Heute ist der 13.05.2026. Die russische Wirtschaft steckt tief in der Krise – und das Bild ist alles andere als rosig. Alexandra Prokopenko, Wirtschaftsexpertin am Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin, beschreibt die Situation als eine „Todeszone“. Da fragt man sich, wie es so weit kommen konnte und ob die Maßnahmen, die Präsident Putin Ende April gefordert hat, tatsächlich ausreichen, um die Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Die Ursachen sind vielschichtig und hängen stark mit dem Krieg gegen die Ukraine zusammen, der Russland nicht nur in einen militärischen Konflikt, sondern auch in eine wirtschaftliche Sackgasse manövriert hat.

Die Sanktionen, die auf die Invasion folgten, haben Russland von wichtigen Technologien und neuen Investitionen aus dem Ausland abgeschnitten. Das hemmt die wirtschaftliche Entwicklung enorm. Kredite sind teuer, der Leitzins der Zentralbank liegt bei 18 Prozent – das macht es für Unternehmen beinahe unmöglich, in ihre Zukunft zu investieren. Außerdem wird die Zentralbank, angeführt von Elvira Nabiullina, immer wieder von Unternehmern und dem Industrieverband kritisiert. Sie erläutert, dass eine Zinssenkung momentan nicht möglich ist, da die Inflation am oberen Ende des Zielkorridors schwebt. Das ist ein Teufelskreis: Hohe Zinsen führen zu weniger Investitionen, was die Wirtschaft weiter schwächt.

Die Realität der Kriegswirtschaft

Seit 2022 hat sich die gesamte russische Wirtschaft auf eine Kriegswirtschaft umgestellt. Zu Beginn des Konflikts konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar von Staatsaufträgen im Rüstungssektor profitieren, doch dieses Modell hat sich mittlerweile überholt. Die Front zieht Arbeitskräfte aus der zivilen Wirtschaft ab, was sich in der ohnehin schon angespannten Lage noch weiter bemerkbar macht. Laut dem Volkswirt Dmitri Nekrassow ist die Wirtschaftsstimmung auf einem historischen Tiefstand; nur vier Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut. Ein erschreckender Wert, oder? Wenn man bedenkt, dass die Stimmung bei den Unternehmern mit der Realität oft nicht übereinstimmt, könnte das die Unsicherheit nur noch verstärken.

Mit einem Blick auf die Zahlen wird schnell klar, dass die Herausforderung groß ist. Der Leitzins wurde zwar von 18 auf 17 Prozent gesenkt, doch das ist weit entfernt von den 16 Prozent, die viele Ökonomen erwartet hatten. Das zeigt, dass die Zentralbank ihre geldpolitischen Zügel straff halten möchte, um die Inflation bis 2026 zu senken. Im August sank die Inflation auf 8,14 Prozent – immer noch weit über der Zielmarke von 4 Prozent. Unternehmen klagen über hohe Kosten für Kredite, und die Kreditaufnahme von privaten Haushalten stagniert. Das BIP-Wachstum verschlechterte sich im Juli auf 0,4 Prozent im Jahresvergleich, was die ohnehin trüben Aussichten noch düsterer erscheinen lässt.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Zukunftsaussichten sind nicht gerade berauschend. Das Finanzministerium hat die Wachstumsprognose für 2025 von 2,5 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt. Viele Analysten rechnen sogar mit einem noch geringeren Wachstum. Die Unternehmen außerhalb der Rüstungsindustrie kämpfen mit Fachkräftemangel und hohen Löhnen, wobei die höheren Personalkosten häufig an die Kunden weitergegeben werden. Ein weiterer Punkt, der die Situation zusätzlich kompliziert: Der Rubel hat an Wert verloren, und die wirtschaftliche Schwäche ist offensichtlich. Sberbank-Chef warnt sogar vor einer möglichen Rezession, sollte es nicht zu drastischen Zinssenkungen kommen. Die Frage bleibt: Wie lange kann sich die russische Wirtschaft mit diesen strukturellen Mängeln über Wasser halten?

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Insgesamt bleibt die Lage angespannt. Die Herausforderungen sind enorm, und die Lösungen scheinen in weiter Ferne zu sein. Die Frage ist, ob die Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, ausreichen, um die russische Wirtschaft aus dieser tiefen Krise zu befreien. Die Zeit wird es zeigen.