Materialengpässe in der deutschen Industrie: Der Iran-Krieg und seine Folgen
Die deutsche Industrie steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Materialengpässe, die sich wie ein Schatten über die Betriebe legen, nehmen immer mehr zu. Im Juni 2023 berichteten 17,2 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Vorprodukten. Ein Anstieg im Vergleich zu Mai, wo es noch 15,9 Prozent waren. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut bringt es auf den Punkt: Der Iran-Krieg hat die internationalen Lieferketten stark belastet. Auch wenn die Straße von Hormus mittlerweile wieder passierbar ist, die Nachwirkungen sind spürbar und die vollständige Normalisierung wird als langwierig eingeschätzt.
Besonders hart trifft es die chemische Industrie. Hier berichten beeindruckende 29,5 Prozent der Unternehmen von Materialengpässen. Auch die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen sowie optischen Erzeugnissen müssen sich mit einem Anstieg von 25,5 auf 34,2 Prozent an betroffenen Firmen auseinandersetzen. Im Maschinenbau hingegen bleibt die Situation stabil mit 15,6 Prozent, während die Automobilindustrie von 10,0 auf 15,7 Prozent klettert. Irgendwie ironisch, dass ausgerechnet die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren ihren Anteil an Engpässen von 23,7 auf 11,3 Prozent senken konnten. Interessant, oder? Konsumnahen Branchen wie der Getränkeindustrie bleiben bislang von solchen Engpässen verschont.
Der Iran-Krieg als Katalysator
Ein Blick auf die Ursachen zeigt: Der Iran-Krieg hat die Lage maßgeblich beeinflusst. Seit Jahresbeginn hat sich der Anteil der deutschen Industrieunternehmen mit Materialknappheit mehr als verdoppelt. Im Januar lag dieser Wert bei weniger als 7 Prozent, im April schon bei rund 14 Prozent. Es ist bemerkenswert, wie schnell sich diese Situation entwickeln kann. Der Konflikt hat nicht nur die Lieferketten unter Druck gesetzt, sondern auch die Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus spielt eine zentrale Rolle. Immerhin verläuft über diese Wasserstraße ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports.
Besonders betroffen sind die Branchen, die auf erdölbasierte und energieintensive Vorprodukte angewiesen sind. Die chemische Industrie, die stark von stabilen Rohstofflieferungen abhängig ist, steht hier ganz oben auf der Liste. Im April 2026 meldeten 31,1 Prozent der Unternehmen in dieser Branche Engpässe. Aber auch die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren sind betroffen: 22,9 Prozent klagen über Schwierigkeiten. Der Maschinenbau mit 14,8 Prozent, elektrische Ausrüstungen mit 17,2 und die Automobilindustrie sind ebenfalls nicht verschont geblieben.
Ein sich verschärfendes Problem
Die Gründe für diese Materialknappheit sind vielfältig. Belastete Lieferketten, der andauernde Konflikt im Nahen Osten und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sind allesamt Faktoren, die sich negativ auswirken. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots wird über diese Straße abgewickelt. Störungen hier können sich schnell auf petrochemische Vorprodukte und die gesamte industrielle Wertschöpfungskette auswirken. Und das ist nicht nur ein Punkt auf der Statistik – das betrifft letztlich alle, vom kleinen Betrieb bis hin zu den großen Konzernen.
Wie es weitergeht? Das bleibt ungewiss. Die Beschaffungsprobleme ziehen immer breitere Teile der Industrie in ihren Bann. Die Frage, die sich viele stellen, ist, ob sich die Situation bald entspannt oder ob wir noch länger mit diesen Engpässen leben müssen. Der Blick auf die kommenden Monate wird zeigen, wie resilient die deutsche Industrie tatsächlich ist und wie sie mit diesen Herausforderungen umgeht.
