei 11,83 Euro, was rund 21 Prozent unter dem Monatshoch von knapp 15 Euro liegt. Trotz der Herausforderungen im Marktumfeld – Technologiewerte stehen unter Druck, vor allem nach der Gewinnwarnung von Accenture – hat das Unternehmen kürzlich mehrere strategische Technologie- und Verteidigungsaufträge vermeldet, die Hoffnung auf eine Wende geben.
So plant Nokia den Bau eines optischen Transportnetzes, das speziell zur Unterstützung von KI-Workloads in Rechenzentren konzipiert ist. Eine beeindruckende Verbindung zwischen North Dakota und Chicago soll mit einer Geschwindigkeit von 100 Terabit pro Sekunde starten, die auf bis zu 400 Tb/s skalierbar ist. Hierbei kommt die innovative 1,2T-ICE7-Technologie von Nokia zum Einsatz. Zudem intensiviert das Unternehmen die Zusammenarbeit mit dem Rüstungskonzern KNDS und hat die 5G-Lösung „Banshee“ angekündigt, die 2026 auf der Eurosatory präsentiert werden soll. Dieses System soll die Vernetzung von Soldaten und Drohnen revolutionieren.
Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Erst kürzlich stieg die Nokia-Aktie um mehr als 7 Prozent, was auf die über den Erwartungen liegenden Quartalszahlen zurückzuführen ist. Der Betriebsgewinn betrug 435 Millionen Euro, während Analysten nur mit 342 Millionen Euro gerechnet hatten. Auch der Umsatz kann sich sehen lassen: Mit 4,83 Milliarden Euro wurde ein Anstieg von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal erzielt. Besonders bemerkenswert ist das Umsatzwachstum in der Netzwerkinfrastruktur, das mit 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr glänzt. Die Optical Networks verzeichneten ein Wachstum von 19 Prozent bei konstanten Wechselkursen. CEO Justin Hotard äußert sich optimistisch über die langfristigen Wachstumsaussichten, die durch den aktuellen KI-Boom begünstigt werden. Er zieht einen Vergleich zum Internet-Boom der 1990er Jahre, was das Potenzial dieser neuen Technologien unterstreicht.
Doch nicht alle Zeichen stehen auf Grün. In einer Umfrage der Bank of America glauben mehr als die Hälfte der Fondsmanager, dass KI-Aktien sich in einer Blase befinden. Hotard hingegen sieht die steigende Nachfrage nach Rechenzentren, da Unternehmen vermehrt in KI-Infrastruktur investieren. Nokia hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben und erwartet einen Betriebsgewinn zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro. Die Auftragslage für das vierte Quartal zeigt sich ebenfalls vielversprechend, auch wenn die Mobile Networks-Sparte einen leichten Rückgang von 0,6 Prozent im Jahresvergleich verzeichnete.
Spannende Partnerschaften
Ein weiterer Lichtblick ist die strategische Partnerschaft mit Nvidia. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, knapp eine Milliarde US-Dollar in Nokia zu investieren und übernimmt 166 Millionen Aktien. Diese Kooperation soll KI-Systeme für Funknetzwerke bereitstellen und die Effizienz durch den Einsatz von Nvidias Chips und Systemen verbessern. Das Ziel ist klar: der Übergang vom 5G- zum kommenden 6G-Netz. Erste Tests der AI-RAN-Systeme sind für 2026 geplant, mit einer Massenproduktion bis 2027. T-Mobile USA wird als einer der ersten Partner die Technologie im kommenden Jahr testen.
Während sich Nokia in einem schwierigen Marktumfeld behauptet, ist der Aktienkurs des Unternehmens aufgrund der positiven Nachrichten und Entwicklungen stark gestiegen. Die Aktie verzeichnet den größten Anstieg seit 2013, mit einem Anstieg von fast 23 Prozent. Angesichts der bevorstehenden Kapitalmarkttage zur Vorstellung der Strategie und Vision am 19. November könnte dies nur der Anfang sein. Die Dividende von 3 Cent pro Aktie wird am 6. November ausgezahlt – ein kleiner Lichtblick, der den Anlegern vielleicht etwas Trost bietet.
