BYD im Abwärtsstrudel: Kampf ums Überleben in der Elektroauto-Welt
Die Lage bei BYD, dem chinesischen Pionier im Bereich der Elektroautos, ist derzeit alles andere als rosig. Die Verkaufszahlen sinken, und das Unternehmen sieht sich einem dramatischen Gewinneinbruch gegenüber. Im ersten Quartal 2026 musste BYD einen Umsatzrückgang von knapp 12 Prozent auf 150,2 Milliarden Renminbi hinnehmen. Noch besorgniserregender ist der Nettogewinn, der um mehr als 55 Prozent auf gerade einmal 4,1 Milliarden Renminbi eingebrochen ist. Ein schmerzhafter Rückschlag für einen Konzern, der ambitionierte Ziele verfolgt.
Der Konzernchef Wang Chuanfu hat zwar das Ziel ausgegeben, bis 2030 der größte Autohersteller der Welt zu werden, doch die Realität sieht anders aus. Um im Wettbewerb mit Giganten wie Toyota – der im Jahr 2025 stolze 11,3 Millionen Fahrzeuge verkauft hat – die Nase vorn zu haben, müsste BYD seinen Absatz innerhalb von weniger als fünf Jahren mehr als verdoppeln. Ein echter Kraftakt, zumal intensiver Wettbewerb in China die Verkaufszahlen zusätzlich drückt.
Verkaufszahlen und Marktanteile
<pIm Mai 2026 konnte BYD insgesamt 383.453 Elektro- und Hybridfahrzeuge absetzen, kaum mehr als die 382.476 im Vorjahresmonat. Ein ernüchterndes Ergebnis, zumal die kumulierten Verkäufe in den ersten fünf Monaten des Jahres bei rund 1,4 Millionen Einheiten lagen – das sind gut 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den reinen Elektrofahrzeugen (BEVs) verzeichnete BYD sogar einen Rückgang von fast 19 Prozent im Jahresvergleich. Plug-in-Hybride (PHEVs) erlitten gar einen Verlust von über 22 Prozent.
Im Vergleich dazu hat BYD im Jahr 2025 insgesamt 4,6 Millionen NEVs verkauft, was zwar einem Anstieg von 7,73 Prozent im Vergleich zu 2024 entspricht, doch die aktuelle Entwicklung lässt aufhorchen. Besonders auffällig sind die Verkaufszahlen im Ausland: Im Mai stiegen die Auslieferungen außerhalb Chinas um 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Unternehmen plant für das Gesamtjahr mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge ins Ausland zu liefern. Ein Lichtblick in einem ansonsten trüben Bild.
Exportboom und zukünftige Strategien
Der Exportboom könnte tatsächlich der Schlüssel sein, um aus der aktuellen Krise auszubrechen. BYD hat 2025 über 1 Million Fahrzeuge exportiert, was einen Anstieg von über 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Es scheint, als würde sich das Unternehmen in Richtung eines internationalen Marktes bewegen, indem es seine Produktion und Präsenz in Europa, Nordamerika, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Südostasien ausbaut. In Europa beispielsweise wurden 2025 187.657 BYD-Fahrzeuge zugelassen, mit einem besonders starken Anstieg in Deutschland und Großbritannien.
Die Pläne sind groß: BYD will bis 2026 1,3 Millionen Fahrzeuge nach Übersee liefern. Mit über 650.000 Mitarbeitern und mehr als 30 Industrieparks weltweit hat das Unternehmen die nötigen Ressourcen, um zu wachsen. Die Batterietechnologie, schnelleres Laden und höhere Produktionskapazitäten stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Doch trotz dieser positiven Ansätze bleibt die Frage, ob die Verkaufszahlen im Heimatmarkt schnell genug steigen, um die angestrebten Ziele zu erreichen.
Marktposition und Herausforderungen
Mit einem Marktanteil von 19 Prozent im globalen Plug-in-EV-Markt hat BYD sich als der weltweit größte Hersteller von PHEVs und führender BEV-Produzent etabliert. Dennoch ist der Wettlauf um die Spitzenposition im Elektroautomarkt härter denn je. Die Konkurrenz schläft nicht: Geely hat 2025 2,26 Millionen BEVs verkauft und Tesla, der einstige Platzhirsch, musste einen Rückgang seiner Verkaufszahlen hinnehmen. Chinesische Start-ups wie Xpeng und Xiaomi zeigen ebenfalls beachtliches Wachstum und setzen BYD unter Druck.
Die aktuellen Herausforderungen sind also vielschichtig: Ein schwächelnder Heimatmarkt, ein intensiver Wettbewerb und ein Gewinneinbruch belasten die Bewertung von BYD. Die Aktie, die aktuell bei 8,27 Euro notiert und damit mehr als 24 Prozent seit Jahresbeginn verloren hat, spiegelt diese Unsicherheiten wider. Ein RSI von 20 signalisiert eine stark überverkaufte Lage, während der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro satte 44 Prozent beträgt. Die nächsten Monate könnten entscheidend sein – sowohl für das Unternehmen als auch für den Markt insgesamt.
