Die geopolitische Landschaft Europas hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Man könnte sagen, dass die alten Denkmuster, die lange Zeit die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Strategien prägten, nicht mehr ausreichen. Vor allem die kritischen Rohstoffe, Technologien und die gesamte Infrastruktur sind zu Schlüsselfaktoren für Macht und Einfluss im 21. Jahrhundert geworden. Die Vorstellung, dass wirtschaftliche Verflechtungen automatisch zu politischer Stabilität führen, hat sich als trügerisch erwiesen. Diese Erkenntnis wurde besonders deutlich durch die Energiekrise und den russischen Angriff auf die Ukraine, der die Verwundbarkeit der europäischen Abhängigkeit von Energie deutlich auf die Tagesordnung brachte.

Die Zeiten, in denen man einfach nur auf die Globalisierung setzen konnte, um wirtschaftliche Stabilität zu erlangen, sind vorbei. Die Abhängigkeit von russischer Energie hat sich als strategisches Risiko entpuppt, und die EU muss nun einen Weg finden, um offen zu bleiben, ohne sich erpressbar zu machen. „De-Risking“ ist das neue Schlagwort, das die Spannungen zwischen wirtschaftlicher Offenheit und geopolitischen Risiken beschreibt. Europa zeigt sich besorgt über die Abhängigkeiten aus globalen Lieferketten, die in einer Zeit des Wandels immer mehr als strategische Kontrolle wahrgenommen werden.

Neue Herausforderungen für Unternehmen

Deutsche und europäische Unternehmen stehen vor einer massiven Herausforderung. Viele von ihnen haben über die Jahrzehnte ihre Produktionsstätten nach Asien, insbesondere nach China, verlagert. Der Krieg in Osteuropa hat diese Abhängigkeiten in den Fokus gerückt. Unternehmen müssen jetzt nicht nur die potenziellen Folgen einer Eskalation der chinesischen Aggression gegen Taiwan in Betracht ziehen, sondern auch Strategien zur Diversifikation entwickeln. Die deutsche Außenhandelskammer in China hat die Aufgabe übernommen, Firmen dabei zu unterstützen, Alternativen zu finden und sich von China wegzuorientieren. Eine Liste potenzieller Ausweichländer wird bereitgestellt – ein kleiner Lichtblick in dieser angespannten Lage.

Das Konzept der „China-plus-Eins-Strategie“ ist mittlerweile der Hit unter den Unternehmen, die eine Fertigungsstätte in Ländern wie Vietnam eröffnen wollen. RRC Power Solutions hat diesen Schritt bereits 2023 getan, und die deutsche Außenhandelskammer verzeichnete beeindruckende 470 Investitionsprojekte deutscher Firmen in Vietnam, die rund 50.000 Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie man die Balance zwischen wirtschaftlicher Offenheit und der Vermeidung von Abhängigkeiten finden kann. BASF plant, neben China auch andere asiatische Länder stärker zu berücksichtigen, investiert aber weiterhin kräftig in China.

Die EU und die geopolitische Fragmentierung

Die geopolitische Fragmentierung steht im Raum, während die USA ihre Rolle als globale Führungsmacht teilweise zurückziehen und China als Rivale aufsteigt. Die Unsicherheiten durch die US-Wirtschaftspolitik schaffen ein Klima, das Investoren verunsichert. Hohe Importzölle der USA könnten Unternehmen dazu verleiten, die Fertigung vor Ort anzusiedeln – eine Entwicklung, die man sich vor ein paar Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Das Handeln der EU und der Bundesregierung ist gefragt, um neue Handelsabkommen zu schaffen und die Umorientierung von Unternehmen zu unterstützen.

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Die Herausforderungen sind vielschichtig, und die Erfassung sowie Bewertung der Abhängigkeiten gestaltet sich als komplex. Mineralische und Energie-Rohstoffe, Halbleiter und digitale Technologien stehen im Fokus. Der strukturelle Wandel führt zu neuen Abhängigkeiten, und sowohl die EU als auch die Mitgliedstaaten setzen resilienzorientierte Maßnahmen um. Das Bewusstsein für Risiken in den Wertschöpfungsketten ist gewachsen, und damit auch die Notwendigkeit, gesellschaftliche und unternehmerische Bewertungen geoökonomischer Risiken mit der Wirtschaftspolitik in Einklang zu bringen.