Chemieindustrie in der Krise: Evonik und die Herausforderung der Wettbewerbsfähigkeit
Die Nachrichten aus der Chemieindustrie in Deutschland sind derzeit nicht gerade rosig. Evonik hat bekannt gegeben, dass bis 2029 in Witten 266 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Ein harter Schlag für die Region, die sich nicht nur mit dem Verlust von Arbeitsplätzen auseinandersetzen muss, sondern auch mit den Veränderungen, die die Branche insgesamt durchmacht. Der Grund für diesen Schritt? Einfache Mathematik: Die Energiekosten in Nordamerika sind um ein Vielfaches niedriger. Das hat zur Folge, dass Evonik massive Investitionen in den USA plant, darunter rund 100 Millionen US-Dollar für die Modernisierung des Standorts Tippecanoe. Ein Zeichen, dass die Wettbewerbsbedingungen in Europa nicht mehr mit denen in den USA Schritt halten können.
Die Chemieindustrie in Europa ist in einer kritischen Lage. Im Vergleich zu Nordamerika zahlt die Branche hierzulande 50 bis 70 Prozent mehr für Energie. Und auch im Vergleich zu China ist der Nachteil für die europäischen Unternehmen bis zu 40 Prozent. Diese Situation hat bereits dazu geführt, dass 10 Prozent der europäischen Chemiekapazitäten stillgelegt wurden. Evonik hat mit seinem Transformationsprogramm „Evonik Tailor Made“ die Kostenstruktur im Blick. Doch das wird nicht ausreichen, um die Herausforderungen der Branche zu bewältigen.
Auswirkungen auf die Branche
Auch andere Unternehmen der Branche sind betroffen. BASF und Wacker Chemie haben bereits Sparprogramme und Stellenabbau angekündigt, was die Situation noch verschärft. Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Markus Steilemann, hat die derzeitige Lage als die schwierigste seit 25 Jahren bezeichnet. Die Produktionsanlagen sind nur zu 70 Prozent ausgelastet, ein historischer Tiefpunkt. Jedes zweite Unternehmen hat zu wenig Aufträge, und die Aufträge sind seit 2021 um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Das ist nicht nur eine Zahl, das sind Existenzen!
Für das Jahr 2026 wird ein operatives Ergebnis (EBITDA) von zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro angestrebt. Doch während die Evonik-Aktie seit Jahresbeginn um 28,30 Prozent zugelegt hat und aktuell bei 17,09 Euro notiert, ist die Stimmung in der Chemiebranche alles andere als euphorisch. Die Geschäfte der chemisch-pharmazeutischen Industrie schrumpfen, die Produktion und die Erzeugerpreise sind gesunken. Die Prognosen deuten auf einen Umsatzrückgang von rund zwei Prozent hin. Das ist eine ganze Menge Geld, das da verloren geht.
Ein Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen, vor denen die chemische Industrie in Deutschland steht, sind enorm. Hohe Energiepreise, eine allgemeine Konjunkturflaute und ein Überangebot bei Basischemikalien belasten die Unternehmen. Die Abhängigkeit von wichtigen Kunden wie der Auto- und Elektroindustrie macht die Sache nicht einfacher. Die Branche erwartet auch für 2025 kein Ende der Krise. Und das ist nicht nur eine pessimistische Einschätzung, sondern eine realistische Einschätzung der Marktlage. Ab 2026 könnte sich aber eine kleine Hoffnung am Horizont zeigen, wenn der Industriestrompreis für energieintensive Branchen gesenkt wird.
Die Stimmung ist angespannt, und die Unternehmen müssen sich dringend reformieren und in neue Technologien investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Weg, der nicht nur neue Chancen, sondern auch neue Herausforderungen mit sich bringt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt und welche Maßnahmen tatsächlich ergriffen werden, um die Branche wieder auf Kurs zu bringen.
