Der neue Deal zwischen den USA und dem Iran sorgt für frischen Wind auf den Energiemärkten und könnte der deutschen Wirtschaft neue Perspektiven eröffnen. In der Vergangenheit hat Deutschland durch die Sanktionen gegen den Iran schon einige Dämpfer verkraften müssen, doch nun, da die ersten Schritte zur Aufhebung dieser Sanktionen eingeleitet werden, zeigt sich ein Hoffnungsschimmer. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 um 0,8 Prozent wachsen könnte – und das sind immerhin 0,2 Prozentpunkte mehr als in den düsteren Krisenszenarien, die wir noch im Frühling diskutiert haben.

Die wirtschaftliche Erholung könnte sich sogar noch deutlicher zeigen, falls die Energiepreise rasch fallen. Immerhin hängt die Entwicklung im kommenden Jahr stark vom Ölpreis ab, der aktuell bei unter 79 Dollar pro Barrel liegt. Doch es gibt auch Schattenseiten: Das vorläufige Kriegsende hat nicht das beste denkbare Szenario gebracht. Beobachter hatten auf einen Regimewechsel im Iran gehofft, der der deutschen Wirtschaft große Chancen geboten hätte. Gabriel Felbermayr, ein bekannter Wirtschaftsexperte, prognostizierte ein Wachstum von 0,5 Prozent bei einem solchen Szenario. Stattdessen zeigt sich, dass das Ende der Sanktionen ohne Regimewechsel vor allem dem Iran und seinen Verbündeten zugutekommt.

Die Auswirkungen des Ölpreises

Die Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser ist skeptisch und rechnet nicht mit nennenswerten Impulsen durch den Iran-Handel. Schließlich war das Geschäft mit dem Iran schon vor den Sanktionen zu klein, um signifikante Wachstumszahlen zu erzielen. Der größte Effekt für Deutschland kommt wahrscheinlich über die Energiepreise und die Lieferketten. Aktuell gibt es zwar eine Entspannung bei den Energiepreisen, doch die Probleme in den Lieferketten sind weiterhin ein großes Thema. Die Vereinbarung zwischen Iran und den USA sieht vor, dass der Schiffsverkehr innerhalb von maximal 30 Tagen wiederhergestellt wird und der endgültige Vertrag innerhalb von 60 Tagen ausgehandelt werden soll.

Was uns alle brennend interessiert: Wie wird sich der Ölpreis entwickeln? Im Moment deuten die Marktentwicklungen auf einen schnelleren Rückgang des Ölpreises hin. Ein solcher Rückgang könnte die Inflationsrate senken und dazu führen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keine weiteren Zinserhöhungen vornehmen muss. Das wäre für viele von uns eine Erleichterung. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das Ifo-Institut auch mit einem dauerhaft erhöhten Ölpreis rechnet, der erst Ende 2027 unter 80 Dollar sinken könnte.

Globale Risiken und Unsicherheiten

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran auch globalen Wirtschaftsschock auslösen könnte, wenn er nicht in den nächsten Wochen beendet wird. Ökonomen warnen vor steigenden Energiepreisen, einer schwächeren Konjunktur und neuen Inflationsrisiken, falls sich die militärische Eskalation verlängert. Der Konflikt hat bereits am 28. Februar seinen Anfang genommen, als US-amerikanisch-israelische Angriffe auf iranische Ziele stattfanden, die fatale Folgen hatten. Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie US-Militärstützpunkte in der Region.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Ölpreise sind seit Beginn der Auseinandersetzungen um etwa 30 Prozent gestiegen, und das lässt uns nicht kalt. So erreichte der Preis für ein Barrel Brent am 4. März kurzzeitig etwa 85 Dollar. Gaspreise in Europa sind ebenfalls gestiegen – um rund 50 Prozent – und das spiegelt klar den geopolitischen Risikoaufschlag wider, auch wenn es bisher keine konkreten Lieferausfälle gab. Die Straße von Hormus bleibt ein kritischer Punkt für die Energieexporte; dort laufen etwa 30 Prozent des weltweiten Rohöltransports.

Mit den hohen Ölreserven, die viele Staaten angehäuft haben, könnte der Preisanstieg vielleicht gebremst werden. Doch die europäischen Gasspeicher sind nur zu etwa 30 Prozent gefüllt, was die Märkte anfälliger für geopolitische Spannungen macht. Iran produziert über drei Millionen Barrel Öl pro Tag und exportiert rund zwei Millionen Barrel, hauptsächlich nach China. Die Opec+-Staaten haben begrenzte Reservekapazitäten von etwa vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag. Die Dauer des Konflikts wird entscheidend für die wirtschaftlichen Folgen sein. Ein dauerhafter Anstieg des Ölpreises über 100 Dollar pro Barrel könnte die globale Inflation um etwa 0,5 Prozentpunkte erhöhen und das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte verringern. Deutschland könnte besonders betroffen sein, da die exportorientierte Industrie auf stabile Energiepreise und funktionierende Handelsrouten angewiesen ist.