Klimawandel und Versicherung: Rheinland auf der Suche nach der Balance zwischen Verantwortung und Wachstum
Heute ist der 13.05.2026 und die Rheinland Versicherungsgruppe hat auf ihrer Hauptversammlung die Jahreszahlen für 2025 präsentiert. Lutz Bittermann, der Finanzvorstand, hat dabei nicht nur die Zahlen auf den Tisch gelegt, sondern auch eindringlich auf die Verantwortung hingewiesen, die die Branche im Umgang mit dem Klimawandel trägt. Es ist kein Geheimnis, dass wir mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, steigenden Spritpreisen und einer schleppenden Konjunktur kämpfen müssen. Diese Faktoren haben auch die Geschäftsentwicklung von Rheinland beeinflusst.
Die lokalen Folgen des Klimawandels sind mittlerweile nicht mehr zu leugnen. Häufigere Stürme, Überschwemmungen und Hagel – das alles fordert seinen Tribut. Im Geschäftsjahr 2024 gab es hohe Schäden durch Unwetter, aber für 2025 sieht es schon besser aus. Die Schadensausgaben sanken leicht von 324 Millionen Euro auf 319 Millionen Euro. Besonders bei den Kfz-Versicherungen fiel die Schadenquote von 87% auf 78%, was tatsächlich eine positive Entwicklung darstellt. Für die Wohngebäudeversicherungen sank sie sogar von 69% auf 51% – ein Lichtblick in stürmischen Zeiten.
Erfreuliche Ergebnisse trotz Herausforderungen
Das Konzernergebnis vor Steuern für 2025 liegt bei 12,5 Millionen Euro und damit über dem Vorjahr, das waren noch 9,6 Millionen Euro. Ein echter Grund zur Freude, zumal die Rhion Versicherung wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist und 3 Millionen Euro vor Steuern erwirtschaftet – im Vorjahr waren es noch -5 Millionen Euro. Die Beitragseinnahmen in den Niederlanden sind um beeindruckende 27,5% gestiegen. Das zeigt, dass die Rheinland Gruppe auch international auf einem guten Weg ist.
Doch nicht alles ist rosig: Die Rheinland-Holding AG meldet ein Ergebnis von 10 Millionen Euro vor Steuern, was einen Rückgang von 12,4 Millionen Euro bedeutet. Die Bruttobeitragseinnahmen sanken von 838 Millionen Euro auf 801 Millionen Euro, während der Geschäft mit Restkreditversicherungen von 235 Millionen Euro auf 169 Millionen Euro fiel. Hier kommt die geplante Einführung der Cooling-Off-Regel ins Spiel, die ab Januar 2025 in Kraft treten soll. Diese Regel besagt, dass Restschuldversicherungen frühestens eine Woche nach Abschluss der entsprechenden Darlehensverträge abgeschlossen werden dürfen. Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV, bezeichnet diese Maßnahme als europarechtswidrig und warnt vor einer Schutzlücke für die Kunden.
Ein Schritt in die richtige Richtung?
Die Verfassungsbeschwerde, die der GDV zusammen mit 22 Unternehmen eingereicht hat, zeigt, dass die Branche sich nicht einfach mit den neuen Regelungen abfinden möchte. Kritiker bemängeln, dass das einwöchige Abschlussverbot den Kunden die Möglichkeit nimmt, sich sofort abzusichern. Schließlich könnte jemand, der einen Bankkredit für ein neues Auto aufnimmt, erst eine Woche später seine Restschuldversicherung abschließen – und das ist alles andere als ideal.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Entwicklungen: Rheinland hat seine Rücklagen für unerwartete Schadensereignisse auf 63,1 Millionen Euro erhöht, das ist die höchste Zuführung aller Zeiten. Auch die Solvenzquote von 262% und das A+ Rating von der Rating-Agentur Assekurata zeigen, dass Rheinland in puncto Ausfallrisiken gut aufgestellt ist. Der Fokus auf die Absicherung der Wohngebäudeversicherung aufgrund der Risiken des Klimawandels ist ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Innovationen und Verantwortung
Versicherer stehen vor der Herausforderung, innovative Produkte zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kunden in Zeiten des Klimawandels gerecht werden. Es geht nicht nur darum, Schäden zu decken, sondern auch die Versicherungsnehmer zu motivieren, Anpassungsmaßnahmen zu verstärken. Die Förderung klimaresilienter Geschäftsmodelle ist unabdingbar, und Versicherer können Unternehmen durch Risikoberatungsdienste unterstützen. Das Ziel ist klar: eine nachhaltige Gestaltung der Branche, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.
