Kriegsbrand in der Raffinerie: Wie die Ukraine die russische Ölindustrie ins Visier nimmt
Heute ist der 11.06.2026 und die Lage in der Ukraine und Russland bleibt angespannt. Kiew hat in den letzten Tagen die Intensität seiner Angriffe mit Langstreckendrohnen auf russische Ziele erhöht. Besonders die Ölindustrie steht im Fadenkreuz. Am 10. Juni wurden mehrere Angriffe auf die Kujbyschew-Ölraffinerie in Nowokuibyschewsk, etwa 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, verübt. Diese Raffinerie gehört zu den größten in der Region und hat eine Jahreskapazität von rund 7 Millionen Tonnen Rohöl. Videos, die aus der Region stammen, zeigen beeindruckende Brandherde auf dem Werksgelände. Die Behörden in Samara riefen die Bevölkerung dazu auf, Schutz zu suchen, was die besorgniserregende Situation unterstreicht.
Der Gouverneur der Oblast Samara meldete zwar keine offiziellen Schäden, doch die Raketenwarnung spricht für sich. Das war bereits der dritte bestätigte Angriff auf diese Raffinerie innerhalb von nur zehn Monaten – die vorherigen fanden im August 2025 und Januar 2026 statt. Neben der Raffinerie wurden auch zwei Pumpstationen in der Oblast Wladimir angegriffen, die zur Ölindustrie gehören, sowie ein Öldepot im Gebiet Rostow. Ein weiterer Angriff in Tscheboksary, einem zentralen Standort für die russische Rüstungsindustrie, führte zu drei Verletzten. In Omsk, wo die größte russische Ölraffinerie steht, wurde ein Drohnenalarm ausgelöst, jedoch blieb ein Angriff aus. Das russische Verteidigungsministerium vermeldete, 326 feindliche Drohnen abgefangen zu haben.
Auswirkungen auf die russische Ölindustrie
Die Angriffe scheinen Wirkung zu zeigen. Nahezu alle großen Ölraffinerien in Zentralrussland haben aufgrund dieser ukrainischen Offensive ihren Betrieb teilweise oder vollständig eingestellt. Raffinerien in Kirischi, Moskau, Nischni Nowgorod, Rjasan und Jaroslawl sind betroffen; die Kirishi-Raffinerie steht seit dem 5. Mai still. Die ausgefallenen Raffinerien repräsentieren eine Gesamtproduktion von über 83 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr, was etwa einem Viertel der gesamten russischen Raffineriekapazität entspricht und die Benzin- sowie Dieselproduktion erheblich beeinträchtigt. Alarmierend ist, dass über 30% des Benzins und 25% des Diesels aus diesen Raffinerien stammen.
Um die inländische Versorgung zu sichern, verhängte Präsident Putin ein Benzin-Exportverbot von April bis Ende Juli 2026. Seit Kriegsbeginn 2022 wurden 24 von 33 großen Raffinerien angegriffen, und die direkten Schäden an der Öl- und Gasinfrastruktur belaufen sich auf über 100 Milliarden Rubel, das sind ungefähr 1,2 Milliarden Euro. Die Ukraine hat die Zahl ihrer Angriffe auf russische Raffinerien seit Anfang 2026 verdoppelt. Das Ziel ist klar: die Treibstoffversorgung der russischen Armee zu stören und die Öleinnahmen Russlands zu verringern. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Einnahmen der russischen Kraftstoffproduzenten gesunken sind, da ein größerer Teil in Reparaturen investiert werden muss.
Die militärische Dimension
Ein weiterer interessanter Aspekt sind die militärischen Konsequenzen dieser Angriffe. Die ukrainische Armee setzt Langstreckendrohnen ein, die umgebaute Sportflugzeuge sind und in der Lage, Hunderte Kilo Sprengstoff über Distanzen von über 1000 Kilometern zu transportieren. Experten schätzen, dass für einen echten, nachhaltigen Effekt 30 bis 50 Prozent der russischen Raffinerien zerstört werden müssten. Dies könnte den Kreml in eine echte Bedrängnis bringen, denn Öl- und Gaseinnahmen machen rund ein Viertel der russischen Staatseinnahmen aus und sind für die Finanzierung des Ukraine-Kriegs entscheidend.
Die Besorgnis über den Schutz der Raffinerien nimmt zu, und russische Militärblogger zeigen Anzeichen von „Panik“. Sie kritisieren die begrenzte Effektivität moderner Flugabwehrsysteme wie dem Typ „Pantsir“, die sich gegen die ukrainischen Drohnenangriffe als weniger wirksam erweisen. Die Experten sind sich einig: Die Situation ist angespannt und könnte sich weiter zuspitzen. Die Angriffe auf Pumpstationen in der Region St. Petersburg führten sogar dazu, dass tagelang kein Schiff den Hafen von Ust-Luga verlassen konnte.
Insgesamt ist die Situation in der russischen Ölindustrie eine brisante und komplexe Angelegenheit, die weitreichende Folgen sowohl für Russland als auch für die Ukraine haben könnte. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich diese Dynamik weiterentwickelt.
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