Krisenherd Norddeutschland: Die Metall- und Elektroindustrie am Abgrund
Die Norddeutsche Metall- und Elektroindustrie hat momentan mit ernsthaften Problemen zu kämpfen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Auslastung der Branche auf dem tiefsten Stand seit der Corona-Pandemie angekommen ist. Mit nur 81,4 Prozent stehen die Maschinen und Anlagen da, und das ist noch nicht einmal das Schlimmste. Niedersachsen hat mit 77,1 Prozent die niedrigste Auslastung, während Bremen immerhin auf 91,4 Prozent kommt. Das sind Zahlen, die einem echt zu denken geben sollten – oder nicht?
Die Umfrage, die im April unter 152 Betrieben mit rund 106.400 Beschäftigten durchgeführt wurde, stellt die Lage der Industrie ungeschönt dar. Nordmetall-Vize-Präsidentin Sonja Neubert macht klar, dass die Branche im vierten Krisenjahr steckt und kein Ende der Rezession in Sicht ist. Die Herausforderungen sind vielfältig: gestiegene Energie- und Materialpreise, hohe Arbeitskosten und eine schwierige Weltlage. Das schlägt sich auch in den Aufträgen nieder, denn 36 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihren Auftragsbestand als zu gering. Besonders alarmierend: 41 Prozent der Unternehmen können Kostensteigerungen nicht mehr durch Preiserhöhungen ausgleichen. Und jeder vierte Betrieb plant, Produktionen ins Ausland zu verlagern – ein fortdauernder Höchstwert.
Ein Blick auf die Stahlindustrie
Die Stahlindustrie in Deutschland steht ebenfalls auf der Kippe. Die Klagen über hohe Kosten und den unfairen Wettbewerb mit asiatischen Herstellern sind nicht von der Hand zu weisen. Tatsächlich produziert Asien fast drei Viertel des globalen Rohstahls, während die EU nur 14 Prozent beisteuert. Deutschland ist zwar der größte Stahlproduzent innerhalb der EU, doch die Rohstahlproduktion ist im ersten Halbjahr 2025 um knapp 12 Prozent auf 17,1 Millionen Tonnen gesunken. Das ist ein Niveau, das wir so zuletzt während der Finanzkrise 2009 gesehen haben.
Die Branche leidet unter einer schwachen Inlandsnachfrage, insbesondere aus dem Bauwesen, dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Die hohen Kosten der energieintensiven Produktion und die Billigkonkurrenz aus dem Ausland setzen den Unternehmen zu. Und dann sind da noch die Herausforderungen durch die US-Zollpolitik, die zusätzlich als Belastungsfaktor ins Gewicht fällt. Die Stahlindustrie hat 2024 einen Umsatzrückgang von 5,3 Milliarden Euro verzeichnet. Ein echtes Sorgenkind, das die Politik nicht ignorieren kann.
Die Stimmen aus der Industrie
Der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann fordert sogar Strafzölle gegen die Billigkonkurrenz aus China. Die IG Metall warnt vor dem Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen, sollte sich an den energieintensiven Preisen nicht bald etwas ändern. Ab 2026 soll es einen staatlich subventionierten Industriestrompreis für energieintensive Unternehmen geben – eine Maßnahme, die dringend notwendig scheint. Die Stahlproduktion beschäftigt rund 90.000 Menschen in Deutschland, während etwa vier Millionen in stahlintensiven Branchen arbeiten. Ein Rückgang in der Stahlproduktion könnte katastrophale Folgen für die gesamte Industrie haben.
Die Herausforderungen sind also enorm. Salzgitter plant bis 2028 jährliche Einsparungen von 500 Millionen Euro, was unweigerlich zu einem Personalabbau führen könnte. Thyssenkrupp hat ebenfalls angekündigt, Kapazitäten abzubauen und Tausende Stellen bis 2030 zu streichen. Es bleibt abzuwarten, wie die Politik und die Unternehmen auf diese Herausforderungen reagieren werden. Die Lage ist angespannt, und die Zeit drängt.
