Die Gerresheimer-Aktie hat in den letzten Monaten eine turbulente Achterbahnfahrt hinter sich. Vor nicht allzu langer Zeit, im Juli 2025, erreichte der Kurs noch ein beeindruckendes 52-Wochen-Hoch von 50,25 Euro. Doch die Freude währte nicht lange. Aktuell liegt der Kurs bei 24,62 Euro und hat sich damit fast halbiert. Ein Grund zur Besorgnis für die Anleger, das ist sicher. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang ist der fehlende testierte Jahresabschluss für 2025, der ursprünglich für März angekündigt war, aber immer wieder verschoben wurde. Wie es aussieht, müssen die Marktteilnehmer bis Juni 2026 auf den Bericht warten.

Das Ganze wird noch komplizierter durch die Unregelmäßigkeiten, die bei der Umsatzrealisierung, der Leasingbewertung und den Entwicklungskosten aus den Jahren 2024 und 2025 aufgetaucht sind. Die BaFin hat bereits eine förmliche Prüfung eingeleitet, und die Wirtschaftsprüferaufsicht APAS schaut sich die Rolle der Abschlussprüfer ganz genau an. Die Unsicherheit ist spürbar. Anleger müssen damit rechnen, dass der ausstehende Bericht negative Korrekturen enthalten könnte, und das Risiko steigt. Gerresheimer flog aufgrund des fehlenden Testats aus dem SDAX, was zu Verkäufen durch Indexfonds führte. Ein klarer Dämpfer für das Vertrauen in das Unternehmen.

BaFin und Rechnungslegungsvorschriften

Ein weiterer interessanter Punkt: Die BaFin hat konkrete Anhaltspunkte für Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften gefunden. Am 18. September 2025 wurde die Prüfung des Konzernabschlusses zum Stichtag 30. November 2024 und des zugehörigen Lageberichts eingeleitet. Die Prüfung hat ihren Ursprung in der möglichen Erfassung von Umsatzerlösen für einige Verträge, die noch nicht realisiert waren. Dies könnte ernste Konsequenzen für das Unternehmen haben, denn die BaFin ist verpflichtet, die Öffentlichkeit über das Ergebnis der Prüfung zu informieren, unabhängig davon, ob Fehler festgestellt werden oder nicht.

Die rechtlichen Grundlagen für diese Prüfung sind im Wertpapierhandelsgesetz verankert. Seit dem 1. Januar 2022 kann die BaFin die Öffentlichkeit transparenter über Bilanzkontrollen informieren, und das ist neu. Solche Prüfungen, anlassbezogen oder stichprobenartig, können Unternehmen in eine unangenehme Lage bringen – besonders wenn Fehler festgestellt werden. Und das scheint nicht so selten zu sein: 2024 wurden bei 25 Prozent der Prüfungen Fehler in der Rechnungslegung festgestellt. Das ist nicht gerade eine kleine Zahl, wenn man bedenkt, wie wichtig saubere Bilanzen für das Vertrauen in die Märkte sind.

Ausblick und Herausforderungen

Für die Gerresheimer AG bleibt abzuwarten, wie die zukünftige Neubewertung des Unternehmens ausfallen wird. Die Volatilität der Aktie liegt derzeit bei annualisierten 46 Prozent – das ist ordentlich und zeigt, wie sehr die Märkte auf die Entwicklungen rund um den Jahresabschluss reagieren. Zudem notiert die Aktie knapp fünf Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 25,90 Euro. Das Management versucht, durch den Verkauf der US-Tochter Centor Liquidität zu sichern und Schulden zu reduzieren, doch der Zeitpunkt und Preis des Verkaufs sind unklar. Diese Ungewissheit wird die Anleger wohl noch eine Weile beschäftigen.

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Die Prüfungsanordnung der BaFin kann nicht nur die Reputation des Unternehmens beeinträchtigen, sondern stellt auch eine Herausforderung für die Abschlussprüfer dar. Mit den gestärkten Befugnissen und Ressourcen der BaFin ist es klar, dass Unternehmen, die am regulierten Markt in Deutschland aktiv sind, sich auf intensive Kontrollen gefasst machen müssen. Das FISG hat hier für mehr Transparenz und auch für mehr Verantwortung gesorgt. Ob Gerresheimer die Kurve kriegt und die Anleger wieder zurückgewinnen kann, bleibt abzuwarten. Bis zur Veröffentlichung des testierten Jahresabschlusses ist der Weg noch ein steiniger.