Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Beschäftigtenzahl in der Industrie Deutschlands befindet sich auf einem dramatischen Tiefpunkt. Aktuell sind nur noch 6,6 Millionen Menschen in diesem Sektor tätig. Im Vergleich zu 2014, als noch 22 Prozent der Erwerbstätigen in der Industrie arbeiteten, sind wir jetzt bei 19 Prozent angelangt. Das sind nicht einfach nur Zahlen auf einem Blatt – das sind Arbeitsplätze, die wegbleiben, und das hat Auswirkungen auf unsere gesamte Wirtschaft. Die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie in Auftrag gegeben, die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellt wurde, und das Ergebnis könnte alarmierender nicht sein.

Wie kommt es zu diesem Rückgang? Entlassungen sind nicht der Grund, vielmehr zögert die Industrie, offene Stellen zu besetzen. Bis 2019 war die Situation noch relativ stabil – Neueinstellungen und beendete Beschäftigungsverhältnisse hielten sich die Waage. Doch seit 2019 sieht die Realität ganz anders aus. Die Neueinstellungen sinken stark, während die Anzahl der beendeten Beschäftigungsverhältnisse langsamer zurückgeht. Luisa Kunze, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung, warnt vor den Konsequenzen dieser Entwicklung. Sie betont, dass wir dringend die Arbeitsnachfrage in der Industrie wiederbeleben müssen, um mehr Dynamik am Arbeitsmarkt zu schaffen.

Attraktivität der Industrie im Sinkflug

Das Bild wird noch düsterer, wenn man sich die Löhne anschaut. Der Lohnvorteil bei Einstiegsgehältern ist von 20,4 Prozent im Jahr 2014 auf 10,4 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Für Arbeitnehmer ist die Industrie also weniger attraktiv geworden. Selbst der Lohnvorsprung für langfristig Beschäftigte hat sich verringert – von 16,5 Prozent auf 8,7 Prozent. Das Risiko, seinen Job in der Industrie zu verlieren, ist zwar gesunken, aber die Frage bleibt: Was bleibt den Menschen, die in diesem Sektor arbeiten wollen? Die Unsicherheit ist spürbar.

Die Studie wurde kurz vor dem Tag der Industrie, der am 22. und 23. Juni in Berlin stattfindet, veröffentlicht. Bundeskanzler Friedrich Merz wird dort erwartet. Er hat bereits betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft oberstes Ziel der Regierung ist. Der Bundesverband der Deutschen Industrie berichtet zudem von einem Druck auf „Made in Germany“ und den hohen Kosten, die am Standort Deutschland anfallen. Viele Unternehmen denken darüber nach, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Ein besorgniserregender Trend, der uns alle betrifft.

Der Strukturwandel der Industrie

Ein weiterer Aspekt, den wir nicht außer Acht lassen dürfen, ist der notwendige Strukturwandel in der Industrie. Konsumentenpräferenzen, technologische Disruption und die Dekarbonisierung erfordern eine Anpassung, die dringend nötig ist. Laut der Bertelsmann Stiftung stammen rund 76 Prozent der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes aus Branchen mit wachsenden Produktgruppen. Dennoch zeigt die Automobilindustrie besorgniserregende Ergebnisse, da dort schrumpfende Produktgruppen im Produktionswert überwiegen. Ein echter Weckruf!

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In der Growth-Share-Matrix haben wir interessante Einblicke: Oben rechts finden sich Branchen mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung und vielen zukunftsrelevanten Produkten – wie Maschinenbau und elektrische Ausrüstungen. Oben links sind bedeutende Branchen mit wenigen zukunftsrelevanten Produkten, genau dort findet sich die Automobilindustrie. Unten links sind Sektoren mit niedriger Bedeutung und wenig zukunftsrelevanten Produkten. Es ist klar: Die Industrie muss sich neu erfinden.

Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Herausforderungen sind groß, aber vielleicht auch die Chance, etwas zu verändern und den Weg in eine neue Ära der Industrie zu ebnen. Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass es an der Zeit ist, aktiv zu werden, bevor wir uns in der Vergangenheit verlieren.