Kampf um Energie: Wie die Ukraine Russlands Wirtschaft unter Druck setzt
Heute ist der 26.06.2026. Die Ukraine unternimmt derzeit gezielte Angriffe auf Russlands Wirtschaft, insbesondere auf kritische Infrastruktur wie Raffinerien und Chemieanlagen. Ein besonders auffälliger Angriff fand am 26. Juni in der Region Tula, südlich von Moskau, statt. Dort wurde das Chemiewerk Asot in Nowomoskowsk attackiert, eines der größten Werke für Ammoniak und Stickstoffdünger in Russland. Der Gouverneur von Tula, Dmitri Miljajew, bestätigte die Angriffe und berichtete von erheblichen Schäden an Stromleitungen, die die Stadt in Dunkelheit hüllten. Das NASA-Satellitensystem FIRMS registrierte einen Brand im staatlichen Bezirkskraftwerk Nowomoskowsk, was die prekäre Lage zusätzlich unterstreicht.
Wie das russische Verteidigungsministerium angibt, konnten insgesamt 660 ukrainische Drohnen über verschiedenen russischen Gebieten, inklusive der Halbinsel Krim, abgewehrt werden. Doch die Angriffe, die Teil einer umfassenden ukrainischen Strategie gegen die Energiesektoren Russlands sind, zeigen Wirkung: Acht der zehn größten Raffinerien des Landes wurden bereits angegriffen. Die Situation ist alarmierend, denn die Zahl der angegriffenen Anlagen hat sich seit Jahresbeginn 2026 verdoppelt.
Die Auswirkungen auf die Ölindustrie
Die Moskauer Raffinerie Kapotnja musste ihren Betrieb nach einem Angriff Mitte Juni einstellen. Auch die Lukoil-Raffinerie in Kstowo kam am 24. Juni zum Stillstand, und die Raffinerie Kirischi ist seit dem 5. Mai völlig außer Betrieb. Nahezu alle großen Raffinerien in Zentralrussland haben ihre Produktion entweder stark gedrosselt oder ganz eingestellt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die russische Ölverarbeitung Anfang Juni auf unter vier Millionen Barrel pro Tag sank – der niedrigste Wert seit 21 Jahren.
Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für den Kraftstoffmarkt. In 25 russischen Regionen, darunter auch Moskau und St. Petersburg, wurden Benzin und Diesel rationiert. Auf der Krim erhalten die Menschen Kraftstoff nur noch gegen digitale Bezugsscheine – ein Zustand, der die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft. Autofahrer in Rjasan warten teils stundenlang auf Benzin, was nicht nur zu Frustration, sondern auch zu Streitigkeiten führt. Die offizielle Begründung für die Beschränkungen: Verhinderung eines „künstlichen Mangels“.
Maßnahmen der Regierung und Ausblicke
Die russische Regierung denkt bereits über Maßnahmen zur Stabilisierung des Kraftstoffmarktes nach. Dazu gehören mögliche Diesel-Exportverbote und steuerliche Entlastungen für die Ölunternehmen. Vize-Regierungschef Alexander Nowak wies darauf hin, dass viele Unternehmen Wartungsarbeiten verschieben und auf Reserven zurückgreifen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Dennoch bleibt die Benzinproduktion in Russland etwa 25 Prozent unter dem Durchschnitt vom Juni 2025.
Die Rohölexporte auf dem Seeweg sanken in der ersten Junihälfte um etwa 15 Prozent im Vergleich zum Mai. Wladimir Putin gestand beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein, dass die wirtschaftliche Dynamik gebremst sei. In diesem Kontext schrumpfte Russlands Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent. Auch die liquiden Mittel im nationalen Wohlstandsfonds sind auf rund 40 Milliarden Euro geschrumpft, was die angespannte Lage zusätzlich verdeutlicht.
Die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur zielen darauf ab, die Einnahmen Russlands zu schmälern und Druck auszuüben, um eine Nichtangriffsvereinbarung zu erzwingen. Russland hingegen versucht, die Versorgung trotz der Angriffe aufrechtzuerhalten, doch das Gleichgewicht der Bedrohung wird immer fragiler. Inmitten all dieser Turbulenzen bleibt die ukrainische Energieinfrastruktur jedoch nicht unverwundbar.
