Drohnenangriffe und Benzinknappheit: Russlands Ölindustrie am Abgrund
Heute ist der 19.06.2026. Ein weiteres Kapitel im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat sich auf dramatische Weise entfaltet. Am 18. Juni wurde die Moskauer Ölraffinerie im Stadtteil Kapotnja erneut zum Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Wer hätte gedacht, dass wir so schnell an den Punkt kommen würden, an dem diese Angriffe nicht mehr nur Schlagzeilen, sondern bittere Realität sind? Innerhalb von nur drei Tagen war dies der zweite Übergriff auf die Raffinerie, die etwa 40% des Moskauer Kraftstoffmarkts versorgt. Es brannte lichterloh, und die Flammen waren von weiten Teilen Moskaus sichtbar. Ein Bild des Chaos, das sich an diesem Nachmittag abspielte.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einem „massiven“ Drohnenangriff, bei dem 52 Drohnen über die Stadt hinwegflogen. Verwirrte Passanten und Anwohner konnten die eindrucksvollen Videoaufnahmen von den Explosionen und Feuern an mehreren Stellen der Raffinerie kaum fassen. Die Luftverteidigung hatte wohl Schwierigkeiten, da einige Drohnen durch die Abwehrmaßnahmen durchbrachen und Schäden nicht nur an der Raffinerie, sondern auch an einem Einkaufszentrum und einem Wohnhaus verursachten. Die Lage ist angespannt, und der Gouverneur der Region Moskau, Andrej Worobjow, meldete, dass auch andere Einrichtungen betroffen seien. Einmal mehr wird deutlich: Der Krieg hat längst die Zivilbevölkerung erreicht.
Ein Angriff mit Folgen
Aber das ist noch nicht alles. Neben dem Angriff auf die Raffinerie in Kapotnja wurde auch ein Öldepot in Gukovo angegriffen, was zu einem Toten und zwei Verletzten führte. Der Blick auf die wirtschaftliche Lage Russlands ist ernüchternd. Laut europäischen Geheimdiensten befindet sich die russische Wirtschaft in einer „explosiven Lage“. Moskau rechnet mit mindestens zwei Jahren Stagnation und hat die Wachstumsprognose auf mickrige 0,4% gesenkt. Ein Zeichen dafür, wie sehr die Kriegswirtschaft an den Nerven zehrt.
Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur sind Teil einer intensiveren ukrainischen Langstreckenkampagne. Man könnte sagen, die Ukraine hat hier eine neue Taktik entwickelt, um die Treibstoffversorgung der russischen Truppen zu erschweren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff und nannte ihn eine Art „Langstrecken-Sanktionen“ gegen die russische Ölindustrie. Währenddessen verstärkt Russland seine Luftverteidigung in Moskau, doch die Erfolge sind bescheiden. Über 190 Drohnen wurden abgeschossen, aber das zeigt nur die Hilflosigkeit der Abwehrkräfte. Videos aus der Hauptstadt zeigen, dass die Bedrohung real ist.
Die Auswirkungen auf den Alltag
Die Folgen sind für die russische Bevölkerung spürbar. An Tankstellen bilden sich lange Schlangen, und immer mehr Verkaufsbeschränkungen werden verhängt. In einigen Regionen dürfen Autofahrer nur 20 Liter Benzin pro Person kaufen. Ja, das klingt nach einem Albtraum für jeden, der auf das Auto angewiesen ist. Die Angriffe haben die Kraftstoffproduktion in Russland stark verringert, was zu einem akuten Benzinmangel führt. Videos in den sozialen Medien zeigen brennende Raffinerien, die der Kreml lieber nicht zeigen möchte — ein Zeichen der Schwäche, das die Regierung nicht wahrhaben will.
Zudem haben 360 Tankstellen in Russland innerhalb der letzten zwei Monate den Benzinverkauf eingestellt, und auf der Krim ist es jede zweite Tankstelle. Das lässt erahnen, wie sehr die Bevölkerung unter den Auswirkungen leidet. Die Inflation und die Unsicherheit sind mittlerweile ständige Begleiter im Alltag der Russen. Wladislaw Inosemzew, ein Ökonom, schätzt, dass durch die Angriffe bis zu 20 Prozent der Produktionskapazitäten der Ölverarbeitung lahmgelegt wurden. Und die Reparaturen der beschädigten Raffinerien kommen einfach nicht schnell genug voran. Die Benzinknappheit könnte also noch Monate anhalten.
Inmitten all der Herausforderungen inszeniert sich Wladimir Putin während der Russischen Energiewoche als stabiler Führer der Energiewirtschaft. Doch die Realität sieht anders aus. Der Druck von westlichen Staaten nimmt zu, neue Sanktionen werden beschlossen, insbesondere im Öl- und Gassektor. Die USA und die G7-Staaten haben sich darauf geeinigt, Maßnahmen gegen Russlands Wirtschaft zu verschärfen. Um dem entgegenzuwirken, versucht Russland, den Binnenmarkt zu stabilisieren, indem es Benzin zu regulierten Preisen verkauft und staatliche Kompensationen erhält. Aber wird das ausreichen, um die Wogen zu glätten? Die Zukunft bleibt ungewiss.
