Schutz vor Wetterextremen: Ein Umdenken für die Zukunft der Elementarversicherung
Die Wetterkapriolen nehmen zu, und während wir jetzt im Juni 2026 darüber nachdenken, wie wir uns vor den Launen der Natur schützen können, wird klar: Bezahlbarer Schutz vor Starkregen und Hochwasser ist keine Selbstverständlichkeit. Die Bedingungen dafür sind stark von den individuellen Versicherungsverträgen und den Präventionsmaßnahmen abhängig. Wer in einer gefährdeten Lage wohnt, erkennt die Risiken oft erst in der hitzigsten Phase – etwa wenn der Keller voll Wasser steht. Ein Schreckensszenario, das sich nicht nur für die Betroffenen wie ein Albtraum anfühlt, sondern auch für die Versicherungswirtschaft. Denn die Schäden steigen, und damit auch die Beiträge für Elementarschutz.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat dies längst erkannt. Er warnt eindringlich vor den steigenden Schäden, wenn in hochgefährdeten Lagen weiterhin munter gebaut wird. Der Fokus liegt darauf, bekannte Risiken zu minimieren. Klimarisiken sind zwar oft versicherbar, doch entscheidend für die Zukunft ist, dass der Schutz langfristig bezahlbar bleibt. Seit 2002 verursachen Elementarschäden im Durchschnitt etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr. Ein einschneidendes Beispiel dafür ist die Flutkatastrophe im Juli 2021, die durch Tief „Bernd“ ausgelöst wurde – 206.000 versicherte Schäden und ein Gesamtschaden von 8,75 Milliarden Euro sind die bittere Bilanz.
Prävention als Schlüssel
Präventive Maßnahmen sind das A und O. Widerstandsfähigere Gebäude sind gefragt, ebenso wie Rückstausicherungen gegen Kanalwasser oder die Entsiegelung von Flächen, damit Wasser besser versickern kann. Rückhalteflächen und kommunaler Hochwasserschutz können ebenfalls entscheidend sein. Die Bauplanung sollte zudem darauf abzielen, Risikogebiete nicht weiter zu verschärfen. Dennoch sind nur rund 59 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Elementarschäden versichert. Ein alarmierender Zustand, wenn man bedenkt, dass immer mehr Menschen die Bedrohung durch Wetterextreme spüren.
Die Zustimmung zu einer Pflichtversicherung gegen Naturgefahren ist erstaunlich hoch. Laut einer Umfrage befürworten 63 % der Haushalte diese Maßnahme. Das zeigt, dass viele bereit sind, Verantwortung für zukünftige Schäden zu übernehmen, auch wenn es um finanzielle Aspekte geht. Besonders in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt die Zustimmung bei 64 %. Und bei denjenigen, die eine persönliche Bedrohung durch den Klimawandel spüren, sind es sogar 67 %.
Der Weg zur Risikostrategie
Der GDV schlägt einen integrierten Ansatz vor, der Prävention, Risikotransparenz, Versicherungsschutz und staatliche Verantwortung kombiniert. Ein Modell, das langfristige Absicherung gegen Extremrisiken fördern soll – „Elementar Re“ nennt sich dieser Ansatz. Um den Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Einschätzung ihrer Gefährdungen zu ermöglichen, bietet der GDV einen Hochwassercheck an. Dabei wird geprüft, wie hoch das Risiko durch Flusshochwasser und Starkregen tatsächlich ist.
Die Frage bleibt, ob wir wirklich bereit sind, uns auf solche Veränderungen einzulassen. Ein großer Teil der Bevölkerung, insbesondere einkommensschwächere Haushalte, spricht sich für staatliche Unterstützung aus, während einkommensstärkere Haushalte eher die Verantwortung bei den Betroffenen sehen. Ein interessantes Spannungsfeld, das nur durch ein gemeinsames Umdenken überwunden werden kann.
Fakt ist: Die Hochwasserkatastrophe von Juli 2021 hat nicht nur 180 Menschen das Leben gekostet, sondern auch Milliarden an Sachschäden verursacht. Und auch die Extremwetterereignisse des Jahres 2022 haben deutlich gemacht, dass wir uns in der Klimakrise befinden. Daher ist es nicht nur eine Frage des Geldes – es geht um eine gesunde Zukunft für alle. Die Notwendigkeit für ein Umdenken ist klar. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns gemeinsam mit einem nachhaltigen Konzept und einer Pflichtversicherung auf die nächsten Herausforderungen vorbereiten. Die Zukunft ist ungewiss, aber mit den richtigen Maßnahmen und einem starken Gemeinschaftsgeist können wir das Unvorhersehbare vielleicht doch ein Stück weit in den Griff bekommen.
