Ölpreise unter Druck: Wie geopolitische Spannungen die globale Wirtschaft auf die Probe stellen
Heute ist der 12.05.2026
Die Straße von Hormus, ein enger Schiffsweg, durch den rund 10% des weltweiten Ölhandels fließen, steht aufgrund geopolitischer Spannungen und steigender Versicherungskosten im Fadenkreuz der globalen Wirtschaft. Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt – internationale Versicherer haben die Kriegsrisiko-Deckung für Fahrten durch diese strategisch wichtige Passage ausgesetzt. Ein Szenario, das nicht nur die Reedereien, sondern auch Unternehmen weltweit vor enorme Herausforderungen stellt. So könnte aus einer regionalen Krise ein richtiges globales Lieferkettenproblem erwachsen.
Die Versicherungsprämien haben sich in den letzten Monaten mehr als verdoppelt. Wo früher 0,2% des Schiffswertes ausreichten, sind es jetzt bis zu 10%. Angenommen, Sie besitzen ein Containerschiff im Wert von 40 Millionen US-Dollar – dann können Sie mit Mehrkosten von bis zu 4 Millionen US-Dollar rechnen. Diese exorbitanten Preise werden natürlich an die Verbraucher weitergegeben. Das Resultat? Höhere Preise für alles Mögliche, von Elektronik über Maschinen- und Autoteile bis hin zu Konsumgütern. Das lässt sich nicht schönreden.
Die Auswirkungen auf die Reedereien und den Welthandel
Angesichts der Situation entscheiden viele Reeder, ob sie die Passage durch die Straße von Hormus wagen oder lieber lange Umwege in Kauf nehmen. Dies führt zu verlängerten Transportzeiten und damit zu noch höheren Kosten. Hapag-Lloyd, ein großer Player in der Branche, erhebt bereits eine War-Risk-Surcharge von bis zu 3.500 US-Dollar pro Container. Die Unsicherheiten in den internationalen Lieferketten nehmen zu, und nicht nur Unternehmen mit direkter Präsenz in der Region sind betroffen – auch die, die ganz woanders sitzen, spüren die Auswirkungen. Die Preise steigen, und die Planung wird zu einem Drahtseilakt.
Im Hintergrund brodelt der Konflikt zwischen dem Iran, den USA und Israel weiter. Militärische Eskalationen führen zu einem volatile Lage im Nahen Osten, was sich zusätzlich negativ auf die wirtschaftliche Stabilität auswirkt. Über die Hälfte der Mitglieder der International Group of P&I Clubs haben ihre Kriegsrisiko-Deckung für bestimmte Routen in der Golfregion suspendiert, was die ohnehin schon angespannte Lage weiter verschärft.
Ein großes Problem, das viele Unternehmen jetzt haben, sind die unklaren Vertragsklauseln. Wenn irgendwo das Wort „Kriegsrisiko“ auftaucht, wird es für viele ungemütlich. Die rechtlichen Fragen, die damit verbunden sind, rücken in den Fokus. Unternehmen müssen jetzt genau hinschauen, wie es um ihre bestehenden Kriegsrisiko-Policen steht und ob sie gegebenenfalls ihre ganze Lieferkette neu bewerten müssen. Die Risiken, die sich aus dieser unübersichtlichen Lage ergeben, könnten sogar zu einem Großschaden führen, der im hohen dreistelligen Millionenbereich liegen könnte.
Ein Black-Swan-Szenario?
Die Lage wird mittlerweile als Black-Swan-Szenario beschrieben – unvorhersehbar und mit enormen wirtschaftlichen Auswirkungen. Wenn man darüber nachdenkt, wie sehr die geopolitischen Risiken die Kosten für Sicherheits- und Versicherungsleistungen in die Höhe treiben, wird einem klar: Hier geht es um mehr als nur um ein paar höhere Preise. Die gesamte Branche muss sich auf neue Gegebenheiten einstellen. Und nicht nur die Schifffahrt – auch andere Sektoren wie Sachversicherungen, Haftpflichtversicherungen oder sogar Cyberversicherungen sollten die aktuellen Entwicklungen sorgfältig im Auge behalten.
Ein weiteres Thema, das Unternehmen nicht ignorieren können, sind die steigenden Akkumulations-Risiken für Versicherer und Rückversicherer. In einem Markt, der bereits unter Druck steht, könnte ein weiteres großes Unglück, sei es durch militärische Konflikte oder Naturkatastrophen, katastrophale Folgen haben. Rating-Agenturen warnen bereits vor zunehmendem Kapitaldruck und erhöhter Volatilität in den Spezialsparten. Wenn Versicherer ihre Kriegsklauseln nicht präziser fassen und die Risiken besser kontrollieren, könnte das für viele Unternehmen ein böses Erwachen geben.
