Versicherungsbranche im Wandel: KI und Digitalisierung als Treiber der Transformation
Es ist ein aufregendes Zeitalter für die Versicherungsbranche. Die Digitalisierung nimmt Fahrt auf und hat nun eine neue Phase erreicht. Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Spielregeln für Versicherer und das ist nicht nur eine Floskel. Eine Analyse der Berliner Agentur MAI mediaworx hat über 1.700 versicherungsbezogene Google-Keywords über vier Jahre ausgewertet. Dabei zeigt sich: Die Suchanfragen haben einen bemerkenswerten Aufstieg erlebt – von 60,1 Millionen in der Saison 2022/23 auf 72,1 Millionen in der Saison 2024/25. Danach gab es allerdings einen Rückgang um 7% auf 66,8 Millionen, was die Branche zum Nachdenken anregt.
Generische Suchanfragen ohne Markenbezug sind um 9% gesunken, während die Markensuchen um 3% abnahmen. Ein Hauptgrund dafür könnte die Einführung der Google AI Overviews sein. Diese KI antwortet auf viele Informationsfragen direkt, sodass Nutzer nicht einmal mehr auf Websites klicken müssen. Suchbegriffe wie „Krankenkassen im Vergleich“ und „Private Krankenversicherung Kosten“ haben teils dramatische Rückgänge von 24 bis 53% im Suchvolumen erfahren – das ist schon ein starkes Stück. Auf der anderen Seite blieben die Suchanfragen mit Abschluss- oder Wechselabsicht stabil oder stiegen sogar an, was darauf hindeutet, dass die Verbraucher gezielter nach Lösungen suchen.
Die Gewinner der digitalen Welle
Die betriebliche Altersvorsorge hat sich als klarer Gewinner hervorgetan: Die Suchanfragen nach diesem Thema stiegen um 25% auf 90.000 Anfragen. Auch die Krankenkassen profitierten. Mit einem Anstieg von über 1,6 Millionen Suchanfragen (einer beeindruckenden Wachstumsrate von 203%) sind sie auf dem Weg, die digitale Landschaft mitzugestalten. Auch die Familienversicherung verzeichnete einen Anstieg um 83%. Bei den Versicherungsmaklern gab es ein Suchvolumen-Plus von 64%. Gleichzeitig bleibt die Kfz-Versicherung die meistgesuchte Versicherung, auch wenn sie 13% an Suchanfragen verloren hat.
Auf der anderen Seite zeigen sich bei vielen anderen Versicherungen Rückgänge. So sank die Nachfrage nach Haftpflichtversicherungen um 12%, Hausratversicherungen um 13%, Reiserücktrittsversicherungen um 13% und Berufsunfähigkeitsversicherungen sogar um 17%. Das lässt einen etwas nachdenklich werden. Die Verbraucher hinterfragen zunehmend grundlegende Dinge, und es wird klar, dass die zukünftigen Suchanfragen sich mehr auf spezifische Problemlösungen und Abschlussmöglichkeiten konzentrieren werden.
Künstliche Intelligenz im Alltag
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile im Alltag angekommen – das spürt man nicht nur in der Versicherungsbranche. Sprachmodelle wie GPT-4 führen menschenähnliche Gespräche, während Bilderkennungssysteme präzise Krankheiten diagnostizieren. Algorithmen treffen täglich Entscheidungen, sei es bei Krediten, Versicherungen oder Jobbewerbungen. Der Fokus hat sich von „Funktioniert KI?“ zu „Verstehen wir, warum sie so entscheidet?“ verschoben. Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorn. In wenigen Jahren wird kaum ein Lebensbereich ohne KI oder maschinelles Lernen auskommen, da bin ich mir sicher.
Das Deloitte AI Institute hat sogar prognostiziert, dass KI in den nächsten zehn Jahren jährlich bis zu 12 Billionen US-Dollar erwirtschaften könnte. Das ist nicht einfach nur eine Zahl, sondern ein Indikator für das gewaltige Potenzial, das in dieser Technologie steckt. Doch die Versicherungsbranche steht vor einer Transformation – es gilt, die Chancen und Herausforderungen, die KI mit sich bringt, strategisch anzugehen. Dabei sind 94% der befragten Versicherer auf die Optimierung der betrieblichen Effizienz fokussiert, während auch die Kundenzufriedenheit und Umsatzsteigerung nicht aus den Augen verloren werden darf.
Die Herausforderungen meistern
Doch trotz all der Möglichkeiten gibt es auch Hürden. Der Mangel an qualifizierten KI-Fachkräften wird oft beklagt. Zwei Drittel der Versicherer berichten von „ausreichenden“ KI-Fähigkeiten, aber der Bedarf an Talenten ist hoch. Das führt zu Weiterbildungsinitiativen, wie Data Academies und AI Leadership Training. Um die internen Hürden zu überwinden, sind robustes Datenmanagement und effektives Änderungsmanagement notwendig. Ein gut definiertes KI-Betriebsmodell, das mit den strategischen Geschäftszielen abgestimmt ist, ist entscheidend für den Erfolg.
Die strategische Verlagerung hin zu selektivem IT-Outsourcing und Partnerschaften ist ein weiterer Schritt, den viele Versicherer gehen. Sie verwalten IT zwar intern, nutzen aber zunehmend Outsourcing für Nicht-Kernfunktionen. Partnerschaften mit Technologie-Start-ups und Beratungsunternehmen nehmen zu und helfen dabei, die notwendigen Qualifikationslücken zu schließen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Branche weiterentwickelt, während sie sich auf diese digitale Reise begibt.
