Die Supermarktkette Tegut steht vor einem Umbruch, der nicht nur die Mitarbeiter betrifft, sondern auch die ganze Branche aufwirbeln könnte. Die Gewerkschaft Verdi äußert ernsthafte Bedenken, dass beim Verkauf von Tegut die Tarifbindung für viele Beschäftigte auf der Strecke bleiben könnte. Das ist kein kleines Detail – schließlich arbeiten zwei Drittel der Tegut-Märkte im Eigenbetrieb, während ein Drittel von selbstständigen Kaufleuten betrieben wird, die oft keine tarifliche Bezahlung bieten. Ein potenzieller Übergang an größere Ketten wie Edeka oder Rewe könnte diesen besorgniserregenden Trend noch beschleunigen, zumal unklar bleibt, wie viele Mitarbeiter beim Wechsel zu neuen Eigentümern tatsächlich ihren Job behalten.

Besonders brisant ist, dass die Schweizer Migros plant, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen und ihre Tegut-Filialen zu verkaufen. Edeka zeigt großes Interesse und will rund 200 der etwa 300 Tegut-Supermärkte übernehmen. Dazu kommen die Rewe-Gruppe mit dem Plan, 40 Märkte zu akquirieren, sowie die Smart-Store-Kette Tante Enso, die bis zu 36 Filialen ins Auge gefasst hat. Sogar der Discounter Aldi Nord hat seine Fühler nach einigen Tegut-Filialen ausgestreckt. Das alles muss jedoch erst vom Bundeskartellamt genehmigt werden, das bereits eine vertiefte Prüfung der Übernahmepläne eingeleitet hat.

Der Druck auf die Branche wächst

Die Situation wird durch die Marktmacht von Edeka und Rewe noch komplizierter. Gemeinsam dominieren sie den deutschen Lebensmitteleinzelhandel und teilen sich über 50% des Marktes. Zusammengenommen mit Aldi und der Schwarz-Gruppe (also Lidl und Kaufland) hat dieses Quartett fast 88% Marktanteil – das ist schon eine ganz schöne Hausnummer! Ein Sondergutachten der Monopolkommission, das für November 2025 erwartet wird, weist zudem darauf hin, dass die Gewinnmargen von der Landwirtschaft zum Handel verschoben werden. Das hat fatale Folgen: Die Verbraucherpreise steigen, während die Erlöse der Landwirte sinken. Prekäre Verhältnisse in der Landwirtschaft sind die Konsequenz.

Die Machtkonzentration in den Lebensmittellieferketten hat nicht nur Auswirkungen auf die Preise, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften warnen vor einer Verschlechterung der Tarifverträge, die für viele Beschäftigte immer wichtiger werden. Verdi drängt darauf, dass die Kartellbehörden Übernahmen strenger prüfen und gegebenenfalls häufiger untersagen sollten. Die Politik ist gefordert, klare Regeln gegen unfaire Handelspraktiken zu schaffen und auf Ministererlaubnisse zu verzichten. Die Übernahme von Tegut durch Edeka wird als besonders heikel eingestuft, was die Fragen um die Zukunft der Mitarbeiter und die Stabilität des Marktes nur noch verstärkt.

In diesem turbulenten Umfeld bleibt abzuwarten, wie sich die Lage letztendlich entwickeln wird. Die Sorgen der Beschäftigten, die Zukunft des Lebensmittelhandels und die fairen Arbeitsbedingungen sind Themen, die uns alle betreffen. Und während die großen Player ihre Machtpositionen ausbauen, stehen die kleinen Märkte und ihre Angestellten an einer ungewissen Weggabelung.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren