Die Welt dreht sich weiter, und mit ihr die Techniken der Betrüger. Gerüchte über neue Maschen machen die Runde, und die Behörden sind alarmiert. In den USA, genauer gesagt in Tennessee, haben Behörden, Ministerien und Non-Profit-Organisationen eine koordinierte Aufklärungskampagne gegen Finanzbetrügereien gestartet. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Betrugsmaschen ist auf dem Vormarsch. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die oft die Zielscheibe dieser skrupellosen Machenschaften sind. Es wird geschätzt, dass über 60-Jährige in Tennessee jährlich etwa 500 Millionen Euro verlieren. Das ist eine immense Summe, die sich landesweit auf rund 45 Milliarden Euro beläuft.

Ein Alarmzeichen: Das FBI prognostiziert für 2025 einen Anstieg der Cyberkriminalität um 26 Prozent auf knapp 21 Milliarden Euro. Allein die über 60-Jährigen sollen dabei rund 8 Milliarden Euro verlieren. Der Einsatz von KI-gestützten Stimmenklonen ist ein besonders perfider Trick, um sich als Familienangehörige auszugeben. Um dem entgegenzuwirken, wurde am 4. Juni die Website SafeSeniorTN.com ins Leben gerufen, ein Bildungsportal für Senioren. Auch eine Hotline zur Meldung von Betrugsfällen ist in Planung. Hier wird klar, wie wichtig Aufklärung und Prävention sind.

Aufklärung und Prävention

Die Kampagne „Don’t Fall for the Act“ von FBI Nashville und NSAI warnt nicht nur vor gefälschten Tickets, sondern auch vor Romance Scams, die zwischen 2024 und 2025 Schäden von über 12 Millionen Euro verursachten. Die Federal Trade Commission (FTC) warnt zudem vor einer neuen Welle von Phishing-Angriffen, die mit gefälschten Party-Einladungen daherkommen. In einem alarmierenden Bericht des AARP Fraud Watch Network wurde von mindestens fünf kompromittierten Konten innerhalb einer Woche Ende Mai berichtet. Sicherheitsexperten raten dazu, bei digitalen Einladungen die Absender-Domain zu überprüfen. Denn manchmal steckt mehr hinter einer Einladung, als man denkt.

Am 4. Juni fanden auch lokale Aktionen zur Erkennung und Prävention von Betrug statt, beispielsweise in Louisville (Kentucky), wo KI-generierte Bilder identifiziert wurden, oder in Georgia, wo ein Finanz-Workshop für Senioren stattfand. Weiter geht’s mit weiteren Terminen im Juni, die auf das Thema Altersmissbrauch aufmerksam machen. Ein Beispiel ist die Proklamation zum Welt-Aktionstag gegen Altersmissbrauch am 8. Juni in Mississippi. Hier wird klar, dass sich die Behörden nicht nur auf die großen Städte konzentrieren, sondern auch in ländlichen Gebieten aufklären.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in unser Leben hat nicht nur Vorteile, sondern bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nutzen Angreifergruppen KI für verschiedene Arten von Angriffen, die in drei Kategorien unterteilt werden können: Aufklärung gegen Zielorganisationen, Ausnutzung von Schwachstellen und die Entwicklung von Trojaner-Software. Die Nutzung von KI zur schnellen Auswertung von Informationen könnte diese Angriffe effizienter gestalten. Ein besonders perfider Trend sind sogenannte „Prompt Jailbreaks“, die es Angreifern ermöglichen, interne Informationen von KI-Systemen zu erlangen.

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Unlängst gab es Berichte, dass OpenAIs ChatGPT im Februar 2024 zur Auswertung exfiltrierter Daten verwendet wurde. In diesem Kontext sind auch „Deepfakes“ erwähnenswert, die in einigen Cybercrime-Fällen beobachtet wurden, wenn auch nicht in den so genannten APTs (Advanced Persistent Threats). Es zeigt sich also, dass KI nicht unbedingt neue Methoden hervorbringt, sondern bestehende Techniken vereinfacht. Die Möglichkeiten sind schier endlos, und die Verbrecher sind kreativ – eine gefährliche Mischung.

Darüber hinaus ist es zu erwarten, dass in den nächsten 18 Monaten qualitative Fortschritte bei multimodalen KIs stattfinden werden, was die Gefahr von KI-gestütztem Phishing weiter erhöht. Diese Entwicklungen könnten sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger neue Herausforderungen darstellen. Ein gewisses Maß an Unsicherheit bleibt, denn während einige Experten eine stagnierende Entwicklung der LLMs (Large Language Models) aufgrund ungenügender Trainingsdaten erwarten, gibt es immer noch zahlreiche spekulative Szenarien zu den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Cyberbedrohungen.

In diesem komplexen Geflecht aus Aufklärung, Prävention und den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz wird deutlich: Die Gesellschaft muss wachsam bleiben. Denn egal, wie fortschrittlich die Technologien auch sein mögen, der Mensch steht immer im Mittelpunkt – sowohl als Zielscheibe als auch als Hüter von Wissen und Sicherheit.