Aufbruch in der Werbewelt: RTL AdAlliance und der European Video Marketplace
Die Werbewelt ist im Umbruch, und RTL AdAlliance ist mittendrin. Auf der Werbefachmesse in Cannes stellt die Vermarktungstochter des Mediengiganten den European Video Marketplace (EVM) vor. Mit dem EVM will RTL Premium-Videowerbung in 14 europäischen Ländern anbieten – ein ambitioniertes Projekt, das die Buchung von TV- und Streaming-Werbung für Werbekunden erheblich vereinfachen soll. Dabei vereint der Marktplatz Inhalte von Sendern, Streamingdiensten und Connected-TV-Plattformen. Partner wie Atresmedia, DAZN, DPG Media, France TV, HBO Max und Samsung TV Plus zeigen, dass RTL sich nicht nur auf seine eigenen Inhalte verlässt, sondern auf ein starkes Netzwerk setzt.
Die Verantwortung für die technische Steuerung des EVM liegt in den Händen von Oliver Vesper, dem Chief Digital Officer und stellvertretenden CEO von RTL AdAlliance. Ein kluger Schachzug, denn der Markt für digitale Werbung boomt. Die Streaming-Erlöse sind im ersten Quartal 2026 um satte 27 Prozent gestiegen, und das Unternehmen hat erstmals im Streaming-Bereich profitabel gearbeitet. Im Rahmen dieser Transformation hat RTL auch neue Partnerschaften mit Mastercard und Compliant angekündigt, um das Vertrauen in die Werbung zu stärken.
Herausforderungen und Prognosen
Dennoch steht das lineare TV-Geschäft unter Druck. Die Konkurrenz durch globale Streaming-Giganten wird immer heftiger, und RTL reagiert mit nationalen Allianzen. Eine aktualisierte Prognose, die im August veröffentlicht wird, soll die vollständige Konsolidierung von Sky Deutschland beinhalten. Die RTL-Aktie notierte am Dienstag bei 31,05 Euro – ein Minus von 0,8 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp elf Prozent verloren, was die Sorgen um die Zukunft des Unternehmens unterstreicht. Der Kursdurchschnitt der letzten 200 Tage liegt bei 34,61 Euro, was rund zehn Prozent tiefer ist.
Im Kontext der gesamten RTL Group zeigen die Zahlen der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025, dass der Gesamtumsatz um 2,2 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro gesunken ist. Dies ist vor allem auf die niedrigeren TV-Werbeumsätze und die Herausforderungen bei Fremantle zurückzuführen. Während die Digital-Werbeumsätze jedoch um 31,7 Prozent stiegen, ist der Rückgang in den Kernmärkten nicht zu ignorieren. CEO Thomas Rabe hat die Situation als herausfordernd beschrieben. Die Verlagerung zum Streaming beschleunigt sich, was auch an den 7,6 Millionen zahlenden Abonnenten Ende September 2025 sichtbar wird – das Ziel von über 8 Millionen Abonnenten bis Ende des Jahres ist in greifbarer Nähe.
Marktentwicklung und Zukunftsaussichten
Die Prognosen für den Audio- und audiovisuellen Medienmarkt in Deutschland zeigen, dass dieser 2025 erstmals über 16 Milliarden Euro umsetzen könnte. Das Umsatzwachstum wird zum Großteil durch Werbung und Nutzungsentgelte im Audio- und Video-Streaming-Bereich getragen. Da ist die steigende Nachfrage nach Medieninhalten zwar erfreulich, jedoch gibt es auch negative Auswirkungen durch die konjunkturelle Lage. Frank Giersberg, Geschäftsführer des VAUNET, hat dies treffend formuliert: Die Nachfrage steigt, aber die Unsicherheiten sind nicht zu unterschätzen.
Besonders auffällig ist das Wachstum bei bezahlten Streamingangeboten und Streaming-Werbung. Während die Bewegtbildwerbung insgesamt stagnieren könnte, wird für Streaming-Videowerbung ein Wachstum von 15 Prozent prognostiziert. Das zeigt, wie dynamisch der Markt ist, auch wenn die traditionellen TV-Werbeumsätze unter Druck stehen.
Die Welt der Medien ist im Wandel. Wer sich nicht anpasst, wird Schwierigkeiten haben, im Rennen zu bleiben. RTL AdAlliance scheint jedoch entschlossen, sich den Herausforderungen zu stellen – mit neuen Partnerschaften, einer klaren digitalen Strategie und einem starken Fokus auf Streaming. Wir sind gespannt, was die kommenden Monate bringen werden!
