Ostdeutschland zwischen Chancen und Herausforderungen: Auf dem Weg zur wirtschaftlichen Renaissance?
Die ostdeutsche Wirtschaft steht vor einem spannenden, aber nicht minder herausfordernden Kapitel. Aktuelle Einschätzungen des Dresdner ifo-Instituts warnen, dass der Osten Deutschlands möglicherweise den Anschluss verlieren könnte. Ein düsteres Bild? Vielleicht. IWH-Präsident Reint Gropp schiebt dem allerdings einen Riegel vor und hebt hervor, dass die ostdeutsche Wirtschaft in Krisenzeiten erstaunlich robust ist. Das klingt schon mal besser, oder?
Ein Knackpunkt, den Gropp anspricht, ist der Arbeitskräftemangel. Eigentlich könnte das auch eine Chance sein – steigende Löhne, mehr Wettbewerb um Fachkräfte. Doch gleichzeitig fordert er, dass der Eindruck von Ausländerfeindlichkeit vermieden werden muss. Schließlich ist der Osten auf Zuwanderung angewiesen, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Eine klare politische Position für Zuwanderung und Integration ist also gefragt. Die Frage bleibt, wie schnell und effektiv die Politik hier reagiert.
Investitionen und deren Fehlen
Das ifo-Institut nennt zudem zu geringe Investitionen, Fachkräftemangel und die alternde Bevölkerung als Hauptgründe für die Sorgen um die ostdeutsche Wirtschaft. Oliver Holtemöller vom IWH fordert mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung. Schließlich sind diese die Triebfeder für langfristiges Wachstum. Ein Blick auf die Zahlen macht deutlich: Zwischen 2019 und 2023 erreichten private Investitionen je Einwohner im Osten etwa 75% des Westniveaus. Abzüglich Wohnungsbau und öffentlicher Infrastruktur sind es sogar nur 66%. Das ist nicht gerade berauschend.
Die Ursachen sind vielfältig. Geringe Unternehmensgrößen und weniger Gründungen im Osten sorgen für tiefere Taschen. Und wenn die Forschungsausgaben niedrig sind, bleibt auch die Innovationskraft auf der Strecke. So bleibt der Abstand zwischen Ostdeutschland und dem Rest der Republik gefährlich groß. Der Median-Nettovermögen von ostdeutschen Haushalten lag 2023 bei 35.900 Euro – das ist ein echter Schock im Vergleich zu den 143.200 Euro im Westen.
Die Herausforderungen des demografischen Wandels
Der demografische Wandel stellt eine weitere Herausforderung dar. Bis 2035 könnte die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland um 7% sinken. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sieht es noch düsterer aus. Wer denkt da nicht an die Abwanderung gut ausgebildeter, junger Menschen? Das ist ein echtes Risiko für die wirtschaftliche Zukunft der Region. Joachim Ragnitz, stellvertretender Niederlassungsleiter des ifo, warnt eindringlich vor der Notwendigkeit, gegensteuern zu müssen.
Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF), das kürzlich in Bad Saarow stattfand, setzt sich genau mit diesen Themen auseinander. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke äußerte Bedenken über die mögliche Regierungsverantwortung der AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Und während Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag beim OWF erwartet wird, bleibt die Frage: Wie wird die Bundesregierung auf die Herausforderungen reagieren?
Ein Blick in die Zukunft
Die Empfehlungen im Wettbewerbsreport sind klar: Abschreibungsregeln und steuerliche Anreize für Unternehmen verbessern, die Fachkräftebasis durch Zuwanderung ausbauen, Hochschulabsolventen stärker an regionale Unternehmen binden und die Förderung von Forschung und Entwicklung ausweiten. Auch die Ansiedlung forschungsintensiver Großunternehmen sollte unterstützt werden. Und wie steht’s mit dem Zugang zu Wagniskapital? Das könnte die Gründungsdynamik enorm steigern.
Wenn man darüber nachdenkt, könnte man fast von „Zukunftsregionen“ sprechen, anstatt von einem blassen Aufholprozess. Ostdeutschland hat das Potenzial für neue Technologien und erneuerbare Energien. Aber dafür muss das Vertrauen in die Region gestärkt werden. Das Wirtschaftsforum in Bad Saarow hat gezeigt, dass es einen Dialog braucht, um die Weichen für eine positive Entwicklung zu stellen. Die kommenden Monate und Jahre werden entscheidend sein, um die Herausforderungen zu meistern und die Chancen zu nutzen.
