Mercedes-Benz unter Druck: 20.000 Beschäftigte fordern Gerechtigkeit in der Krise
Die Situation bei Mercedes-Benz spitzt sich zu. Rund 20.000 Beschäftigte protestieren am Standort Sindelfingen gegen die aktuellen Sparpläne des Unternehmens. Vorstandschef Ola Källenius steht mächtig unter Druck. Die Belegschaft wirft ihm eine einseitige Belastung vor. Zu allem Überfluss plant der Konzern, eine tarifliche Sonderzahlung, die etwa 90.000 Mitarbeiter betrifft, auf das nächste Jahr zu verschieben. Die IG Metall, die sich klar an die Seite der Mitarbeiter stellt, plant bundesweite Proteste und fordert unbezahlte Mehrarbeit auf 40 Stunden. Das ist schon ein starkes Stück, oder?
Die Stimmung ist angespannt. Am Freitag, den 3. Juli, ruft die IG Metall zu Protesten in Sindelfingen und Untertürkheim auf. Auslöser sind die verschärften Einsparungen im Rahmen der „Produktivitätsoffensive für Deutschland“. Viele Mitarbeiter fühlen sich ungerecht behandelt, da sie mehr arbeiten sollen, ohne dafür einen Lohnausgleich zu bekommen. Betriebsräte lehnen diese Maßnahme vehement ab. Ihre Forderungen sind klar: Schutz von Sozialstandards, eine 35-Stunden-Woche, Boni, und der Erhalt der Arbeitsplätze und Standorte stehen ganz oben auf der Liste.
Proteste und ihre Hintergründe
Am Freitagmorgen finden öffentliche Kundgebungen statt, und mittags wird zusätzlich eine digitale Versammlung abgehalten. Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender in Untertürkheim, fordert eine faire Lastenverteilung und Mitbestimmung. Das ist mehr als nur ein politischer Aufruf; es geht um die Lebensrealität vieler Menschen. Besonders bitter ist, dass die tarifliche Sonderzahlung von 18,4 Prozent des Monatsentgelts aufgrund eines Passus, der Verschiebungen in Krisenzeiten erlaubt, nicht ausgezahlt wird.
Der Druck auf Källenius wächst. Wenn die Margen nicht stabilisiert werden können, könnte das für ihn eng werden. Die Dividendenrendite von rund 6,5 Prozent wird kaum in der Lage sein, einen weiteren Abverkauf der Aktien abzupuffern. Analyst Philippe Houchois von Jefferies hat die Mercedes-Benz-Aktien von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und lobt den internen Umbau. Doch das Kursziel wurde auf 52 Euro gesenkt – operatives Risiko und eine mögliche Schwäche in China sind bereits im Kurs eingepreist. Der Aktienkurs schloss am Montag bei 45,34 Euro, was leicht über dem Tiefpunkt von 42,64 Euro liegt. Seit Jahresanfang beträgt das Minus der Aktie 26,46 Prozent – ein technischer Abwärtstrend, der nicht zu übersehen ist.
Ein Blick in die Zukunft
Der Vorstand plant Gespräche mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Aktuell arbeiten die Mitarbeiter 35 Stunden pro Woche. Ein gewagtes Unterfangen, denn die Gefahr eines weiteren Arbeitsplatzabbaus schwebt über dem Unternehmen wie ein Damoklesschwert. Im vergangenen Jahr wurden bereits 50.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut. Auch Volkswagen plant drastische Sparmaßnahmen, die bis zu 100.000 Stellen weltweit betreffen könnten.
Die IG Metall warnt eindringlich vor einem Arbeitsplatzabbau und Verlagerungen. In einer Videobotschaft haben Källenius und Personalchefin Britta Seeger über die Einsparmaßnahmen informiert, doch die Botschaft kommt nicht gut an. Ein Sprecher von Mercedes betont zwar, dass das Unternehmen die Unsicherheiten und Sorgen der Mitarbeiter ernst nimmt, doch die Frage bleibt: Wie lange kann das gut gehen? Die Proteste, die sich nun auf mehrere Standorte ausdehnen, darunter auch in Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim, sind möglicherweise nur der Auftakt für weitere Aktionen in der Automobilbranche.
