Heute ist der 25.07.2026. Ein Blick auf die russische Wirtschaft zeigt, dass sie nach wie vor unter den Folgen des Ukraine-Kriegs leidet. Ökonom Wassili Astrow hat jüngst von einer spürbaren Konjunkturflaute in Russland berichtet. Die Ursachen? Hohe Zinsen, Sanktionen, ukrainische Angriffe auf wichtige Energieanlagen und der Online-Händler Wildberries stehen ganz oben auf der Liste. Ein Frieden wäre wirtschaftlich vorteilhaft, so Astrow. Das spiegelt sich auch in der russischen Börse wider, die auf der Suche nach Stabilität ist.

Nach einem dramatischen Konjunktur-Einbruch von etwa 30 Prozent zeigt sich, dass die Rüstungsindustrie die einzige Branche ist, die derzeit wächst. Die Bauwirtschaft und die Autobranche hingegen sind stark betroffen – die Abhängigkeit von Kreditfinanzierungen hat hier ihre Spuren hinterlassen. Auch die Exportwirtschaft, insbesondere die Stahl- und Holzindustrie, hat mit den Sanktionen zu kämpfen. Während Einzelhandel und Tourismus trotz der schwierigen Umstände relativ gut abschneiden, rückt die Treibstoffkrise näher an die Bevölkerung heran und zeigt die kriegsbedingten Auswirkungen auf.

Ein radikaler Kurswechsel

Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hat die russische Wirtschaft einen radikalen Kurswechsel hin zu einer Kriegsökonomie vollzogen. Militärausgaben, Rüstungsproduktion und innere Sicherheit dominieren mittlerweile den Staatshaushalt. Trotz der westlichen Sanktionen und dem Rückzug internationaler Unternehmen hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach einem Rückgang 2022 in den Jahren 2023 und 2024 erholt und gewachsen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibt ungleichgewichtig und anfällig für äußere Einflüsse.

Ein Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine bleibt weiterhin in weiter Ferne, Verhandlungen laufen, aber es gibt keine Einigung über territoriale Fragen oder Sanktionen. Vor dem Krieg war die russische Wirtschaft stark von Erdöl- und Gasexporten abhängig. Der Krieg hat diese Abhängigkeit nur verstärkt und die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft vorangetrieben. Aktuell machen die Militärausgaben etwa 7 Prozent des BIP aus – ein erheblicher Anteil des Haushalts.

Ein gespaltenes Land

Die Realität ist, dass die russische Bevölkerung unter den Auswirkungen des Krieges leidet. Mobilisierung und Abwanderung gut qualifizierter Fachkräfte setzen dem Land zu. Gewinner der aktuellen Situation sind Unternehmen in der Rüstungsproduktion, während importabhängige Branchen und der Technologiesektor unter Druck stehen. Hohe Zinsen und Inflation belasten die private Wirtschaft zusätzlich, die Zentralbank verfolgt ein Inflationsziel von 4 Prozent, liegt aber deutlich darüber. Ein Friedensvertrag könnte die Kriegswirtschaft schwächen, birgt jedoch auch Chancen für Investitionen und wirtschaftliche Stabilität.

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Russland bleibt ein wichtiges Energieexportland, und trotz der Herausforderungen zeigt die Wirtschaft im Jahr 2024 ein Wachstum von über 4 Prozent. Die Ukraine hingegen wuchs 2023 doppelt so schnell wie Russland. Dies zeigt, wie gespalten die wirtschaftlichen Perspektiven der beiden Länder sind. Die Rentabilitätsschwelle für russisches Rohöl liegt bei etwa 44 Dollar pro Barrel, während die Kosten der Sanktionen bei 36 Dollar pro Barrel liegen. Das ist ein schmaler Grat, auf dem sich die russische Wirtschaft bewegt.

Und während die ukrainische Wirtschaft stark von internationaler Hilfe abhängig ist, scheinen die Strukturen in Russland stabilisiert, jedoch durch die Abhängigkeit von militärischen Ausgaben und Energieexporten gefährdet zu sein. Frieden könnte für Russland ein größeres Risiko darstellen als der aktuelle Krieg, da die wirtschaftlichen Strukturen und die Interessen der Eliten auf hohe Verteidigungsausgaben ausgerichtet sind. Im Gegensatz dazu könnte die Ukraine von einem Frieden profitieren, indem sie Zugang zu internationalen Kapitalflüssen und neuen Märkten erhält.