Heute ist der 16.07.2026 und die Situation in der deutschen Ernährungswirtschaft zieht alle Register. Die Gewerkschaft NGG hat die Lohnangleichung zwischen Ost- und Westdeutschland bis 2030 zur Chefsache erklärt – und das aus gutem Grund. Denn die Lohnunterschiede betragen teilweise bis zu 30 Prozent. Ein klares Zeichen dafür, dass hier noch viel Luft nach oben ist. In Sachsen-Anhalt war die Ablehnung eines Arbeitgeberangebots, das Lohnerhöhungen zwischen 12 und 14 Prozent vorsah, ein deutliches Signal. Rund 3.000 Mitarbeiter in 15 Betrieben haben genug von der Lohnmauer und fordern mehr Gerechtigkeit.

Die Resonanz ist überwältigend: Eine Petition mit dem Titel „Lohnmauer einreißen“ hat über 102.000 Unterschriften gesammelt. Das sind Stimmen, die nicht ignoriert werden können. Auch die NGG-Mitglieder zeigen sich einig – 74 Prozent sprechen sich in einer Befragung für die Forderungen aus. Und auch die Politik bleibt nicht untätig: SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann hat seine Unterstützung zugesagt. Ein Zeichen, dass die Lohnfrage nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes beschäftigt.

Der Arbeitskampf zieht Kreise

Der Arbeitskampf hat in den letzten Wochen an Intensität zugenommen. Bei Teigwaren Riesa im Landkreis Meißen haben Beschäftigte die Arbeit niedergelegt – ihre Forderungen sind klar: ein angemessener Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro sowie ein Inflationsausgleich. Unterstützung erhalten sie von DGB-Vorsitzendem Markus Schlimbach und Linken-Landeschef Stefan Hartmann. Auch in Nordrhein-Westfalen wird es spannend: Die zweite Tarifrunde für die Kreise Kleve und Viersen steht an. Die NGG fordert ein Plus von 6 Prozent, was für 9.200 Beschäftigte rund 164 Euro mehr im Monat bedeutet. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt. Ein Stillstand, der viele auf die Palme bringt.

Die Kritik an den Arbeitgebern ist laut. Insbesondere wird angemerkt, dass Steuersenkungen in der Vergangenheit nicht an die Mitarbeiter weitergegeben wurden. Dabei ist die Lage der deutschen Wirtschaft alles andere als rosig. Laut dem Arbeitspanel des Verbandes ANG wird zwar ein Anstieg der Beschäftigtenzahl um 2,3 Prozent auf 674.000 für 2025 prognostiziert, jedoch rechnen nur 54 Prozent der Betriebe mit stabiler Personalplanung. Die Unsicherheit ist groß, und viele planen sowohl Stellenaufbau als auch Einsparungen.

Tarifverträge als Schlüssel zur Lohngerechtigkeit

Die deutsche Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, aber die Beschäftigten in Ostdeutschland profitieren unterdurchschnittlich. Das ist nicht nur frustrierend, sondern auch ein Zeichen für die anhaltende Lohnungleichheit. Die durchschnittliche Lohndifferenz zwischen Ost- und Westdeutschland liegt bei 19 Prozent. Das sind 838 Euro brutto im Monat, die den ostdeutschen Beschäftigten fehlen. Der durchschnittliche Verdienst im Osten liegt bei 3.563 Euro, während die Westdeutschen mit 4.402 Euro in einer anderen Liga spielen.

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Die Tarifverträge sind der Schlüssel zur Lohnangleichung. Beschäftigte im Westen verdienen mit Tarifvertrag durchschnittlich 509 Euro mehr, im Osten sind es sogar 694 Euro. Doch nur 44 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland sind durch Tarifverträge geschützt – im Westen sind es immerhin 51 Prozent. Eine Stärkung der Tarifbindung könnte also helfen, die innerdeutsche Lohnlücke zu schließen und das Gefühl der sozialen Benachteiligung zu verringern.

Die Bundesregierung steht in der Verantwortung, ein wirksames Tariftreuegesetz zu beschließen. Unternehmen, die Tariflöhne zahlen, dürfen im Wettbewerb nicht benachteiligt werden. Schließlich sind stabile und faire Löhne nicht nur wichtig für die Beschäftigten, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland. Wer würde hier nicht gerne arbeiten? Ein attraktives Arbeitsumfeld könnte den Fachkräftemangel bekämpfen und den Osten als Lebensort aufwerten.