Bayer am Scheideweg: Milliardenvergleich und die Schatten der Glyphosat-Klagen
Die aktuelle Situation rund um Bayer und den milliardenschweren Vergleich in den USA, der die Klagen gegen Glyphosat betrifft, ist alles andere als einfach. Die Kläger müssen bis zum 5. Juni 2026 dem Vergleich zustimmen, der mit 7,25 Milliarden Dollar dotiert ist. Doch das Ganze hat einen Haken: Wenn zu viele Kläger aus dem Vergleich aussteigen, könnte das gesamte Unterfangen scheitern. Ein gewaltiger Druck lastet auf Bayer, und das zeigt sich auch im Aktienkurs, der in der letzten Woche um fast fünf Prozent gefallen ist. Am Freitag schlossen die American Depositary Receipts (ADRs) bei 10,56 Dollar.
Bayer ist nicht nur auf die Zustimmung der Kläger angewiesen; CEO Bill Anderson hat bereits die Wichtigkeit einer hohen Beteiligung betont. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Ein Anwalt von Krebspatienten hat die angebotene Summe als unangemessen niedrig kritisiert und versucht, den Fall vor ein Bundesgericht zu bringen. Im Juli steht die finale Anhörung zum Settlement an, wobei ein Gericht in Missouri über die endgültige Zustimmung entscheiden wird. Die Analysten der Jefferies-Bank haben zwar das Kursziel von 25 auf 40 Euro angehoben, bleiben in ihrer Einstufung jedoch bei „Halten“. Der faire Wert der Aktie liegt bei 45 Euro, aber Rechtsrisiken drücken auf den Kurs.
Die Dimension der Klagen
Was den Vergleich noch komplizierter macht, sind die zehntausenden Klagen, die gegen die US-Tochter Monsanto anhängig sind. Kläger führen Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück, und ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation hat diesen Stoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ klassifiziert. Bayer, in einer Position, die man als angespannt bezeichnen könnte, weist diesen Verdacht jedoch vehement zurück und betont, dass die Einigung kein „Schuldeingeständnis“ darstellt.
Parallel zum Settlement läuft ein Prozess vor dem US-Supreme Court über den Fall Durnell. Ein Urteil wird bis Ende Juni erwartet, und das könnte die Situation erheblich beeinflussen: Ein positives Urteil könnte dazu führen, dass bis zu 80 Prozent der Klagen entfallen. Bis zur Entscheidung bleibt die Aktie anfällig für starke Ausschläge – eine nervenaufreibende Zeit für die Anleger.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Vereinbarung sieht Zahlungen über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren vor. Das klingt erstmal nach viel, doch die Unsicherheit bleibt. Bayer erwartet durch diesen Vergleich eine gewisse Entlastung und mehr Planungssicherheit, aber der Weg dorthin ist steinig. Die kommenden Monate werden entscheidend sein – sowohl für die Kläger als auch für Bayer selbst. Das Unternehmen steht an einem Scheideweg, und die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, könnten weitreichende Folgen für die Zukunft des Konzerns haben.
