Mittelstand in der Krise: Investitionsflaute und neue Chancen im Schatten der Unsicherheit
Der deutsche Mittelstand steht derzeit an einem Punkt, der kaum düsterer sein könnte. Nur 52 Prozent der befragten Unternehmen planen in den nächsten sechs Monaten Investitionen. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 – ein echter Schock, der sogar die düsteren Zeiten während der Finanzkrise und der Coronapandemie in den Schatten stellt. Laut einer Umfrage der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die mehr als tausend mittelständische Firmen befragt hat, zeigt sich eine besorgniserregende Tendenz.
Die Energiekosten sind für 67 Prozent der Unternehmen ein echtes Problem, gefolgt von den Rohstoff- und Materialkosten, die 57 Prozent der Befragten belasten. Dazu kommt die Angst vor Lieferengpässen, die um 13 Prozentpunkte auf 31 Prozent gestiegen ist. Das macht die Lage noch prekärer. Preiserhöhungen planen 43 Prozent der Betriebe, während nur 5 Prozent von sinkenden Preisen ausgehen. Die Geschäftserwartungen stagnieren: Lediglich 26 Prozent setzen auf Besserung, während 20 Prozent eine Verschlechterung erwarten. Wo soll das nur hinführen?
Investitionsverhalten im Wandel
Die Zahlen sprechen für sich: 19 Prozent der Unternehmen verzichten gänzlich auf Investitionen. Die meisten kleineren Betriebe investieren ausschließlich in Deutschland – oft aus Alternativlosigkeit. Bei größeren Unternehmen sieht das Bild etwas anders aus: 13 Prozent setzen ihre Gelder vorwiegend oder sogar ausschließlich im Ausland ein. Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig. Hohe Arbeitskosten (77 Prozent), strenge Regulierungen (69 Prozent) und hohe Steuern (66 Prozent) stehen ganz oben auf der Liste. Auch der Fachkräftemangel (43 Prozent) und die klimabedingten Vorgaben (42 Prozent) tragen zur Investitionsscheu bei. Positives wird kaum wahrgenommen: Der große Absatzmarkt und die Rechtssicherheit werden von den Unternehmen als weniger wichtig erachtet.
Die Investitionen konzentrieren sich zunehmend auf die Bestandssicherung. Wachstum und Expansion finden vermehrt im Ausland statt. Lediglich in Geschäftsfeldern, die eine wachsende Nachfrage aufweisen – wie der Energie- und Wärmewende, der Verteidigung, der Digitalisierung und künstlicher Intelligenz – gibt es Ausnahmen. Hier könnte man fast sagen: Es wird investiert, aber oft nur in das, was unbedingt notwendig ist.
Eigenkapitalfinanzierung als neuer Trend
Inmitten dieser herausfordernden Situation zeigt sich jedoch ein Lichtblick: Der deutsche Mittelstand setzt zunehmend auf Eigenkapitalfinanzierung. Diese Strategie reduziert die Abhängigkeit von Banken und verbessert die finanzielle Stabilität der Unternehmen. Diese Entwicklung ist nicht von ungefähr; sie ist eine direkte Reaktion auf die strengeren Bankenregeln und die erschwerten Kreditvergaben. In diesem Kontext hat die Bundesregierung ein 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur geschaffen, um Investitionen in Verkehrswege, Energie und Digitalisierung zu fördern. Man könnte sagen, das ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die Skepsis vieler Unternehmer bleibt.
Außerdem birgt die Digitalisierung große Potenziale. Laut dem DMB-KI-Index setzen bereits ein Drittel der mittelständischen Unternehmen künstliche Intelligenz ein. Etablierte KI-Anwendungen versprechen eine Produktivitätssteigerung von rund 40 Prozent. Es gibt also Ansätze, die Hoffnung machen könnten, auch wenn die Herausforderungen nach wie vor gewaltig sind. Die Programme wie „ERP-Förderkredit Digitalisierung“ und „ERP-Förderkredit Innovation“ bieten Zinsvergünstigungen und Förderzuschüsse, die kleinen und mittleren Unternehmen neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen.
Doch es bleibt eine Herausforderung, die Transformation aktiv zu gestalten. Der DMB-Themenschwerpunkt „Investitionen im Mittelstand“ berichtet regelmäßig über Unternehmer, die sich den Herausforderungen stellen und innovative Wege finden, um in diesen schwierigen Zeiten nicht nur zu überstehen, sondern vielleicht sogar zu wachsen. Ein bisschen Mut und ein Hauch von Optimismus könnten Wunder wirken.
