Russlands Ölindustrie am Abgrund: Drohnenangriffe und Benzinmangel entfesseln die Krise
Heute ist der 21. Mai 2026, und es brodelt wieder in der russischen Ölindustrie. Am vergangenen Samstag wurde die Ölraffinerie in Sysran, Oblast Samara, erneut von ukrainischen Drohnen angegriffen. Berichte berichten von einem heftigen Brand in der Rosneft-Raffinerie, was die ohnehin schon angespannte Lage weiter verschärft. Die russischen Behörden haben als Reaktion den Luftraum über mehreren Regionen, darunter Saratov, Nischni Nowgorod, Pensa, Machatschkala und Kaluga, vorübergehend gesperrt. Das ist nicht der erste Vorfall dieser Art – auch im April wurde die Sysran-Raffinerie bereits attackiert.
Diese Raffinerie hat eine immense Bedeutung: Sie verarbeitet jährlich zwischen 7 und 8,9 Millionen Tonnen Öl und ist ein militärstrategischer Knotenpunkt für die Versorgung der russischen Streitkräfte. Doch nicht nur Sysran leidet. Aktuelle Berichte zeigen, dass alle großen Ölraffinerien in Zentralrussland entweder ihre Produktion komplett eingestellt oder erheblich reduziert haben. Diese Raffinerien sind für 30 Prozent der russischen Benzinproduktion und 25 Prozent der Dieselproduktion verantwortlich. Ein alarmierendes Bild, das sich da abzeichnet.
Die Schattenseiten der Energiekrise
Die Situation wird nicht einfacher. Der Status der Raffinerien am 21. Mai ist besorgniserregend: In Kirischi wurde die Produktion seit dem 5. Mai eingestellt, in Kstovo/Nischni Nowgorod gab es mindestens zwei Angriffe (am 18. und 20. Mai), und in Rjasan wurde die Produktion gedrosselt. Auch in Jaroslawl und der Ölraffinerie in Moskau sind die Auswirkungen der Angriffe deutlich spürbar.
Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard äußerte sich in der New York Times und stellte klar, dass Russlands Wirtschaft fragiler ist als offiziell angegeben. Studien zeigen, dass die russische Wirtschaft von 2020 bis 2024 um etwa 8 Prozent geschrumpft sein könnte, während die offiziellen Zahlen ein Wachstum von 13 Prozent angeben. Die Inflation in Russland lag 2024 bei rund 10 Prozent, der Leitzins wurde auf 21 Prozent erhöht – ein klares Zeichen für eine höhere tatsächliche Inflation.
Benzinmangel und Warteschlangen
Die Auswirkungen dieser Angriffe sind im Alltag der Russen spürbar. An den Tankstellen bilden sich lange Schlangen, Autofahrer müssen bis zu zwei Stunden warten, um Benzin zu bekommen. In einigen Regionen ist der Benzinkauf auf 20 Liter pro Person beschränkt. Das zeigt, wie ernst die Lage ist. Laut dem Ökonomen Wladislaw Inosemzew haben die Angriffe bis zu 20 Prozent der Produktionskapazitäten der Ölverarbeitung lahmgelegt. In den letzten zwei Monaten haben bereits 360 Tankstellen in Russland den Benzinverkauf eingestellt, auf der Krim ist es sogar jede zweite Tankstelle.
Der Kreml versucht, den Eindruck zu erwecken, dass alles in Ordnung ist, während die Realität ganz anders aussieht. Die Russische Energiewoche wird von Putin genutzt, um die Stabilität der russischen Energiewirtschaft zu betonen. Vor etwa 8.000 Teilnehmern spricht er von der Stärke Russlands in der globalen Energiewirtschaft. Doch der Schein trügt. Trotz aller Bemühungen, die Situation zu stabilisieren, ist die Benzinknappheit ein Problem, das noch Monate andauern könnte. Die Reparatur der beschädigten Raffinerien hinkt hinterher, und die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs setzen Präsident Wladimir Putin weiter zu.
Die wirtschaftliche Schwächung Russlands schreitet voran. Die Gesamtschäden durch internationale Sanktionen seit Februar 2022 werden auf mindestens 450 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Januar 2026 lagen die Energieerlöse Russlands um 50 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Kiew plant, weiterhin Raffinerien, Pumpstationen und Exporthäfen der russischen Ölindustrie anzugreifen, was die Lage weiter verschärfen könnte.
Was bleibt, ist ein Bild von einer angeschlagenen Wirtschaft, in der die Menschen die Auswirkungen der Krise direkt spüren. Die Realität an den Tankstellen spricht Bände – das Land steht vor einer Herausforderung, die nicht so schnell überwunden werden kann.
