Die Lage in der russischen Wirtschaft ist, um es milde auszudrücken, angespannt. Im ersten Quartal 2026 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,8 Prozent geschrumpft – und das, obwohl die Zentralbank noch ein Plus von 1,6 Prozent vorhergesagt hatte. Wladimir Putin zeigt sich besorgt und fordert rasche Maßnahmen von seinem Kabinett, um die angeschlagene Konjunktur wiederzubeleben. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreml versucht, die wirtschaftlichen Wogen zu glätten – die jüngste Regierungssitzung zu diesem Thema fand erst Ende März statt.

Fast alle Sektoren sind vom wirtschaftlichen Niedergang betroffen, aber der Bausektor steht besonders im Fokus. Die Baufirma Samoljot hat im Februar vergeblich um einen subventionierten Kredit über 550 Millionen Euro gebeten. Experten warnen bereits vor einer Welle von Pleiten in dieser Branche. Der Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen westlichen Sanktionen haben Russland von wichtigen Technologien und Investitionen abgeschnitten, was die Situation weiter verschärft. Es ist wie ein Teufelskreis, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt.

Hürden und Herausforderungen

Die Zentralbank hat den Leitzins auf 14,5 Prozent gesenkt, um die Inflation zu bekämpfen, doch das hat auch seine Schattenseiten. Hohe Zinssätze hemmen die Investitionstätigkeit und verschärfen die Probleme der Unternehmen, die ohnehin schon mit Arbeitskräftemangel und extremen Abhängigkeiten zu kämpfen haben. Die Inflation liegt offiziell bei über fünf Prozent, was sich bei den Bürgern jedoch ganz anders anfühlt – alltägliche Produkte werden spürbar teurer. Die staatlichen Haushaltsausgaben sind seit 2022 um 75 Prozent gestiegen, was zwar zu einem Anstieg der Löhne und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit geführt hat, aber gleichzeitig das Staatsdefizit enorm in die Höhe treibt.

Besonders die Rohstoffexporte, wie Öl und Gas, sind für die russische Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Unerwartet hohe Rohstoffpreise haben zwar zu einem Anstieg der Ölsteuereinnahmen geführt – diese verdoppelten sich im April auf fast acht Milliarden Euro – dennoch gibt es kaum positive Effekte für das Wirtschaftswachstum. Und die Schäden, die ukrainische Drohnenangriffe an der Ölindustrie verursachen, verstärken die ohnehin schon kritische Lage.

Die Rolle des Staates

Um den Krieg zu finanzieren, hat der Staat neue Steuern eingeführt und die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent erhöht. Eine Entscheidung, die nicht gerade beliebt ist und die Kaufkraft der Bürger weiter schmälern wird. Zudem wird der Steuerfreibetrag für kleine Unternehmen von über 600.000 Euro auf knapp 100.000 Euro gesenkt – das könnte nicht nur viele Betriebe gefährden, sondern auch Arbeitsplätze kosten. Die Arbeitslosenquote ist zwar mit 2,3 Prozent niedrig, aber das bedeutet auch, dass es für Unternehmen zunehmend schwierig wird, neue, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Ein Teufelskreis, der sich in der aktuellen Situation besonders schmerzhaft zeigt.

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Insgesamt stehen die Aussichten auf ein baldiges wirtschaftliches Aufblühen mehr auf der Kippe als auf der Überholspur. Der Kreml versucht mit neuen Regelungen gegenzusteuern, doch die Zeichen deuten auf eine langanhaltende Krise hin. Ob und wie Russland aus diesem wirtschaftlichen Tief herauskommt, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit bleibt die Frage offen, ob der Rubel stark genug ist, um die Wogen der Krise zu glätten oder ob die hohe Inflation und die starren Zinssätze den Aufschwung bremsen. Man kann nur hoffen, dass es irgendwann ein Licht am Ende des Tunnels gibt, aber dieser Tunnel scheint momentan sehr lang zu sein.