Herbert Grönemeyer, der unverkennbare Klang der deutschen Musik, hat sich mal wieder ins Zeug gelegt – und das aus einem ganz besonderen Grund. Inmitten seiner Auszeit in Schweden hat er die Zeit genutzt, um für eine wichtigere Sache zu kämpfen: eine fairere Vergütung für Künstler bei Streamingdiensten. Ja, genau, das Thema, das die Musikszene so sehr beschäftigt. Grönemeyer ist das Gesicht einer Kampagne, die von vielen Musikern unterstützt wird und die darauf abzielt, dass Künstler von Plattformen wie Spotify, Apple Music und Deezer endlich das Geld bekommen, das sie verdienen. Die Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Einnahmen ist nicht nur ein Lippenbekenntnis – es ist ein Aufruf zur Veränderung.

Die Situation ist nämlich alles andere als rosig. Grönemeyer selbst hat das Vergütungsmodell von Streaming-Plattformen als „das größte Idiotensystem im Kapitalismus“ bezeichnet. Und damit trifft er einen Nerv. Musikschaffende beklagen sich seit Jahren über die unzureichende Vergütung, während die Streaming-Riesen wie Pilze aus dem Boden schießen. Das Pro-Rata-System, das die Einnahmen aus Premium-Abos und Anzeigen in einen großen Topf wirft, benachteiligt vor allem kleinere Künstler. Unter 1% der Künstler erhalten satte 90% der Einnahmen – da bleibt für die vielen talentierten Musiker nicht viel übrig.

Die Zahlen sprechen für sich

Die Realität ist deutlich: Majorlabels reiben sich die Hände und kassieren über 42% der Streaming-Erlöse, während die Plattformen selbst knapp 30% einstreichen. Die Kreativen, die das Ganze erst ermöglichen, bekommen nur rund 22% ab. Das ist, gelinde gesagt, ein unhaltbarer Zustand. Anbieter wie Qobuz und Tidal zahlen zwar höhere Beträge pro Stream, doch die Mehrheit der Hörer bleibt bei Spotify und Co. hängen. Spotify hat zwar signalisiert, dass sie bereit sind, ins Gespräch zu kommen, sieht jedoch die Labels als Blockierer. Eine verfahrene Situation, die viele Künstler in die Knie zwingt.

Und die Stimmen werden lauter. Dota, eine der bekannten Stimmen in der Branche, warnt, dass ein Boykott von Spotify für viele Künstler finanziellen Suizid bedeuten könnte. Die Realität ist, dass viele Hörer passive Konsumenten sind, was die Reichweite der Künstler stark beeinflusst. Vorschläge zur Verbesserung der Situation sind vielfältig, darunter ein nutzerzentriertes Modell, bei dem Abo-Gebühren direkt an die gehörten Künstler fließen. Aber wie realistisch ist das in einem Markt, der von großen Plattformen dominiert wird?

Politik mischt sich ein

Inmitten dieser Diskussionen hat auch die Politik ein Ohr für die Probleme der Musikschaffenden. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant Änderungen und hat sogar drei runde Tische mit Akteuren der Musikbranche einberufen. Die Debatte um die gerechte Erlösverteilung wird immer lauter, und das ist gut so. Eine Studie, die im Februar 2025 veröffentlicht werden soll, wird sich mit dem Thema Vergütung im deutschen Markt für Musikstreaming beschäftigen. Das Forschungsnetzwerk Digitale Kultur, geleitet von renommierten Professoren, untersucht nicht nur die Vergütung, sondern auch Transparenz und Marktmacht im Streaming-Bereich.

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Die Ergebnisse der Studie könnten bahnbrechend sein: Mehr Transparenz in der Verwertungskette, eine faire Verteilung der Erlöse und eine Stärkung der Musikschaffenden, damit sie endlich eine gerechtere Marktmacht erhalten können. Das ist es, was die Branche braucht – und vielleicht wird die Stimme von Herbert Grönemeyer und seiner Kampagne dafür sorgen, dass sich in Zukunft tatsächlich etwas bewegt. Eines ist sicher: Die Diskussion um Streaming und Vergütung wird uns noch lange begleiten.